Würzburg

Wie die Würzburger Jugendherberge Corona überstanden hat und warum es andere Herbergen nicht mehr gibt

Früher übernachteten in der Würzburger Jugendherberge etwa 45.000 Personen pro Jahr – dann kam Corona. Wie die Herbergsleiterin Jutta Summer in die Zukunft blickt.
Herbergsleiterin Jutta Summer in der neuen Chill Out Lounge der Würzburger Jugendherberge am Fred-Joseph-Platz. Corona hat sich auch auf die jährlichen  Übernachtungszahlen der Herberge ausgewirkt. 
Foto: Johannes Kiefer | Herbergsleiterin Jutta Summer in der neuen Chill Out Lounge der Würzburger Jugendherberge am Fred-Joseph-Platz. Corona hat sich auch auf die jährlichen  Übernachtungszahlen der Herberge ausgewirkt. 

Zehn Monate lang war die Würzburger Jugendherberge für rund 7,8 Millionen Euro aufwändig umgebaut und modernisiert worden, ehe sie Mitte 2018 wiedereröffnet wurde. Gerade begann das "Geschäft" wieder so richtig zu laufen – dann kam Corona.

"Wir haben das hier schon relativ schnell bemerkt", erinnert sich Herbergsleiterin Jutta Summer, "denn schon im Februar 2020 haben die ersten italienischen Schulklassen, die sonst im Frühjahr für ihre Deutschkurse zu uns kamen, ihre Aufenthalte storniert". Italien, mit dem Schwerpunkt Norditalien, war Anfang 2020 eines der Länder in Europa gewesen, die besonders früh und besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen gewesen waren

"Wir haben das hier schon relativ schnell bemerkt."
Jutta Summer, Herbergsleiterin

"Ich kann mich noch erinnern, dass eine Mitarbeiterin an der Rezeption gesagt hat, wenn das so weiter geht, müssen wir in Kurzarbeit gehen", weiß Summer. Da habe noch keiner daran gedacht, dass in Deutschland bald buchstäblich Grabesstille herrschen werde. Doch am 16. März sei dann plötzlich die Anweisung gekommen zu schließen, sagt die Herbergsleiterin. "Und die Mitarbeiter mussten wirklich alle in Kurzarbeit gehen." 

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Erst Pfingsten 2020 durfte wieder geöffnet werden, zunächst nur für Familien

Erst Pfingsten 2020 durfte wieder geöffnet werden, zunächst nur für Familien. "Mit Abstand und Maskenpflicht unter Einhaltung aller Coronaregeln", erzählt Summer. Die Monate kamen und gingen, die Regeln, wer kommen durfte und wer nicht, änderten sich immer wieder – bis zum zweiten Lockdown am 18. Dezember. "Der sollte ja eigentlich nur bis zum Ende der Weihnachtsferien dauern", sagt Summer. "Es wurde dann aber doch der 7. März, bis wir wieder Berufsschüler und Geschäftsreisende im Einzelzimmer aufnehmen durften."

Eines der Zweibettzimmer der Jugendherberge.
Foto: Johannes Kiefer | Eines der Zweibettzimmer der Jugendherberge.

Wieder wurde es Pfingsten, bis auch wieder Familien kommen durften. Klassenfahrten waren durchgehend von März 2020 bis Mitte April 2022 verboten. "Die haben uns wirklich gefehlt", sagt Summer. Und wegen des 'Corona-Winters', in dem auch der Weihnachtsmarkt in Würzburg abgesagt wurde, stagnierten  die Buchungszahlen auch im November, Dezember und Januar. "Da waren wir wieder in Kurzarbeit", erinnert sie sich.

Das Jugendherbergswerk als eingetragener Verein darf keinen Gewinn machen

Was nicht vergessen werden darf: "Das Jugendherbergswerk als eingetragener Verein darf keinen Gewinn machen. Das Geld muss immer sofort wieder investiert werden", erläutert Summer. "Das heißt, wir hatten keine Rücklagen, mussten von heute auf morgen schließen und hatten auch keinen Rettungsschirm, wie es ihn zum Beispiel für die Hotels gab. Das hat unseren Vorständen ganz schön zugesetzt." 

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Die bayerischen Herbergen hätten aber relativ schnell die Zusage des Freistaates bekommen, dass man sie nicht hängen lassen werde. "Aber wir mussten, nachdem wir wieder eröffnen konnten, fast alles zurückzahlen", berichtet Summer. Kleinere Häuser, die zuvor schon schlecht dagestanden seien und sich im laufenden Betrieb selbst nicht mehr tragen konnten, hätten das auch nicht überlebt. "Die Herbergen in Frauenberg-Haidmühle, Bayrisch Eisenstein oder Lohr gibt es jetzt nicht mehr", sagt Summer. 

Nach dem Umbau waren bis zu 48.000 Übernachtungen pro Jahr angepeilt

"Ich bin zuversichtlich, was die Zukunft betrifft", sagt sie. Nur der Winter könne schwierig werden. "Ich glaube zwar nicht, dass es nochmals einen Lockdown geben wird, aber es könnte zum Beispiel wieder ein Reiseverbot für Schulklassen geben", sagt sie. Dabei hatte sie nach dem Umbau auf eine Steigerung der Übernachtungszahlen gesetzt.  "Wir müssen diese Investition ja wieder reinholen", sagt sie. Das sei aber derzeit noch ein bisschen schwierig. "Nach dem Umbau hatten wir bis zu 48.000 Übernachtungen pro Jahr angepeilt. Die brauchen wir auch wieder", sagt Summer.

Ein Blick in die öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss der Würzburger Jugendherberge.
Foto: Johannes Kiefer | Ein Blick in die öffentlichen Toiletten im Erdgeschoss der Würzburger Jugendherberge.

Das wird aber noch ein bisschen dauern. Waren es vor dem Umbau pro Jahr rund 45.000 Gäste in der Würzburger Herberge gewesen, kamen 2020 nur 16.476 Übernachtungsgäste. "2021 waren es 20.883, da war der Sommer schon wieder besser als im Vorjahr", berichtet Summer. Und es geht weiter aufwärts: "Bis August dieses Jahres kamen bereits 24.068 Übernachtungsgäste."

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Und es gibt gute Nachrichten: "Die Schulklassen aus Italien kommen wieder und auch die Amerikaner. Auch Gäste aus Mexiko, Chile oder Spanien sind wieder da oder haben bereits für das kommende Jahr gebucht", freut sich die Herbergsleiterin. "Der Trend zeigt uns, dass die Menschen wieder reisen möchten und es Nachholbedarf gibt, aber noch mit Vorsicht. Ich reche auch im kommenden Jahr noch nicht wieder mit einer vollen Saison, aber es wird wohl so werden, dass man wieder stabil davon leben kann", hofft Jutta Summer.

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