Donnersdorf

Neuer CDU-Chef: Das sagen unterfränkische Politiker zur Laschet-Wahl

Viele in der Unterfranken-CSU wollten lieber Friedrich Merz als CDU-Chef. Auch bei der politischen Konkurrenz hat Armin Laschet nicht nur Unterstützer. Stimmen zur Wahl. 
Armin Laschet (links) ist neuer Vorsitzender der CDU. Erster Gratulant beim Parteitag war Friedrich Merz, der in der Stichwahl unterlegene Gegenkandidat. Aus Unterfranken gibt es nicht nur Zustimmung zu der Wahlentscheidung.
Foto: Michael Kappeler, dpa | Armin Laschet (links) ist neuer Vorsitzender der CDU. Erster Gratulant beim Parteitag war Friedrich Merz, der in der Stichwahl unterlegene Gegenkandidat. Aus Unterfranken gibt es nicht nur Zustimmung zu der ...

Armin Laschet ist neuer Bundesvorsitzender der CDU. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen setzte sich beim digitalen Parteitag am Samstag in einer Stichwahl mit 521:466 Stimmen gegen den früheren Fraktionschef Friedrich Merz durch. Der Außenpolitiker Norbert Röttgen war im ersten Wahlgang ausgeschieden.

In der CSU Unterfranken hätten sich viele eher Merz an der Spitze gewünscht. "Wirtschaft ist das Fundament unseres Wohlstands", sagt Gerhard Eck, der Bezirksvorsitzende. Insofern hätte ein ökonomisch versierter Fachmann wie der ehemalige Fraktionschef "mehr Union pur" versprochen. Selbstverständlich aber akzeptiere er die Wahl von Laschet, so Eck. Um Erfolg zu haben, müsse der NRW-Ministerpräsident nun alles daran setzen, "den Merz-Flügel in die Parteiarbeit gut einzubinden".

Gerhard Eck ist Vorsitzender der CSU in Unterfranken.
Foto: Silvia Gralla | Gerhard Eck ist Vorsitzender der CSU in Unterfranken.

Ob Armin Laschet auch der richtige Kanzlerkandidat für CDU und CSU ist oder doch eher CSU-Chef Markus Söder zum Zuge kommen sollte, darüber habe er sich "noch keinen Kopf gemacht", sagt der bayerische Innenstaatssekretär. Es bleibe noch Zeit, um über die richtige Aufstellung für die Bundestagswahl zu entscheiden. "Der Wahlkampf hat noch nicht begonnen."

"Schade" findet der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Hoffmann (Retzbach), dass sich die CDU-Delegierten mehrheitlich gegen Merz entschieden haben. Er hat aus seinen Sympathien für den Sauerländer nie einen Hehl gemacht. Offenbar, so Hoffmanns Analyse, habe Laschet mit seiner klaren Ansage, alle Strömungen der Partei wieder zusammenzuführen, punkten können. Auch habe er sehr von den aktuellen Sympathie-Werten für Angela Merkel profitiert.

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Die Frage nach Laschets Eignung als CDU/CSU-Kanzlerkandidat will Hoffmann derzeit nicht beantworten. "Das ist aktuell noch kein Thema", sagt er.  Jetzt gelte es erst einmal, die Corona-Krise zu bewältigen. Am Ende werde entscheidend sein, dass derjenige antritt, "der möglichst viele Menschen begeistern kann".

"Chance vertan", so kommentiert der CSU-Landtagsabgeordnete Steffen Vogel (Obertheres) die CDU-Wahl auf seiner Facebook-Seite. Merz hätte für einen "Aufbruch" gestanden, schreibt Vogel. Er sei nun gespannt, "wie wir mit Laschet bei der Bundestagswahl erfolgreich sein wollen". Seine Freunde fordert er auf, ihre Meinung zu sagen. Und diese fällt durchaus gemischt aus.

