WÜRZBURG

Wie Scharia-Staaten den Islamismus exportieren

Sascha Adamek bezeichnet Deutschland als Ruheraum islamistischer Finanziers.Foto: Dominique Prokopy
| Sascha Adamek bezeichnet Deutschland als Ruheraum islamistischer Finanziers.Foto: Dominique Prokopy

Wie finanziert sich der politische Islam? Welche Verbindungen gibt es zwischen westlichen Akteuren und den Förderern des Islamismus? Das wollte der Journalist Sascha Adamek wissen. Seine Recherchen hat er in einem Buch zusammengefasst.

Frage: Ihr Buch heißt „Scharia-Kapitalismus“. Was verbirgt sich hinter dem Titel?

Sascha Adamek: Ich recherchiere seit Jahren zum Thema Islamismus. Dabei hat mich zunehmend interessiert, wer diese Ideologie finanziert. Als ich mich einmal wegen der radikalen Koran-Verteilaktionen in vielen Städten mit Verfassungsschützern traf, fiel das Wort Katar. So bin ich darauf gekommen, dass Länder, in denen die Scharia im Strafrecht gilt, in Deutschland über Finanzströme Einfluss nehmen. Und das sind nicht irgendwelche Länder, sondern aktive Handelspartner unseres Staates, unserer Banken, unserer Konzerne. Das sind Geschäftsbeziehungen, die ich kritisiere, weil ich sie für unheilvoll halte. Wir handeln mit diesen Staaten ganz normal und im Gegenzug begegnen sie uns mit der Finanzierung von Extremismus und Terrorismus.

Sollten wir die Handelsbeziehungen mit solchen Staaten aufrechterhalten?

Adamek: Ja. Aber unter Einschränkungen. Es sollte sich unter Handelspartnern gehören, dass man sich nicht in die andere Gesellschaft einmischt. Das müssen wir diesen Staaten auch sagen. Außerdem müssen Anfragen im Bundestag – etwa zur Finanzierung extremistischer Vereine aus Saudi-Arabien oder Katar – offen von der Bundesregierung beantwortet werden. Vorliegende Geheimdienstinformationen müssen auf den Tisch kommen. Das Rezept heißt: Druck durch Offenheit und öffentliche Anprangerung.

Saudi-Arabien gehört zu den größten Importeuren von Waffen aus Deutschland. Katar lässt man 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten. Gleichzeitig sind die Missstände in diesen Ländern bekannt. Warum wird das offenbar ignoriert?

Adamek: Zunächst muss man wissen: Die deutschen Wirtschaftsbeziehungen zu Scharia-Staaten sind groß. Ich habe ein Handelsvolumen von 58 Milliarden Euro ausgerechnet – das ist mehr als ein Drittel des Handelsvolumens mit den USA. Dahinter stehen viele Exporte und Arbeitsplätze. Bei Wirtschaftskapitänen und in der Politik scheint das eine extreme Beißhemmung zu befördern, Druck auf diese Handelspartner auszuüben.

Es ist ein Geschäft von gegenseitiger Abhängigkeit, in dem die Religion nur für eine Seite eine große Rolle spielt, nämlich für die nahöstliche Seite, die versucht, ihre Auslegung des Islams hier zu implementieren.

Sie sprechen von Terrorfinanzierung. Reden wir von der Finanzierung von Ausbildung und Ausrüstung, oder geht es um Radikalisierungsmaßnahmen?

Adamek: Man muss unterscheiden zwischen Moschee- und Terrorfinanzierung. In Katar zum Beispiel haben zwei große regierungsnahe Stiftungen angekündigt weitere 900 Moscheen weltweit zu unterstützen. Das Geld soll ein extrem eingeschränktes salafistisches Islam-Bild transportieren. Terrorfinanzierung ist teilweise aber auch eine Art religiöse Staatsräson. In Katar gibt es Leute, die der gesellschaftlichen Elite zuzuordnen sind, und gleichzeitig als Terrorunterstützer auf UN-Sanktionslisten stehen. Der ehemalige Präsident des Fußballverbands zum Beispiel hat 2010 vom olympischen Komitee Katars eine Auszeichnung für sein Lebenswerk bekommen. Er ist auch Aufsichtsrat der Qatar Islamic Bank. Über Monate hinweg hat er jeweils zwei Millionen Dollar an El Kaida im Irak überwiesen.

Sie beschreiben Deutschland als Ruheraum islamistischer Finanziers. Wie können solche Leute hier unbehelligt ihren Geschäften nachgehen?

Adamek: Zum Beispiel über extremistische Vereine, die sich unter dem Schutz des Vereinsrechts ganz normal bewegen können. Das andere ist, dass man Geldwäsche, organisierte Kriminalität und Terrorismus nicht voneinander trennen kann. Erst wenn wir als Staat etwa die Geldwäscherichtlinien der EU endlich umsetzen, können Behörden zum Beispiel die Existenz von Schwarzgeld hinterfragen. Es gibt in Deutschland nicht die Beweislastumkehr wie in Italien. Wenn man in Deutschland im Hinterraum einer Moschee einen Geldkoffer mit 200 000 Euro findet, dann müsste nach hiesigem Recht Polizei oder Staatsanwaltschaft dem Moscheeverein nachweisen, dass das Geld aus kriminellen Quellen stammt. In Italien müsste der Verein erklären, wo das Geld herkommt, sonst wäre es automatisch ein Delikt. Ich halte auch die Aufhebung des Steuergeheimnisses für sämtliche Vereine in Deutschland für notwendig. Vereine werden mit Steuergeldern subventioniert, also sollten sie auch offenlegen, wie viel Geld sie woher bekommen und was damit passiert.

Ein Kapitel Ihres Buches widmen Sie dem Thema Tourismus. Welche Bedeutung hat die Branche?

Adamek: Eine sehr große. Ich war vor einem Jahr auf der ITB (Fachmesse der internationalen Tourismus-Wirtschaft; Anm. d. Red.). Da standen die Malediven als Reiseziel im Zentrum. Knapp 90 Inseln sind für den Tourismus reserviert, auf den restlichen 220 drohen die hässlichsten Scharia-Strafen, wenn Einheimische dasselbe wie die die Touristen tun – etwa Alkohol trinken oder sich in Badekleidung zeigen. Wir sollten uns also fragen, welche Verantwortung wir haben, wenn wir in solche Staaten reisen. Touristen und Reisekonzerne pumpen viel Geld in Länder, die offenbar am System der Terrorfinanzierung mitwirken oder es zulassen.

Sascha Adamek hat zahlreiche Fernsehdokumentationen in der ARD publiziert und arbeitet in der Redaktion Investigatives und Hintergrund des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Unter anderem veröffentlichte er mit dem Würzburger Professor für Wirtschaftsjournalismus Kim Otto den Bestseller „Der gekaufte Staat“.

Sein Buch „Scharia-Kapitalismus – Den Kampf gegen unsere Freiheit finanzieren wir selbst“ erschien bei Econ, 288 Seiten, 18 Euro.

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