Würzburg

Weinprobe im Internet: Wie fränkische Winzer der Krise trotzen

Weinverkostungen beim Winzer sind wegen Corona derzeit nicht möglich. Einige Weinbauern in der Region bieten deswegen Weinproben im Internet an. Wie das funktioniert.
Aktuell finden in Franken viele Weinproben per Videokonferenz statt.
Foto: Katja Glatzer | Aktuell finden in Franken viele Weinproben per Videokonferenz statt.

"Jede Krise birgt auch eine Chance. Da war uns klar, dass wir aktiv werden müssen", sagt Andrea Wirsching. Direkt zu Beginn der Pandemie hätte die Winzerfamilie nach Möglichkeiten gesucht, wie es weitergehen könne, berichtet die 56-Jährige. Wie auch andere Winzer in der Region bietet das Weingut Hans Wirsching aus Iphofen (Lkr. Kitzingen) deswegen digitale Weinproben an. Da aufgrund der Kontaktbeschränkungen keine Proben auf dem Weingut stattfinden dürfen, hat Wirsching den Kundenkontakt ins Internet verlagert. Seit Mitte April können sich Interessenten auf der Internetseite des Weinguts zu virtuellen Weinverköstigungen anmelden. Per Post bekommt der Kunde dann den Wein, per E-Mail den Link zur Videokonferenz.

Während der virtuellen Vorstellung werden bis zu sechs Weine probiert. Bei der Auswahl achtet die Veranstalterin darauf, dass die Teilnehmer einen "allgemeinen Rundumblick" bekommen. "Die Leute sollen unterschiedliche Qualitätsstufen und unterschiedliche Rebsorten erleben", erklärt die Geschäftsführerin. Los geht's mit dem Secco, dann wird der Roséwein probiert und danach geht Andrea Wirsching zu den Weißweinen über. Je nach Art der Probe würden sich die Weine unterscheiden, "abhängig nach Saison und Themen", erklärt sie.

Schulung per Livestream

Auch der Winzer Martin Göbel aus Randersacker (Lkr. Würzburg) veranstaltet künftig online Weinproben, dazu verkauft er Testpakete über das Internet. Göbel will vor allem Weine anbieten, die der Kunde bisher nicht kenne. Im Gegensatz zu Andrea Wirsching, die die Videoplattform Zoom nutzt, die beispielsweise auch viele Unternehmen und Universitäten verwenden, setzt er auf eine andere Software. Ab diesem Samstag geht Göbel live mit seinen Weinverkostungen auf dem Sozialen Netzwerk Instagram. "Dort kann jeder zugucken, jeder hat die Möglichkeit dabei zu sein, egal ob er unseren Wein hat oder nicht", erklärt der Winzer. Allerdings muss man dafür bei Instagram angemeldet sein. 

Andrea Wirsching bietet seit Mitte April digitale Weinproben an.
Foto: Andrea Wirsching | Andrea Wirsching bietet seit Mitte April digitale Weinproben an.

Während der Online-Weinprobe erhält Wirsching Unterstützung von Weinfachmann Klaus-Peter Heigel. Während der Konferenz, die bis zu zwei Stunden dauert, lernen die Teilnehmer daher nicht nur die verschiedenen Weinsorten kennen, sondern werden von Wirsching und Heigl über verschiedene Themenbereiche aufgeklärt. "Bei der Weinprobe geht es um Wissensvermittlung", sagt Wirsching.

Angst um Weinkultur

Die meisten Leute würden sich besonders für alles rund um den Weinberg interessieren, berichtet Andrea Wirsching, also "wie die Pflanze arbeitet oder auch was einen guten Weinberg ausmacht". Auch über die Herausforderungen beim Anbau informiert sie die Konferenzteilnehmer, beispielsweise über den Einfluss des Klimawandels oder den Schädlingsbefall durch die Reblaus. Bisher seien die Reaktionen sehr positiv gewesen, erzählt sie.

Während der Videokonferenz blendet die Winzerin immer wieder informative Videos und Bilder ein. Doch dass eine Online-Weinprobe kaum das Erlebnis "Weinkultur" ersetzen könne, sei klar, sagt Michael Bock, der Pressereferent des Fränkischen Weinbauverbands in Würzburg. Spaziergänge durch die Weinberge oder auch eine Kellerführung – das alles fehle in der virtuellen Welt.

Auch Winzer Martin Göbel aus Randersacker (Lkr. Würzburg) bietet demnächst Online-Weinproben an.
Foto: Göbel | Auch Winzer Martin Göbel aus Randersacker (Lkr. Würzburg) bietet demnächst Online-Weinproben an.

Auch Winzer Martin Göbel aus Randersacker wird während seinen Live-Schaltungen etwas über die fränkische Weinlandschaft erzählen. Für den 36-Jährigen steht aber noch etwas anderes im Vordergrund: "Dass man den Kontakt zu seinen Kunden hat, das ist mir ganz wichtig. Denn im Wein steckt immer auch etwas von der Persönlichkeit des Winzers." Für Wirsching stehe bei den Online-Weinproben der Kundenkontakt ebenfalls an erster Stelle: "Es ist für uns ein Kommunikationsmittel, damit verdienen wir nicht das dicke Geld."

Weinprobe auf der Wohnzimmercouch

Trotzdem ist Wirsching von der digitalen Weinprobe überzeugt: "Für die Leute ist das total easy, die sitzen daheim auf dem Sofa, haben keinen Aufwand und müssen nicht mehr Auto fahren."An den virtuellen Tastings nehmen deswegen nicht nur gestandene Weinkenner teil. Auch Neulinge begrüßt Wirsching in den Videokonferenzen häufiger. "Das macht auch wirklich Spaß, so mit den Leuten zu interagieren."

Der Verband unterstütze die Winzer "bei Kommunikationsmaßnahmen, die den Weinverkauf und das Image des Frankenwein fördern", so Bock. Vorerst jedoch müssen Weinliebhaber und Winzer noch mit der Verkostung übers Internet vorlieb nehmen. Wer sich an einem Abend alleine durch mehrere Flaschen Wein probiert, würde freilich nicht jede davon leer trinken, erklärt Andrea Wirsching. Im Kühlschrank würde sich der Wein aber immerhin, je nach Sorte, noch bis zu einer Woche halten. 

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