Würzburg

Menschenmassen am Mainkai Würzburg:  Fingerspitzengefühl statt Anzeigen?

Was können Polizei und Ordnungsdienst tun, wenn sich bei schönem Wetter die Menschen am Würzburger Mainufer tummeln? Ordnungsreferent Wolfgang Kleiner setzt auf Augenmaß.
Zahlreiche Menschen bevölkern bei herrlichen Temperaturen das Mainufer am Alten Kranen in Würzburg. Dies dürfte auch an diesem Wochenende wieder der Fall sein.
Foto: Silvia Gralla | Zahlreiche Menschen bevölkern bei herrlichen Temperaturen das Mainufer am Alten Kranen in Würzburg. Dies dürfte auch an diesem Wochenende wieder der Fall sein.

Der Wetterbericht für das Wochenende klingt verheißungsvoll. Aber schon an den nicht so warmen Tagen der letzten Wochen waren Bereiche des Mainufers, wie zum Beispiel am Alten Kranen, dicht bevölkert. Zu dicht, wie manche meinen: Abstandsregeln würden häufig missachtet. Und Polizei und Kommunaler Ordnungsdienst (KOD) würden dem bunten Treiben zusehen, ohne regulierend einzugreifen.

In der Pressekonferenz von Oberbürgermeister Christian Schuchardt am Freitagvormittag nahm Kommunalreferent Wolfgang Kleiner zur Berichterstattung dieser Redaktion zum Thema Stellung, auch wenn das Thema Freizeitverhalten "auch sonst" ein Thema der Pressekonferenz gewesen wäre, wie er zu Beginn sagte. 

"Da kann niemand sagen, wir hätten nicht auch mit Strenge durchgegriffen."
Wolfgang Kleiner, Kommunalreferent

Kleiner wehrte sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit und nannte die aktuellen Zahlen: So seien bei der Stadt bislang rund 3500  Ordnungswidrigkeitenverfahren aus verschiedenen Bereichen bekannt. "Vor allem natürlich Verstöße gegen das Maskentragen, Kontakt- oder Versammlungsverbote." Etwa 20 Prozent der Verfahren seien noch nicht abgearbeitet, dem stünden bereits Bußgeldbescheide über 440 000 Euro entgegen, so der Kommunalreferent. "Da kann niemand sagen, wir hätten nicht auch mit Strenge durchgegriffen."  

Lesen Sie auch:

Nach einem Jahr der Einschränkungen bräuchten die Menschen aber auch wieder einen Lichtblick. "Die Sonne scheint, und wenn man die Stadtteile Sanderau, Stadtmitte und die Zellerau zusammenzählt, dann hat man dort über 50 000 Menschen, die nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten haben, nach draußen zu gehen. Und da stellt sich die Frage: Wo sollen die Menschen denn hingehen? Da wird man immer Menschenansammlungen haben", so Kleiner. 

Verweilverbote sind durch Gerichte in anderen Bundesländern bereits gekippt worden

Er verwies auf einen offenen Brief vom 11. April von Vertretern der Gesellschaft für Aerosolforschung an die Bundesregierung, wonach die Infektionsgefahr im Freien überschätzt werde. Dies bestätige die Erfahrungen des Würzburger Gesundheitsamtes, dass die Infektionsgefahr von privaten Kontakten in geschlossenen Räumen herrühre. 

Lesen Sie auch:

Verweilverbote seien durch Gerichte in anderen Bundesländern bereits gekippt worden. Ein Alkoholverbot, das in letzter Konsequenz in der ganzen Stadt gelten müsse, würde die Leute wieder in den privaten Innenbereich treiben, so Kleiner. "Das bedeutet aber nicht, dass das Geschehen sich selbst überlassen wird", versicherte er.

Chef der Würzburger Polizei: "Streife laufen, sich sehen lassen und die Leute ansprechen"

Sicherlich sei es stellenweise nicht richtig, wie sich die Menschen bei schönem Wetter versammeln würden. Dies sei aber nichts, was das Infektionsgeschehen deutlich beeinflusse. Da müsse man ein Mittelmaß finden, so Kleiner. Am bevorstehenden Wochenende werde man auch mit Trassierbändern und Bodenmarkierungen versuchen, das Verhalten der Menschen zu beeinflussen. 

Lesen Sie auch:

Weil die Corona-Verordnung kein Bußgeld für das Nichteinhalten des Mindestabstandes vorsehe, sei wohl auch nicht gewollt, dass die Polizei unvermittelt hinter jedem Busch hervorspringe, ergänzte Matthias Weber, Leiter der Polizeiinspektion Würzburg-Stadt. Dennoch habe die Würzburger Polizei seit 1. Januar 864 Anzeigen an die Stadt Würzburg weitergeleitet, darunter seien rund 500, bei denen es um Menschenansammlungen gehe. Bei 170 Anzeigen gehe es um Verstöße gegen die Ausgangsperre und bei 126 Anzeigen um die Nichteinhaltung der Maskenpflicht.

"Es ist immer auch Fingerspitzengefühl gefragt", betonte auch Weber. So sehe es das Rahmenkonzept für das Mainufer auch vor. "Streife laufen, sich sehen lassen und die Leute ansprechen. Das hat immer wieder gut funktioniert", so Weber. Dies werde sicher in diesem Sommer schwieriger. "Den Leuten ist bereits viel abverlangt worden, da ist mehr Sensibilität gefragt." 

Zudem erstrecke sich das Mainufer in Würzburg über viele Kilometer, da könne die Polizei nicht überall gleichzeitig sein. "Die Einhaltung der Regeln kann man nicht durch Repression erreichen, sondern nur durch den ständigen Appell an das Verantwortungsbewusstsein der Menschen", so der Leiter der Polizeiinspektion. 

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Würzburg und erhalten Sie dreimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Würzburg
Ernst Lauterbach
Ausgangssperren und Ausgangsbeschränkungen
Berichterstattung
Bürgermeister und Oberbürgermeister
Christian Schuchardt
Coronavirus
Gesundheitsbehörden
Matthias Weber
Ortsteil
Polizeiinspektionen
Pressekonferenzen
Schönes Wetter
Stadt Würzburg
Wetterbericht
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (13)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!