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Jan Schäffer: Mit dem früheren Erzrivalen Coburg gegen den Ex-Klub Rimpar

Jahrelang trug er das Wölfe-Trikot, jetzt spielt der Kreisläufer für den HSC – und musste sich dafür einiges anhören. Nach vielen emotionalen Derbys befürchtet er diesmal ein trauriges.
Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: 2016 trug Jan Schäffer (vorne links) noch das Trikot der DJK Rimpar Wölfe und verlor zu seiner Zeit kein einziges Derby in der HUK-Coburg Arena. Seit diesem Sommer steht er beim HSC Coburg unter Vertrag und trifft am Samstag auf einen Teil seiner ehemaligen Teamkollegen. 
Foto: Frank Scheuring, foto2press.de | Ein Bild aus längst vergangenen Tagen: 2016 trug Jan Schäffer (vorne links) noch das Trikot der DJK Rimpar Wölfe und verlor zu seiner Zeit kein einziges Derby in der HUK-Coburg Arena.

Weniger Fans, weniger Emotionen? Vor der 15. Auflage des Handball-Frankenderbys in der Zweiten Handball-Bundesliga zwischen dem HSC 200 Coburg (13./8:12) und der DJK Rimpar Wölfe (14./8:16) drückt Corona auf die Stimmung. Zumindest auf die von Jan Schäffer. Der Kreisläufer, der sieben Jahre lang (2011 – 2018) das DJK-Trikot trug und mit Rimpar in den denkwürdigen Duellen gegen Coburg kein einziges verlor, steht nun auf der anderen Seite, im Kader seines früheren Erzrivalen.

Im Sommer wechselte der 31-Jährige vom Erstligisten HC Erlangen zum Absteiger nach Oberfranken, wo er auch noch als Maschinenbauingenieur arbeitet. Vor dem Wiedersehen mit einigen alten Freunden aus Unterfranken sprach er über eine Zeit mit Selbstzweifeln, Sticheleien aus Rimpar und Coburgs Stotterstart in die Saison.

Wenn ich mit Ihnen spreche, muss ich daran denken, wie wir 2015 ein Video gedreht haben, in dem Sie bei zehn Grad in der Eistonne in der Wölfe-Kabine saßen. Sind Sie immer noch so ein cooler Typ?

Jan Schäffer: (lacht) Ich bin sogar noch cooler, denn ich bin ja reifer geworden und habe mich entwickelt.

Video

Was war sportlich das Wichtigste, das Sie in den vier Jahren seit Ihrem Wechsel von Rimpar nach Erlangen gelernt haben?

Schäffer: (überlegt) Vertrauen in mich zu haben, egal, in welcher Situation und in welcher Mannschaft. Und den Glauben an mich zu behalten. 

Hatten Sie den in Rimpar nicht?

Schäffer: Doch, aber da war gar nicht nötig, dass er so groß ist. Das Umfeld dort war sehr einfach, ich habe keinen Druck von außen bekommen, das Kreisspiel hatte einen hohen Stellenwert und ich daher immer eine wichtige Aufgabe. So kam ich gar nicht auf die Idee, an mir zu zweifeln.

Klingt, als wäre das beim HC Erlangen anders gewesen.

Schäffer: Dort wurden Personalentscheidungen getroffen, durch die sich meine Spielzeit deutlich reduziert hat – und das hatte gefühlt nicht oft was mit meiner Leistung zu tun. Ich habe mich dadurch nicht gerecht behandelt gefühlt. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich würde rückblickend in der gleichen Situation wie damals wieder nach Erlangen wechseln, denn an der Erfahrung konnte ich mental wachsen und ich hatte dort mit vielen neu gefundenen Freunden eine Menge Spaß. Aber ich bin Handballer, weil ich den Sport liebe und es geil finde zu spielen – nicht nur, weil ich es geil finde, in der ersten Liga zu spielen. Da spiele ich lieber viel in der zweiten Liga als wenig oder gar nicht in der ersten.

Wie kam’s dann, dass Sie ausgerechnet zum Rimparer "Lieblingsfeind" nach Coburg gewechselt sind?

Schäffer: Ich hab dort ein unablehnbares Gesamtpaket aus Handball und Arbeitsplatz angeboten bekommen. Aber ich musste mir dafür einige Sticheleien meiner Ex-Kollegen anhören, gerade von den früheren Spielern wie Basti Kraus und Max Brustmann. Von Max habe ich zum Beispiel Rimparer Fangesänge geschickt bekommen. (lacht)   

Die Wölfe hätten Sie sicher auch gut gebrauchen können.

Schäffer: Zurückzukehren wäre auch reizvoll gewesen. Unter anderen Umständen hätte es sogar Rimpar werden können.

Wie ist es nun, im Derby auf der falschen Seite zu stehen, nachdem Sie mit Rimpar in allen Ihren Duellen gegen Coburg ungeschlagen geblieben sind?

Schäffer: (lacht) Das stimmt. Dass ich noch kein Derby verloren habe, soll auch so bleiben.

