Würzburg

MS-Erkrankte fuhren im Liegerad durchs Maindreieck

Ehrensache: Zum Empfang der MS-Selbsthilfegruppe drehte auch Würzburgs Bürgermeister Adi Bauer ein Runde im Liegerad.
Foto: Theresa Müller | Ehrensache: Zum Empfang der MS-Selbsthilfegruppe drehte auch Würzburgs Bürgermeister Adi Bauer ein Runde im Liegerad.

„Es war eine supertolle Tour mit liebevollen Menschen durch eine wunderbare Gegend.“ Michaela Waldmann aus Eibelstadt und Petra Köhler aus Augsburg kamen aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Die beiden an Multiple Sklerose (MS) erkrankte Frauen haben zum ersten Mal an der jährlichen Fahrradtour der MS-Selbsthilfegruppe „Radfahrlust“ teilgenommen. Diesmal führte die Strecke durch das Maindreieck. Am Freitag, dem vorletzten Tag der Tour empfing Würzburgs Bürgermeister Adolf Bauer die Gruppe im Würzburger Rathaus.

Lange hatte die 46-jährige Eibelstädterin gezögert, ob sie mitmachen sollte oder nicht. „Ich habe mich am Anfang nicht getraut.“ Sie habe gefürchtet, sie könnte den Fahrfluss der Gruppe hemmen, da sie eine Zeit lang kein Fahrrad gefahren ist. „Wenn nicht Sonja und Andre gewesen wären, hätte ich nicht mitgemacht.“ Gemeint ist das Ehepaar Pfister aus Margetshöchheim, das die Tour organisiert hat. Bereut hat die Eibelstädterin ihre Entscheidung nicht. „Meine Erwartungen sind mehr als übertroffen worden“, sagt Waldmann, die seit 2005 an Multiple Sklerose erkrankt ist.

Zwar kann sie noch laufen, aber nicht mehr als einen Kilometer. Deshalb wollte sie das Liegedreirad testen. „Es ist ein schönes Gefühl und entspannend ohne Ende.“ Aber die Spezialräder sind nicht ganz billig. Der Einstiegspreis liegt bei 3500 Euro, mit Elektro bestückt ist eines ab 5000 Euro zu haben. Das sei ein „stolzer Preis“, so Waldmann. Momentan wisse sie nicht, wie und wann sie sich ein solches Rad leisten könne. Auch die Augsburgerin spielt mit dem Gedanken, ein Liegedreirad zu kaufen. Bei der Tour hatte sie die Möglichkeit, es zu testen. Ihre Erfahrung? „Ich kann mehre Kilometer fahren, ohne richtig ausgepowert zu sein.“ Hinzu komme, dass man keine Angst habe, umzukippen.

Nicht nur für die beiden MS-Kranken war die Tour durch das Maindreieck ein pures Erlebnis. Man habe tolle Begegnungen gehabt, schöne Orte gesehen und Führungen mitgemacht, resümierte Klaus Vock, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe. „Wir waren allesamt begeistert. Mir war nicht klar, was für eine lebenswerte Gegend das Maindreieck ist“, so der Darmstädter. Die beiden Organisatoren hätten durch ihre akribische Detailplanung die Latte ein ganzes Stück höher gelegt. „Im nächsten Jahr wird es ganz schwierig, dieses Niveau zu erreichen“, sagt Vock.

Beim Empfang im Würzburger Rathaus zollte Bürgermeister Bauer den 40 Frauen und Männern hohen Respekt. Sie hätten mit der Tour anderen Leuten gezeigt, was man alles tun oder erreichen könne, wenn man sich engagiere und dabei Mut und Ausdauer habe und zielorientiert vorgehe. „Von daher haben Sie eine Vorbildfunktion wahrgenommen.“ Bauer wies darauf hin, dass Würzburg eine Menge von Selbsthilfegruppen vorzuweisen hat. „Wir haben hier bei uns ein offenes Ohr für diese Gruppen.“ Einmal in Fahrt gekommen, gab der Bürgermeister einen launigen historischen Abriss über die Dom- und Universitätsstadt, mit ihren zum Teil weltweit tätigen Institutionen.

Wie Jutta Behr von der Beratungsstelle für Senioren und Menschen mit Behinderung erläuterte, habe die Stadt beim Thema Inklusion eine „Vorreiterrolle“ in Bayern. So habe Würzburg als eine der ersten Kommunen in zwei Jahren intensiv einen Kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen erarbeitet. Dieser Aktionsplan sei dann im April 2014 vom Stadtrat beschlossen worden.

Während der einwöchigen Mainfranken-Tour bezogen die 55 Teilnehmer Quartier in der Margarethenhalle in Margetshöchheim. Da die Duschen und Toiletten im Keller liegen, überwand man die Treppen mit einer Treppenrampe und einem Treppenmobil. Bei der Vorbereitung habe er gedacht: „Da wird es wahrscheinlich Ärger geben“, sagt Vorsitzender Vock. Doch den gab es ganz und gar nicht. „Die Leute haben einfach ganz selbstverständlich gesagt: Das kriegen wir gemeinsam hin.“

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