München

Bessere Bezahlung: Bayerische Notärztinnen und Notärzte einigen sich mit Krankenkassen

Nach sieben Monaten der Ungewissheit und zähen Verhandlungen ist jetzt klar: Die Honorierung wird neu geregelt. Warum dadurch die Situation auch in Unterfranken entschärft wird.
Ein Notarzt auf dem Weg zum Einsatzwagen: Knapp 500 Notfallmedizinerinnen und -mediziner sind für die Menschen in Unterfranken tätig - und wissen jetzt, wie ihre Leistung künftig vergütet wird.
Foto: Julia Volkamer | Ein Notarzt auf dem Weg zum Einsatzwagen: Knapp 500 Notfallmedizinerinnen und -mediziner sind für die Menschen in Unterfranken tätig - und wissen jetzt, wie ihre Leistung künftig vergütet wird.

Die Notärztinnen und Notärzte in Bayern können aufatmen: Nach sieben Monaten der Ungewissheit wurde jetzt ein neuer Vertrag der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) mit den Krankenkassen unterschrieben, der die Honorierung regelt und damit die Situation im Notdienst entschärft.

Dies geht aus einem Schreiben der KVB hervor, mit dem die bayerischen Ärzte über das Ergebnis informiert werden. Die alten Verträge waren Ende 2020 ausgelaufen.

Ärzte forderten monatelang eine Anpassung

Monatelang gab es keine Verhandlungen zu einer Neuregelung. Auch in Unterfranken monierten Notärzte gegenüber dieser Redaktion: Ihre Leistung werde deutlich schlechter honoriert als in benachbarten Bundesländern. Die Folge: Die Personaldecke wurde immer dünner - auch deshalb, weil Ärzte im ländlichen Bereich lieber jenseits der Landesgrenze im besser zahlenden Baden-Württemberg, Thüringen oder Hessen Dienst taten.

Vor den Folgen für die Motivation zum Bereitschaftsdienst, aber auch für die Versorgung von Notfallpatienten hatte der Würzburger Thomas Jarausch gewarnt. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Notärzte und Notärztinnen (agbn). Etliche Politiker wie Bayerns Innenminister Joachim Hermann zeigten Verständnis für die Forderung nach höherer Bezahlung. Als die Verhandlungen ins Stocken gerieten, riefen sie zu einer Einigung im Sinn der Patienten auf. Durch den öffentlichen Druck kamen Ende Juli dann neue Gespräche in Gang.

Notärztesprecher berichtet von "harten Verhandlungen"

Es seien "harte Verhandlungen gewesen, die mehrfach auf der Kippe standen", sagt auf Anfrage Christian Markus, Sprecher der knapp 500 unterfränkischen Notärzte. Aber man habe sich doch "immer wieder zusammengerauft": Nun gibt es eine einheitliche Grundpauschale von 25 Euro pro Stunde (bisher 21 Euro) und als Anreiz künftig Zuschläge: in der Nacht 2,50 Euro pro Stunde, an Feiertagen fünf Euro und an hohen Feiertagen wie Weihnachten 15 Euro pro Stunde. Pro Einsatz erhalten die Ärzte künftig 86,25 Euro, bisher waren es 82 Euro.

"Unsere Sätze wurden jetzt an das Niveau angeglichen, das in benachbarten Bundesländern schon länger üblich ist", betont Markus, der die Position seiner Kolleginnen und Kollegen auf eine griffige Formel gebracht hat: "Wir wollten nicht 20 Prozent mehr als andere, sondern für die gleiche Leistung nicht nur 80 Prozent". 

Stärkung der Versorgung im ländlichen Bereich

Der unterfränkische Notärzte-Sprecher macht aus seiner Freude über die Einigung keinen Hehl: "Das ist vor allem eine klare Stärkung gerade der peripheren Standorte." Denn während Städte wie Würzburg und Schweinfurt mit großen Kliniken über genügend Ärzte verfügen, um die Notdienste zu stemmen, ist im ländlichen Bereich die Personaldecke dünn. Die Notärzte tun sich schwer, dort überall rund um die Uhr bereitzustehen.

Ein Grund dafür ist der geringere finanzielle Anreiz: Weil nach Erfahrungswerten von Notärzten im ländlichen Raum oft weniger Einsätze in einer Schicht auflaufen, gibt es weniger Geld - denn die reine Bereitschaft wird mit einer geringeren Pauschale abgegolten als ein Einsatz. Das schafft auch einen geringen Anreiz für städtische Mediziner, im ländlichen Bereich auszuhelfen.

Bayerische Notärzte tun Dienst in Österreich

Nicht nur in Unterfranken dürfte die Einigung die Zahl der medizinischen Grenzgänger reduzieren. Dass bayerische Notärzte sogar in Österreich besser bezahlten Dienst taten, sorgt nun für bürokratische Unruhe: Die Mediziner würden sich strafbar machen, wenn sie sich nicht vorher bei der Ärztekammer in Österreich förmlich anmeldeten, heißt es plötzlich in einem Brief der Kammer in Wien an die KVB - als wäre die Zusammenarbeit bisher offenbar völlig unbekannt gewesen.

Diese Drohung führt nach Angaben der KVB dazu, dass bayerische Ärzte jetzt keine Bereitschaften mehr an grenznahen Notfallstandorten übernehmen wollen, solange der Fall juristisch nicht geklärt ist. Leidtragende sind die dortigen Patienten.

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