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MITTENWALD/BERLIN: Reservisten schildern eklige Rituale

MITTENWALD/BERLIN

Reservisten schildern eklige Rituale

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    In den Berichten werden Exzesse in zahlreichen Truppenteilen von der Marine bis zur Luftwaffe während der vergangenen vier Jahrzehnte geschildert. „Mittenwald ist nur die Spitze des Eisbergs“, heißt es in einer Zuschrift.

    Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg versprach erneut zügige Aufklärung. „Es ist jedem einzelnen Fall vernünftig nachzugehen und auch mit Nachdruck nachzugehen“, sagte der CSU-Politiker am Dienstag in Berlin. Gegebenenfalls müssten Konsequenzen gezogen werden. Guttenberg schloss einzelne Disziplinarverfahren nicht aus, verwahrte sich aber gegen Pauschalurteile.

    Robbe erhielt 54 Zuschriften

    Der Wehrbeauftragte hatte den Verteidigungsausschuss bereits Mitte Februar über die Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern in Mittenwald informiert. Dort mussten Neulinge den „Fuxtest“ über sich ergehen lassen, zu dem das Essen roher Schweineleber und Alkoholkonsum bis zum Erbrechen gehört. Die Enthüllung hatte für großes Aufsehen gesorgt und zu staatsanwaltlichen Ermittlungen geführt.

    Als Reaktion erhielt Robbe insgesamt 54 Zuschriften. Die Exzesse in Mittenwald wurden in einigen Schreiben bestätigt. In anderen E- Mails aus den Jahren 1993/94 und 2003/2004 wird darüber berichtet, dass es ähnliche Rituale auch in Bischofswiesen-Strub, nur wenige Kilometer von Mittenwald entfernt gab: „Es werden ein paar Bier um die Wette getrunken, man muss um die Wette unter Stühlen durchrobben, zwischendurch erneut ein paar Bier trinken. Und muss aus einer ekligen Suppe (Stichwort: Rohe Leber) was trinken“, schreibt ein Reservist. In einem anderen Schreiben heißt es, dass es die Gebirgsjäger-Rituale „bis vor einiger Zeit“ auch in Bad Reichenhall gegeben habe.

    „Jeder weiß was passiert“

    Die Vorgesetzten wussten nach Angaben der Reservisten davon: „Bezogen auf die Dienstgrade muss ich sagen, dass ich davon ausgehe, dass so gut wie jeder Unteroffizier und Feldwebel, der eine Weile dabei ist, weiß was passiert und auch in welchem Umfang“, heißt es in einer E-Mail.

    Die Textsammlung Robbes weist aber auch darauf hin, dass es Vorgänge wie in Mittenwald in zahlreichen anderen Truppenteilen gab. Ein ehemaliger Obergefreiter, der zwischen 1996 und 1998 als Zeitsoldat an verschiedenen Standorten im Süden Deutschlands eingesetzt war, berichtet aus seiner Zeit im baden-württembergischen Ellwangen (Jagst) über verschiedene „Spiele“. Beim Spiel „Jukebox“ werde ein Soldat in seinen Spind eingeschlossen und darin dann umgestoßen, während er bestimmte Lieder singen müsse.

    Ein anderer Soldat, der vor 20 Jahren auf einem Marine-Zerstörer eingesetzt war, berichtet vom sogenannten „Rotarsch-Ritual“: „Eine Bohnermaschine (eine mobile Maschine mit einer großen elektrisch betriebenen Borstenscheibe) wurde in Betrieb gesetzt und dem Rekruten an den nackten Hintern gehalten, bis dass dieser rot war.“

    Robbe wird voraussichtlich an diesem Mittwoch vor dem Verteidigungsausschuss zu den neuen Erkenntnissen Stellung nehmen. Zuvor wolle er in der Öffentlichkeit keinen Kommentar dazu abgeben, sagte er. Die Textsammlung ließ Robbe auch dem Heeresführungskommando und dem Verteidigungsministerium zukommen.

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