Vogels CSU-Abgeordneten-Kollegin Judith Gerlach (Aschaffenburg) gehört offensichtlich nicht zu den Merz-Freunden. Bei Twitter verbreitet die bayerische Digitalministerin einen "Tageschau"-Kommentar mit dem Titel "Zum Glück nicht Merz". Gleichzeitig macht sie sich mit viel Ironie ("sooo großzügig") über die Forderung des Sauerländers nach einem Minister-Posten bei gleichzeitigem Verzicht auf ein Parteiamt – angeblich zugunsten von Frauen – lustig. 

Bernd Rützel (links) ist SPD-Bezirksvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, Alexander Hoffmann ist CSU-Bundestagsabgeordneter für Main-Spessart.
Foto: Susanne Fricke | Bernd Rützel (links) ist SPD-Bezirksvorsitzender und Bundestagsabgeordneter, Alexander Hoffmann ist CSU-Bundestagsabgeordneter für Main-Spessart.

Bei der politischen Konkurrenz sieht man die CDU-Entscheidung gelassen. Bernd Rützel (Gemünden), der Bezirksvorsitzende der SPD, war am Samstagvormittag lieber im winterlichen Spessart wandern statt den CDU-Parteitag am Fernseher zu verfolgen. "Ich hätte getippt, dass Merz gewinnt", sagt er. Laschet aber sei ein "respektabler Kollege", so der Bundestagsabgeordnete. Er wolle die internen Entscheidungen beim Koalitionspartner in Berlin aber nicht weiter kommentieren.

Wichtig sei nur, dass CDU und CSU jetzt auch die Kanzlerkandidaten-Frage schnell klären. Schließlich erwarteten die Bürger die volle Konzentration der Politik auf die "anstehenden Aufgaben", allen voran die Bewältigung der Pandemie und ihrer Folgen. Sein Favorit für die Bundestagswahl, sagt Rützel, sei eh längst nominiert: der "bärenstarke Olaf Scholz".

Manuela  Rottmann ist Grünen-Bundestagsabgeordnete.
Foto: Saale-Zeitung | Manuela Rottmann ist Grünen-Bundestagsabgeordnete.

Manuela Rottmann (Hammelburg), die Bundestagsabgeordnete der Grünen, fürchtet, dass die Konflikte, "die die CDU in die Neuwahl getrieben haben", auch nach der Wahl des NRW-Ministerpräsidenten bestehen bleiben. "Die Unterstützung für Laschet ist ja so deutlich nicht." Das Verhältnis zur AfD, der richtige Weg zur Modernisierung der Gesellschaft blieben auch unter dem neuen Vorsitzenden Streitpunkte, sagt Rottmann. Hinzu komme die ungeklärte Kanzlerkandidaten-Frage. Insofern gehe die Union geschwächt in die nächsten Wochen. Politische Programme etwa im Kampf gegen den Klimawandel seien nicht zu erwarten.

Darauf angesprochen, dass ja auch die Grünen noch keinen Kanzlerkandidaten nominiert haben, sagt Rottmann: "Der Unterschied aber ist, dass beide, Annalena Baerbock und Robert Habeck, gleichermaßen quer durch die Partei beliebt sind."

Der Bundestagsabgeordnete Karsten Klein ist FDP-Bezirksvorsitzender.
Foto: Dominik Konrad | Der Bundestagsabgeordnete Karsten Klein ist FDP-Bezirksvorsitzender.

Karsten Klein (Aschaffenburg), der FDP-Bezirksvorsitzende, hat die Entscheidung für Laschet zwiespältig aufgenommen. Friedrich Merz sei mit seinen wirtschaftspolitischen Ideen sicher näher bei der FDP als der NRW-Ministerpräsident. Bei den gesellschaftspolitischen Vorstellungen, etwa bei den Bürgerrechten, sehe er, so Klein, hingegen viele Parallelen zu Laschet. Immerhin führe dieser aktuell in seinem Bundesland sehr erfolgreich eine schwarz-gelbe Koalition. Diese könnte durchaus Vorbild auch für die Bundespolitik sein.

Klein rechnet fest damit, dass Armin Laschet nun auch Kanzlerkandidat der Union wird. Diese Chance könne er sich als Bundesvorsitzender und Chef des größten CDU-Landesverbandes nicht nehmen lassen, auch nicht von Markus Söder.

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