WÜRZBURG

Spenden für Flüchtlinge: Ein kleiner Lichtblick

Gemeinsamer Einsatz für die Flüchtlinge: Eva Peteler (rechts) vom Heimcafé freut sich über die zwei Spendenaktionen von Daria Iwassenko.
Foto: Regine Beyss | Gemeinsamer Einsatz für die Flüchtlinge: Eva Peteler (rechts) vom Heimcafé freut sich über die zwei Spendenaktionen von Daria Iwassenko.

Mit einer Mischung aus Begeisterung und Traurigkeit verließ Daria Iwassenko die Würzburger Gemeinschaftsunterkunft (GU) nach ihrem ersten Besuch. Begeistert, weil die Bewohner sie so herzlich und voller Dankbarkeit empfangen hatten. Traurig, weil sie die Situation dieser Menschen schockierte. „Ich war erschlagen von dieser Atmosphäre“, erinnert sich die Studentin. „Die Gebäude sind so kalt, nirgendwo sieht man etwas Grünes. Alles strahlt irgendwie Hoffnungslosigkeit aus.“

Erst wenige Wochen liegt diese Erfahrung zurück. Damals begleitete Daria Iwassenko eine Bekannte zum Frauenfrühstück der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG), das jeden Freitag stattfindet. Ihre Eindrücke ließen die 22-Jährige nicht mehr los – sie wollte etwas unternehmen.

Schon länger war die Studentin im Organisationsteam der Kellerperle aktiv – das neue studentische Kulturzentrum im Studentenhaus: „Das wollte ich nutzen und irgendwie miteinander verbinden.“ Ihre erste Idee war ein gemütliches Beisammensein an den folgenden vier Adventssonntagen, bei dem Spenden gesammelt werden können. Doch im Laufe der Planungen packte sie der Ehrgeiz.

„Zwei Wochen lang habe ich nichts anderes gemacht als zu telefonieren und Emails zu schreiben“, erzählt Iwassenko. „Von morgens bis abends.“ Zwar bekam sie Unterstützung von Freunden und Bekannten, doch die gesamte Organisation lag in ihren Händen. Das Ergebnis ihrer Arbeit war ein mehrstündiges Programm am zweiten Adventssonntag, das rund 100 Besucher in die Kellerperle lockte: Eine Lesung bei Glühwein und Gebäck, eine Auktion von Sachspenden, Auftritte von Sängern und Bands sowie veganes Essen standen auf dem Programm. Auch Eva Peteler, die für das wöchentlich stattfindende Heimcafé in der GU zuständig ist, war zu Gast. Sie hielt einen Vortrag zum Thema „Flüchtlingssituation und Flüchtlingsarbeit“.

„Meine Erinnerungen an den Tag sind irgendwie verschwommen“, sagt Iwassenko. „Ich war so im Stress – aber es war schöner Stress.“ Die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer belohnten sie: „Eine Frau aus Armenien sagte mir, sie hätte sich in Deutschland noch nie so wohl und willkommen gefühlt – das gibt mir natürlich viel.“

Neben den Einnahmen aus der Auktion und des Buffets spendete das Studentenwerk den Tageserlös des Kneipenbetriebs. Auch die Thekenkräfte der Kellerperle verzichteten zugunsten der Aktion auf ihren Lohn. Das Geld soll drei Organisationen zugute kommen, die sich für die Flüchtlingsarbeit in Würzburg einsetzen: dem Verein „Vivovolo“, dem Heimcafé und dem Arbeitskreis Asyl der KHG. „Die Dringlichkeit ist auf jeden Fall da“, weiß Iwassenko aus Gesprächen mit den ehrenamtlichen Helfern.

Die GU befindet sich außerhalb der Stadt auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne, das mit Stacheldraht umzäunt ist und nur durch eine bewachte Schleuse betreten werden kann. „Rund 500 Menschen leben derzeit dort“, sagt die 22-Jährige. Sie bekommen zwar Essens- und Hygienepakete, doch deren Qualität sei oft mangelhaft. Und auf die Zusammensetzung hätten die Flüchtlinge auch keinerlei Einfluss. Im Monat steht ihnen ein Taschengeld von 40 Euro zur Verfügung. Iwassenko: „Die Aktionen sind für die Bewohner wenigstens ein kleiner Lichtblick.“

Die zweite Auflage der Veranstaltung findet am vierten Adventssonntag statt (siehe Infokasten). Doch auch danach möchte die Studentin das Thema im Blick behalten. So plant sie zum Beispiel eine Ausstellung mit Fotos von Ausflügen mit den rund 60 Kindern, die in der GU leben. „Das Thema muss immer wieder ins Bewusstsein der Bevölkerung gerückt werden“, findet Iwassenko.

Die zweite Spendenaktion

Die nächste Spendenaktion für Flüchtlinge findet am Sonntag, 18. Dezember, ab 12 Uhr wieder in der Kellerperle im Studentenhaus Würzburg statt. Bei Kaffee, Kuchen und Glühwein gegen Spende beginnt gegen 13 Uhr eine Lesung. Auch Flüchtlingen werden daran mitwirken. Anschließend informiert ein Vortrag die Besucher über „Flüchtlingssituation und Flüchtlingsarbeit“. Geplanter Beginn ist 15 Uhr. Ab 16 Uhr werden bei einer Auktion zahlreiche Sachspenden versteigert. Danach übernehmen ab 18 Uhr verschiedene Bands übernehmen die Bühne. Mit dabei ist zum Beispiel „Lilly among Thorns“. Veganes Essen gibt es gegen Spende ab 19 Uhr. Wie bereits bei der ersten Veranstaltung spendet das Studentenwerk den Erlös des Kneipenbetriebs. Die Thekenkräfte stiften ihren Lohn. Text: Reb

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