LANDKREIS WÜRZBURG

Schon die Bischöfe stritten um die Jagd

Mach mir den Hirsch: Tobias weiß, wie der sein Geweih trägt - auch wenn es in den Wäldern im Landkreis Würzburg gar keine Hirsche mehr gibt.
Foto: Wilma Wolf | Mach mir den Hirsch: Tobias weiß, wie der sein Geweih trägt - auch wenn es in den Wäldern im Landkreis Würzburg gar keine Hirsche mehr gibt.

Wild und Wald waren das Thema bei der zehnten Exkursion zum Internationalen Jahr der Wälder im Irtenberger Wald zwischen Kist und Gerchsheim.

Groß war das Interesse, an die 80 Naturfreunde, darunter auch viele passionierte Jäger und einige Stammgäste der Wanderung, begrüßten Bernd Zürner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg und Revierförster Wolfgang Schölch von den bayerischen Staatsforsten Arnstein. Zur Stärkung hatte Schölch Griebenschmalz und Wurst aus Wild mitgebracht.

Bevor es richtig losging, gab es eine kleine Trophäenschau von Reh- und Hirschgeweihen. Dazu eine lautstarke Demonstration eines Rehrufes. „Mit dieser Fiepe kann man Rehe anlocken und so habe ich es dieses Jahr geschafft, einen Rehbock zu schießen“, sagte Schölch. Tobias aus Kleinrinderfeld wusste sofort, wie der Hirsch sein Geweih trägt, schließlich hat er eins zuhause. Allerdings gibt es in den Wäldern im Landkreis Würzburg keine Hirsche, dafür im Spessart umso mehr.

Auch die Zähne eines Wildschwein-Keilers, die bis zu zwanzig Zentimeter lang werden können, zeigte Schölch. Bei Erbachshof sei mal ein Keiler geschossen worden, der um die 130 Kilogramm hatte, sagte er. Und was gibt es noch in unseren Wäldern? Fuchs, Dachs, Marder, Hasen – aber mit Luchs, Wolf und Bär sei nichts mehr los, so der Experte. Die Wildzahl habe sich verringert.

An historischer Stelle standen die Besucher – direkt an der Grenze zum Staatswald Baden-Württemberg. Dort wo die Hoheitssäulen der einstigen Reviere noch heute von der fürstbischöflichen Jagd zeugen. Deshalb war auch Försterkollege und Freund Helmut Weimert gekommen. Dagegen seien die Bischöfe früher nicht so gut Freund gewesen, der Mainzer und der Würzburger Fürstbischof hätten sich lange Zeit um den Irtenberger Wald gestritten.

Dabei sei es immer um die Jagd gegangen, bei der auch Wolf und Bär noch eine wichtige Rolle spielten. „Jagd war damals etwas Edles, dem Adel vorbehalten, die Bauern waren ausgeschlossen“, erklärte Schölch. Viele Namen von Teilen des Waldes zeugen heute noch von alten Jagdritualen, zum Beispiel das „Verhängte Jagen“ im Irtenberger Wald.

Rund 1600 Hektar Wald rund um Kist sind Eigentum des bayerischen Staates, 16 Jäger bejagen diese Fläche. Einer von ihnen ist Schölchs „jüngster Jäger“ mit gerade mal 18 Jahren, Philipp Müller. Jedes Jahr werden hier rund 180 Rehe erlegt, beim Schwarzwild hänge es davon ab „wie geschickt wir sind und wie unsere Drückjagden laufen“, meinte Schölch. Auch die Einzeljagd mache zu manchen Jahreszeiten durchaus Sinn. Aber nur die Kombination aus beiden bringe den gewünschten Jagderfolg.

Über den Spannungskonflikt zwischen Waldbau und Ökologie sprach Helmut Weimert im baden-württembergischen Staatswald. Dabei soll die dauerhafte Nutzungsfähigkeit des Waldes gewährleistet werden. Das sei Aufgabe des Försters, zum einen durch schonende Arbeitsverfahren und zum anderen durch die richtige Auswahl der Bäume.

„Die Bäume, die wir wollen, sollen größtenteils natürlich nachgezogen“, erklärte Weimert. Nur das, was sich nicht natürlich verjüngt, muss ergänzt werden. An allem, was nachwächst, sei aber auch das Rehwild interessiert. Dann zeigte er noch den Waldmeister, der dem Wald seinen Namen gab: Waldmeister-Buchen-Mischwald.

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Mitten im Wald: Die Hoheitssäulen der einstigen Reviere zeugen noch heute von der fürstbischöflichen Jagd.
Foto: Wilma Wolf | Mitten im Wald: Die Hoheitssäulen der einstigen Reviere zeugen noch heute von der fürstbischöflichen Jagd.
Abtauchen in die Mythologie alter Bäume       -
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