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Schäffer: Es ist eine Floskel, aber natürlich ist die Chance da, dass er die Wette gewinnt. Ich werde allerdings alles dafür tun, dass er sie verliert.

Coburg galt vor der Saison als einer der Mitfavoriten um den Aufstieg, aktuell ist Ihre Mannschaft Tabellennachbar von Rimpar – in der unteren Hälfte. Warum verlief der Start so holprig?

Schäffer: Zum einen hatten wir es uns nach dem Abstieg wohl ein bisschen einfacher vorgestellt, in einen Lauf zu kommen. Zum anderen hatten wir sieben neue Spieler zu integrieren und wenig Zeit zusammenzufinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir ein gutes Team haben. Aber wie heißt es so schön: Unter Druck entstehen Diamanten oder brechen Rohre. Bei uns sind in der Anfangsphase leider Rohre gebrochen.

Im Oktober wurde dann Trainer Alois Mraz freigestellt. Was hat sich unter seinem Nachfolger Brian Ankersen verändert?

Schäffer: Jeder hat in der Abwehr und im Angriff nun ein klareres Verständnis davon, was seine Aufgaben sind. Es geht um klare Rollen statt Fokus aufs freie Spiel. Das klingt nach Schablonenhandball, aber wir haben trotzdem viele Varianten. Als Vorzeigebeispiel für diese Art des Konzepts sehe ich Flensburg.

Das erste Wolfsgeheule: Im Schnapszahlderby, dem elften Frankenduell am 11. November 2018, verloren die Rimparer um Max Brustmann (links) und Steffen Kaufmann erstmals in der Liga in Coburg. Jan Schäffer spielte da schon in Erlangen.
Foto: foto2press/Frank Scheuring | Das erste Wolfsgeheule: Im Schnapszahlderby, dem elften Frankenduell am 11. November 2018, verloren die Rimparer um Max Brustmann (links) und Steffen Kaufmann erstmals in der Liga in Coburg.
Ein Derby lebt von Emotionen – von rivalisierenden Regionalteams mit gemeinsamer Geschichte und in leidenschaftlicher Abneigung verbundenen Fans. Wir erinnern uns an Plakate mit martialischer Aufschrift wie "Wölfe schlachten", verunstaltete "Kotburg"-Straßenschilder oder grün gefärbtes Wasser in einem Brunnen in Coburg. Vor diesem Derby scheint vieles anders, auch wegen Corona und 2G+.

Schäffer: Das empfinde ich auch so. Viele Spieler, vor allem bei uns, kennen die ganzen Geschichten dieses Derbys gar nicht, haben sie nicht miterlebt und fühlen diese Rivalität nicht so wie wir früher. Der damalige Coburger Fanblock wurde ja irgendwann aus der Halle verbannt, und von Rimpar werden wahrscheinlich nicht so viele Fans dabei sein. Überhaupt kommen die neuen Corona-Regelungen einem Lockdown in den Hallen gleich. Wer will schon vor einem Spiel noch einen Test machen? Das alles fühlt sich sehr traurig an, und ich fürchte, die Stimmung wird sehr anders sein als früher. Der Charakter des Derbys könnte etwas flöten gehen. Für mich ist es trotzdem kein Spiel wie jedes andere, sondern ein sehr besonders. Die Verbundenheit mit Rimpar werde ich nie ablegen – zumindest außerhalb des Spielfelds. 

HSC 2000 Coburg - DJK Rimpar Wölfe (Samstag, 19.30 Uhr, HUK-Coburg Arena)

Das Derby ist eine Geschichte der Serien: Erst blieb Rimpar in zehn Duellen in der dritten und zweiten Liga ungeschlagen, die letzten vier Vergleiche entschied allesamt Coburg für sich. Nach einem Jahr Pause kommt es nach dem Bundesliga-Abstieg der Oberfranken nun zum 15. Duell. Dabei könnten die Chancen für die Unterfranken so gut stehen wie lange nicht mehr.
Die Gastgeber um ihren ewigen Toptorschützen Florian Billek auf Rechtsaußen mussten wegen Corona-Fällen zuletzt zwei Spiele aussetzen, womöglich fehlen am Samstag noch mehrere Akteure. "Klar kann Coburg dadurch etwas aus dem Rhythmus sein, aber Ausfälle können auch Kräfte freisetzen. Der HSC ist und bleibt klarer Favorit", sagt DJK-Coach Julian Thomann.
Auch Rimpar muss weiter auf die Langzeitverletzten Benedikt Brielmeier, Lukas Böhm, Valentin Neagu und den zuletzt grippeerkrankten Julian Sauer verzichten. Eine gute Nachricht aus Sicht der Wölfe gibt es aber: Für Abwehrchef Philipp Meyer, der sich in Hamm erneut am Knie verletzt zu haben schien, gab es Entwarnung. "Der Schreck war größer als der Schaden, es war zum Glück nur eine Stauchung. Er kann auflaufen."
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