Würzburg

Würzburger Norden: Hilft der Main, Grundwasser zu sparen?

Gemüsebauern aus der "Bergtheimer Mulde" wollen den Main anzapfen, um ihre Felder zu bewässern. An einer geplanten Machbarkeitsstudie gibt es aber bereits im Vorfeld Kritik.
Der Gemüseanbau im nördlichen Landkreis ist auf künstliche Bewässerung angewiesen. Ob sich dazu statt Grundwasser auch Uferfiltrat des Mains verwenden lässt, soll eine Machbarkeitsstudie erörtern. 
Foto: Daniel Peter | Der Gemüseanbau im nördlichen Landkreis ist auf künstliche Bewässerung angewiesen. Ob sich dazu statt Grundwasser auch Uferfiltrat des Mains verwenden lässt, soll eine Machbarkeitsstudie erörtern. 

Hohe Wellen schlagen die Berichte und Diskussionen zum Grundwasserschutz im nördlichen Landkreis Würzburg. Mit der Unterzeichnung einer Vereinbarung haben sich Landrat Thomas Eberth, der Bewässerungsverein "Bergtheimer Mulde" sowie die Gemeinden Bergtheim, Oberpleichfeld und Hausen auf den Weg gemacht, eine wissenschaftlich fundierte Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Auch Prosselsheim ist mittlerweile im Boot. Es geht auch um die Frage, on künftig Wasser aus dem Main für die Bewässerung von Feldern genutzt werden kann. 

Die Frage angesichts des Klimawandels lautet: Wie gehen Landwirte, die Kommunen und die Bürgerinnen und Bürger in der 130 Quadratkilometer umfassenden "Bergtheimer Mulde" mit der zunehmenden Trockenheit um? Eine Zukunftsvision ist es, Wasser aus dem Main in die Region zu bringen, um bewässerungsintensive Sonderkulturen zu versorgen und so das schwindende Grundwasservorkommen zu schonen.

Lesen Sie auch:

Natürlich habe die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung absoluten Vorrang. Darin seien sich alle Beteiligten einig, sagt der Vorsitzende des Bewässerungsvereins Tobias Wild. Er und seine Mitstreiter weisen deshalb vehement Kritiker zurück, die den 15 Mitgliedsbetrieben des Vereins "reine Profitinteressen" oder "Raubbau am Grundwasser" vorwerfen.

Die Landwirte bewässern ihre Feldfrüchte, ihr Gemüse oder ihre Beeren und Blumenfelder in niederschlagsarmen Zeiten mit Grundwasser. "Alle Entnahmestellen sind genehmigt. Sie werden mit Wasserzählern und Druckmesssonden ausgestattet und jährlich vom Wasserwirtschaftsamt überprüft", erklärt Vorsitzender Wild. 

Wassersparende Techniken einsetzen

Die meisten Betriebe würden bereits die wassersparende Tröpfchenbewässerung einsetzen. Und ein Großteil der Gemüseflächen werde ökologisch bewirtschaftet. Es gehe jedoch nicht nur um die Felder. Ob für Neuanpflanzungen in den Wäldern, Grünflächen der Kommunen und Privatbesitzer, Sportplätze und Freizeitflächen von Vereinen - Wasser werde überall gebraucht.

Erst als die "Kommunale Allianz Würzburger Norden" daran scheiterte, alternative Bewässerungsmethoden wissenschaftlich untersuchen zu lassen, ergriffen die Landwirte selbst die Initiative. Sie stießen vor allem bei den Behörden auf offene Ohren.

Der Main ist ein mächtiger Wasserstrom. Am Ufer bei Untereisenheim könnte in den Wintermonaten Uferfiltrat entnommen werden, um damit im Sommer die Felder in der Bergtheimer Mulde zu bewässern. 
Foto: Irene Konrad | Der Main ist ein mächtiger Wasserstrom. Am Ufer bei Untereisenheim könnte in den Wintermonaten Uferfiltrat entnommen werden, um damit im Sommer die Felder in der Bergtheimer Mulde zu bewässern. 

"Die regionale Nahrungsmittelproduktion, die Unterstützung der bäuerlichen Landwirtschaft, der Klimawandel und Artenschutz sowie der Erhalt der Kulturlandschaft müssen jetzt in Einklang gebracht werden", unterstützt Landrat Eberth die Aktion. Die Studie solle vorrangig Lösungen untersuchen, die eine Versorgung aus Niederschlags- und Oberflächenwasser vorsieht, aber eben auch die Nutzung von Uferfiltrat.

