Schwebenried

Warum Alex Ziegler immer noch brennt

Die personell geschwächte DJK Schwebenried/Schwemmelsbach könnte ihren Vorsitzenden auch in Coburg als Joker auf die Bank setzen. Der ist mittlerweile 47 Jahre alt.
Von wegen verboten: Alexander Ziegler, Vorsitzender der DJK Schwebenried, „darf“ am Samstag auf einen weiteren Einsatz in der Landesliga-Partie in Coburg hoffen. 
Foto: Volker Hensel | Von wegen verboten: Alexander Ziegler, Vorsitzender der DJK Schwebenried, „darf“ am Samstag auf einen weiteren Einsatz in der Landesliga-Partie in Coburg hoffen. 

"Aufregend" sei das gewesen, als DJK-Trainer Dominik Schönhöfer vergangenen Samstag im Match gegen den SV Memmelsdorf seinen letzten Joker aufs Feld schickte. 0:1 lag die DJK Schwebenried/Schwemmelsbach zurück und auf der äußerst dünnbesetzten Bank saß gerade noch ein gelernter Stürmer, der musste jetzt rein. Erfolgreich, denn die Gastgeber glichen tatsächlich noch aus. Freilich kam nicht irgendein Kicker, sondern der Vereinsvorsitzende Alexander "Ali" Ziegler und der ist schon stolze 47 alt.

"Sieben Mann sind bei uns ausgefallen, das kann kein Verein kompensieren. Die zweite Mannschaft hatte parallel ein ganz wichtiges Spiel, die wollten wir nicht weiter schwächen", begründete Schönhöfer das S.O.S bei seinem "Chef". Schließlich war der Schwebenrieder Vereinsvorsitzende schon im Hinspiel auf der Bank gesessen, war damals aber nicht zum Einsatz gekommen. "Wenn man den Ali ruft, dann ist er zuverlässig da", lobte der DJK-Coach.

Geliehene Schuhe für den "Rekordspieler"

Nun darf sich Alexander Ziegler seit seiner Einwechslung in der 78. Minute also offiziell "ältester Landesligaspieler der DJK Schwebenried" nennen. Bisher war das der mit Ziegler nicht verwandte Ex-Kapitän Uwe Ziegler gewesen. "Nachdem ich schon ewig nicht mehr gegen einen Ball getreten habe und gar keine Stollenschuhe mehr besitze, musste ich mir die vom Uwe ausleihen", so der DJK-Chef, "so war zumindest ein Stück von ihm auch auf dem Platz." Der bisherige "Landesligaälteste" nahm seine Ablösung sportlich und sendete umgehend Glückwünsche aus dem Angelurlaub in Norwegen.

Eigentlich hatte "Ali" Ziegler ja seinen Stammplatz auf dem Dach des Schwemmelsbacher Vereinsheims einnehmen wollen, um mit der Videokamera das Match zu filmen. Die professionell geschnittenen Spielberichte gehören bei der DJK sozusagen zum Fanservice. Eines der vielen, vielen kleinen und großen Dinge, die Ziegler tagtäglich an der Spitze der DJK Schwebenried erledigen muss.

Wieviel Zeit dabei ins Land geht, vermag Ziegler nicht zu sagen. In erster Linie gilt es derzeit natürlich gemeinsam mit Ingrid Michel, der Chefin der DJK Schwemmelsbach die Spielgemeinschaft in der Corona-Zeit auf Kurs zu halten. "Das funktioniert zusammen mit der Ingrid ausgezeichnet, die beiden Vereine harmonieren sehr gut", sagt Ziegler, der im "Zivilleben" Führungskraft bei ZF in Schweinfurt ist. Schon im zwölften Jahr steht der 47-jährige an der Vereinsspitze. "Es bleibt halt immer mehr Arbeit an den immer gleichen Leuten hängen. Vor allem die Corona-Hygiene-Vorgaben bringen die Vereine wirklich bis an die Grenzen." Nachdem die DJK ihren Spielern "nur eine kleine Aufwandsentschädigung, die nicht mal die Fahrtkosten deckt, zahlen kann, müssen wir halt dafür sorgen, dass die Jungs hier Spaß haben und sich rundum wohl fühlen. Wir verhätscheln sie wirklich wie unsere eigenen Kinder."

"Das Feuer brennt immer noch ein wenig."
Alexander Ziegler, 47-jähriger Joker in Schwebenried

Einst war Ziegler in der Bezirksliga ein gefürchteter "Mittelstürmer der alten Prägung." Vor 20 Jahren musste er aber die Kickerstiefel an den Nagel hängen, die Knochen machten nicht mehr mit. So bekam der Schwebenrieder vor zehn Jahren eine künstliche Hüfte. Heute hält er sich beim gemeinsamen Jogging mit seiner Frau und Schiedsrichtereinsätzen fit. Ab und zu selbst zu kicken, davon kann der 47-jährige dennoch nicht lassen. "Das Feuer brennt immer noch ein wenig." So hat er inzwischen in höchster Not bei den Alten Herren, in der dritten, zweiten und nun der Landesliga-Truppe ausgeholfen. Weil halt der Spielerpass noch irgendwo in der Schublade liegt.

"Ich gehe aber davon aus, dass das eine sehr kurze Landesliga-Karriere sein wird", sagt Zieger. "Die vier Stunden rund um das Spiel war ich wie im Tunnel. Ganz ehrlich: Ich habe da nichts mehr verloren. Mein Gegenspieler hat auch reichlich überrascht geschaut. Die meisten Spieler könnten ja meine Söhne sein." Und auch mit der Taktik habe er so seine Schwierigkeiten. "Zu meiner Zeit gab es solche ausgeklügelten Vorgaben noch nicht. Aber meine Mitspieler haben mir geholfen und gesagt, wo ich stehen soll." Einmal blitzen sogar die alten Stürmergene noch mal auf: Jannik Göller hatte aufgelegt und Ziegler seine Chance, "leider wurde Abseits gepfiffen. Wobei ich nicht derjenige war, der abseits stand."

Mit 47 hat man noch Träume

Nun könnte eine zweite Chance schneller kommen, als es sich Ziegler hätte träumen lassen. Denn auch wenn Yannick Deibl wohl am Samstag mit der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach (7./36 Punkte) zum Flutlichtspiel auf Kunstrasen beim FC Coburg (14./26) reisen wird, um die sechs Mann dürften weiterhin ausfallen. So wird unter anderem Goalgetter Marcel Kühlinger nach einem Außenbandriss mehrere Wochen zuschauen müssen.

"Ich denke der Ali muss noch mal ran", sagt Trainer Schönhöfer. Schließlich will die DJK bei den abstiegsbedrohten Oberfranken punkten. "Das ist wichtig, denn der Klassenerhalt hat absolute Priorität und da brauchen wir noch ein paar Zähler", so Ziegler. "Allerdings sind es bis Platz drei auch nur wenige Punkte und am Ende so weit oben zu stehen, das wäre mein Traum."

Auf dem Dach des Sportheims der DJK Schwemmelsbach mit der Videokamera: Das ist der eigentliche Stammpatz von Alexander Ziegler
Foto: Volker Hensel | Auf dem Dach des Sportheims der DJK Schwemmelsbach mit der Videokamera: Das ist der eigentliche Stammpatz von Alexander Ziegler
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