Röttingen

Röttingen: Die Stadt sucht Bauherren für Taubergasse

Einen Altbau hat die Stadt abreißen lassen, und für die Bebauung des Quartiers gibt es auch bereits einen Entwurf. Was noch fehlt, ist ein Bauherr für das Projekt.
Noch klafft im Altort von Röttingen eine Baulücke, doch bald sollen hier drei Wohnhäuser entstehen.
Foto: Markhard Brunecker | Noch klafft im Altort von Röttingen eine Baulücke, doch bald sollen hier drei Wohnhäuser entstehen.

Viele ländliche Kommunen haben das Problem, dass leer stehende Gebäude oder Hofstellen ungenutzt bleiben, weil die Abbruchkosten den wirtschaftlichen Wert übersteigen, so auch in Röttingen. Die Stadt Röttingen hatte 2015 bei einer Zwangsversteigerung für 5000 Euro das mit Wohnhaus, Scheune und Nebengebäude dicht bebaute, rund 800 Quadratmeter große Anwesen Taubergasse 4 erworben. Abriss und Entsorgung waren für das ehemalige "Biebelmann-Anwesen" auf über 300.000 Euro geschätzt worden. Das entspricht knapp 400 Euro pro Quadratmeter.

Daher hat die Stadt Röttingen die Initiative ergriffen, um eventuell mit Hilfe der Städtebauförderung nach einer Lösung zu suchen. Auch die Förderstelle und das Bauministerium hatten das Problem mit unwirtschaftlichen Sanierungsfällen erkannt und das Anwesen zum Modellfall im Förderprogramm "Ort schafft Mitte" erhoben. Bislang galten Abbruch- und Entsorgungskosten nicht als förderfähig. Für den Modellfall Röttingen gewährte die Städtebauförderung einen Zuschuss von 80 Prozent, um das "neue Baugebiet" mitten im Altort attraktiv zu gestalten.

Erst bebauen, dann vermarkten

Im Frühjahr 2016 schrieb die Kommune einen Architektenworkshop aus - den Großteil der Kosten dafür übernahm ebenfalls die Städtebauförderung - mit dem Ziel der Schaffung zeitgemäßen Wohnraums mit einer "qualitätsvollen Neuordnung im Altort". Am Ende konnte das Schweinfurter Büro Schlicht Lamprecht Architekten die Jury überzeugen. Der Entwurf sieht drei Einfamilienhäuser mit sechs Stellplätzen vor, die sich auf dem Grundstück um einen zentralen, öffentlichen Platz gruppieren. Aus dem Rathaus hieß es damals, Kaufinteressenten gebe es bereits. Passiert ist auf dem Grundstück seit dem Abbruch 2019 aber noch nichts.

Das soll sich schnellstens ändern, wie in einer Sitzung des Röttinger Stadtrats deutlich gemacht wurde. Der Stadtrat hat sich dafür entschieden, möglichst einen privaten Bauträger zu suchen, der die drei Einfamilienhäuser baut und anschließend vermarktet. Ursprünglich war eigentlich diese Aufgabe für die stadteigene Stadtbau GmbH vorgesehen gewesen. Über einen städtebaulichen Vertrag könnten die drei Häuser aus einer Hand einfacher umgesetzt werden als mit drei verschiedenen Bauherren. Daher sucht die Stadt Röttingen Bewerber, die an dem Projekt Interesse haben und in der Region investieren.

So soll das Quartier in der Taubergasse in Röttingen einmal aussehen.
Foto: Konzept und Modell: Schlicht Lamprecht Architekten, Schweinfurt / Visualisierung: 3D Betrieb, Würzburg | So soll das Quartier in der Taubergasse in Röttingen einmal aussehen.

Da Bauland in dem Taubertalstädtchen aktuell sehr knapp ist, hofft Bürgermeister Hermann Gabel natürlich auf entsprechende Nachfrage. Vor allem die Lage mitten im Ort sei hervorragend. Die äußere Architektur für die drei geplanten Häuser soll gemäß den Plänen des Architekturbüros Schlicht & Lampert aus dem gewonnenen Wettbewerb umgesetzt werden. Für die Regierung von Unterfranken hat die städtebauliche Qualität dieser Entwurfsarbeit absolute Priorität bei der Umsetzung, so der Förderexperte Manfred Grüner von der Regierung von Unterfranken gegenüber dieser Redaktion.

Grüner kommt richtig ins Schwärmen, wenn er die Lage des neuen Baugebiets mitten im Altort sieht und setzt darauf, dass es "was Ordentliches" wird. "Der Innenausbau bleibt jedem Eigentümer selbst überlassen. Außen muss die Qualität stimmen", so sein wichtiges Resümee. Er hofft, dass wieder Bewegung in das Projekt kommt. Das "Vorzeigeprojekt" ist gleichzeitig ein Modellprojekt der Städtebauförderung und könnte beispielgebend für viele bayerische Städte und Gemeinden werden. Hinzu kommt, dass die Gebäude als Ausbauhäuser errichtet werden können. Das heißt, die Käufer können, um Geld zu sparen, beim Innenausbau nach Belieben selbst Hand anlegen.

Frage der Energieversorgung ist noch offen

Völlig offen ist auch noch, wie die drei neuen Wohnhäuser mit Energie versorgt werden. Eine Möglichkeit wäre etwa der Bau eines zentralen Blockheizkraftwerks. Zudem ermögliche der Zuschnitt Erweiterungsvarianten. Gespräche mit angrenzenden Nachbarn laufen zwar, doch Entscheidungen sind noch völlig offen. Bürgermeister Gabel sieht hier eine hervorragende Gelegenheit, im historischen Altort mit Charme Wohnraum zu schaffen und zu zeigen, dass es sich lohnt, in der Region zu investieren.

Es soll sich auch zeigen, wie mit neuen Bauprojekten Wohnraum geschaffen werden kann, damit die Stadtkerne in den Altorten nicht aussterben. Da die Stadt Röttingen in den nächsten Jahren viel für die Infrastruktur zu tätigen hat, möchte sie dem freien Markt diese Aufgabe zukommen lassen und diese Option wählen.

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