Ausdrücklich soll die Studie nicht nur die technischen Möglichkeiten und wirtschaftlichen Aspekte verschiedener Bewässerungsvarianten beschränken, sondern auch ihre Auswirkungen auf die Natur, die Artenvielfalt untersuchen, oder die sozialen Folgen, etwa im Verhältnis großer zu kleinen Betrieben. Dennoch sieht es der Arbeitskreis "Wasser am Limit" der Agenda-21-Gruppe der Stadt Würzburg als "sehr kritisch", "Mainwasser zur Nutzung für die Bewässerung von Anbaukulturen heranzuziehen".

Regenwasser in der Landschaft zurückhalten

"Wir beteiligen uns gern bei der Erarbeitung des Anforderungskatalogs an der Machbarkeitsstudie", bietet sich "Wasser am Limit" der Gemeinde Bergtheim als Antragsteller an. Die Sprecherinnen und Sprecher der Gruppe weisen auf die Folgekosten hin, die eine Wasserentnahme aus dem Main nach sich ziehen würde. Sie plädieren stattdessen für die Anlage von Mulden, Hecken und Baumstreifen und für den Humusaufbau. Damit soll Wasser in der Landschaft zurückgehalten werden.

In einem Antrag an den Kreistag begrüßt die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Erstellung der Machbarkeitsstudie ausdrücklich. Es reiche jedoch nicht, Mainwasser in die Region zu holen. Die Idee der Landwirte und Behörden ist es nämlich, in den Wintermonaten Uferfiltrat des Mains zu gewinnen, es zu speichern und in der Vegetationszeit bei Bedarf zur Bewässerung zu verwenden.

Auch die Grünen denken an das Pflanzen und Erhalten von Hecken und Gehölzen, an Einsparpotenzial mit fortschrittlichen Systemen und die vorrangige Bewässerung mit Oberflächen- oder Regenwasser. In der Machbarkeitsstudie sollten "vielfältige Methoden zur Wassereinsparung sowohl qualitativ als auch quantitativ beurteilt werden".

"Wir wollen den regionalen Anbau von Obst und Gemüse erhalten", begrüßt Grünen-Kreisrat Stefan Rettner aus Gaukönighofen die Beteiligung des Landkreises an der Finanzierung der Studie. Der Kreistag habe den Antrag der Grünen zum Inhalt der Studie jedoch an den Umweltausschuss weitergeleitet. Er tagt erst wieder Ende November.

Die Kreistagsfraktion der Grünen bittet Landrat Eberth deshalb, dass in der Ausschreibung der Studie innovative Bewässerungssysteme, die Verwendung von gereinigten und unbelasteten Abwasser sowie der Anbau von wassersparenden Kulturen und vielfältigen Fruchtfolgen ebenfalls geprüft werden. Um kein weiteres Jahr zu verlieren, muss der Förderantrag noch 2021 beim Ministerium eingereicht werden. Im Moment wird die Leistungsbeschreibung der Machbarkeitsstudie abgestimmt und erstellt.

Uferfiltrat

Als Uferfiltrat wird Wasser bezeichnet, das über ufernahe Brunnen aus einem Gewässer entnommen wird. Während einer "Bodenpassage" zwischen Gewässer und Brunnen wird das Wasser filtriert und biologisch gereinigt.
Als Bodenpassage wird die Strecke bezeichnet, die das Wasser im Boden bzw. im Gestein zurücklegt. Das Wasser wird dabei gefiltert und es finden physikalische, chemische und mikrobiologische Reinigungsprozesse statt. Bei genügend langer Verweilzeit können pathogene Mikroorganismen (Bakterien, Viren) so weit eliminiert werden, dass sie keine Gefährdung mehr darstellen. Deshalb soll das Wasser für die Bergtheimer Mulde nicht direkt aus dem Main entnommen werden, sondern als Uferfiltrat aus mehreren Brunnen in dessen Nähe.
Quelle: iko
Weitere Artikel
Themen & Autoren / Autorinnen
Bergtheim
Würzburg
Prosselsheim
Unterpleichfeld
Oberpleichfeld
Eisenheim
Hausen
Irene Konrad
Abwasser
Bewässerung
Bündnis 90/ Die Grünen
Gemüse
Grundwasserschutz
Mikrobiologie
Mikroorganismen
Stadt Würzburg
Thomas Eberth
Wasser
Wasserwirtschaftsämter
Ökologie
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (6)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!