HAMBURG

Christian Rach tischt Tipps für gesunde Ernährung auf

Christian Rach: „Muss ich wirklich sieben Tage die Woche ein Schnitzel auf dem Teller oder Schinken auf dem Brot haben?“
Foto: dpa | Christian Rach: „Muss ich wirklich sieben Tage die Woche ein Schnitzel auf dem Teller oder Schinken auf dem Brot haben?“

Augen auf beim Schnitzelkauf: In einer neuen Dokureihe fühlt der bekannte Restauranttester aus der gleichnamigen RTL-Reihe, Christian Rach, unter anderem Supermarktketten und Lebensmittelfirmen auf den Zahn. Der meinungsfreudige Sternekoch beschäftigt sich in „Rach deckt auf“ (ab nächsten Montag, 17. Juni, 20.15 Uhr, RTL) mit den Themen Ernährung, Einkauf und Verbraucherschutz, der dem 56-Jährigen offenbar ein Herzensanliegen ist.

Mit dem für ihn üblichen Elan bringt er in der vierteiligen Dokureihe Fragen nach Produktqualität, Lebensmittelverschwendung oder Fast Food auf den Tisch. Christian Rach kam 1957 in St. Ingbert im Saarland zur Welt und jobbte schon während seines nicht abgeschlossenen Studiums der Mathematik und Philosophie in der Gastronomie. Ende der Achtzigerjahre eröffnete der Spitzenkoch in Hamburg das mittlerweile geschlossene Restaurant „Tafelhaus“ und wurde 1991 mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Derzeit betreibt er in Hamburg das Restaurant „Rach & Ritchy“. Bundesweit bekannt wurde er mit der RTL-Dokusoap „Rach, der Restauranttester“, in der er seit einigen Jahren Gastwirten, die kurz vor der Pleite stehen, die Leviten liest und ihnen wieder auf die Beine helfen will. Außerdem setzte sich der Saarländer bei RTL mit „Rachs Restaurantschule“ in Szene.

Frage: In Ihrer neuen Sendung geht es unter anderem darum, wie man richtig Lebensmittel einkauft. Was kann man denn im Supermarkt falsch machen?

Christian Rach: Sagen wir es zunächst mal positiv: Wir haben ein ungemein breites Angebot an verschiedensten Lebensmitteln, und generell ist der Standard der Lebensmittelsicherheit in Deutschland weit oben. Was man falsch machen kann, ist, dass man nur auf den Preis guckt. Das finden viele legitim, aber das kollidiert natürlich ganz häufig mit unserer moralischen Entrüstung, wenn wir dann Bilder von Dioxin-Eiern oder von Pferdefleisch und was weiß ich nicht alles sehen. Dann schreit die Nation auf. Und wenn man dann sagt: Kauft doch einfach das bessere Produkt, dann scheitert das oft am Preis.

Also darf man nicht zu billig einkaufen?

Rach: Das ist eine Glatteisfrage, denn viele werden zu Recht sagen: Ich kann nicht anders. Aber muss ich wirklich sieben Tage die Woche ein Schnitzel auf dem Teller oder Schinken auf dem Brot haben? Oder reichen auch drei Tage, und dafür kaufe ich dann das bessere, hochwertigere Produkt? Das ist doch die entscheidende Frage.

Sie plädieren für Biofleisch?

Rach: Nein, es geht überhaupt nicht um bio oder nicht bio. Sie können nicht 80 Millionen Deutsche aus dem Vorgarten heraus ernähren. Es geht auch nicht darum, mit hocherhobenem Zeigefinger die Lebensmittelindustrie runterzumachen oder so etwas.

Wie kaufe ich denn ein gutes Schnitzel?

Rach: Ganz einfach, indem Sie zum Metzger Ihres Vertrauens gehen und bereit sind, auch ein bisschen mehr Geld auf den Tisch zu legen. Es kann ja nicht sein, dass ein Kilo Schweinenacken nur 1,99 Euro kostet. Bei solchen Preisen müssen Sie sich fragen, wie sie zustande kommen können. Die kann es ja nur geben, weil sie auf Kosten der Kreatur gehen. Wir alle kennen die Bilder von Schweineställen, wo man sich hinterher sagt: Das hätte ich nicht geglaubt, dass es so etwas in Deutschland gibt.

Worauf soll man noch achten?

Rach: Auf die Verpackung. Wenn da zum Beispiel nicht draufsteht, wo das Produkt herkommt, lass es liegen.

Plädieren Sie für regionale Produkte?

Rach: Nein, damit hat das nichts zu tun. Der Begriff Regionalität ist heutzutage vor allem ein gutes Marketinginstrument. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir sagten: Kauft nur noch deutsch. Das wäre fatal. Wir können ja nicht von allen Menschen in der Welt erwarten, dass sie unsere Produkte kaufen, aber selber predigen, nichts mehr zu importieren. Aber natürlich ist es wichtig, dass auf der Verpackung dann auch draufsteht, wo das Produkt herkommt, damit man seinen Werdegang nachvollziehen kann. Es geht um Transparenz. Bei einem Schnitzel sollten Sie schon wissen, ob das Schwein aus Deutschland oder Italien kommt. Außerdem sollte auf der Verpackung stehen, welche Inhaltsstoffe drin sind – und wenn man die Angaben nicht kapiert, ist das kein gutes Zeichen, wie ich finde.

Machen wir uns auf der anderen Seite nicht viel zu viel Sorgen ums Essen, an dem in Deutschland zum Glück kein Mangel herrscht?

Rach: Unbedingt. Deshalb geht es in meiner Sendung wie gesagt auch nicht darum, auf der Industrie rumzuhacken oder Panik zu verbreiten, sondern darum, Transparenz herzustellen. Wenn auf eine Packung mit Garnelen nicht draufgeschrieben wird, dass die Tiere aus Indonesien kommen, sondern im Gegenteil sogar suggeriert wird, sie kämen aus der Nordsee, dann ist das nicht in Ordnung. Sie müssen im Supermarkt oder wo auch immer die Chance bekommen, zwischen den Produkten zu wählen. Dafür brauchen Sie aber die korrekten Informationen.

Es geht in der Sendung unter anderem auch um das Thema Zucker. Ist der wirklich so schädlich?

Rach: Also zunächst mal: Ohne Zucker können wir nicht leben, wir brauchen Zucker. Wenn Sie sich ausgewogen ernähren und ausreichend Gemüse und Obst essen, dann bekommt Ihr Körper auch genügend natürlichen Zucker. Es ist auch nichts dagegen einzuwenden, mal ein Stück Schokolade zu essen. Tatsache ist aber, dass wir Zucker in großen Mengen zu uns nehmen, was auch damit zusammenhängt, dass er in praktisch allen Fertigprodukten drin ist. Das Zeug schmeckt halt gut und regt unser Belohnungszentrum im Gehirn an, damit können Sie den Verkauf ankurbeln. Der Zucker allein ist aber auch gar nicht so das große Problem, sondern Zucker in Verbindung mit Fett oder mit Salz.

Also weg mit Süßigkeiten und Fast Food?

Rach: Um Gottes Willen! So würde ich das nicht sagen. Es ist doch nett, mal was zu naschen, und ich esse von Zeit zu Zeit gerne einen guten Burger oder eine Currywurst. Wenn Sie Fast Food allerdings zur Standardernährung erheben, dann haben Sie im wahrsten Sinne des Wortes ein dickes Problem. Die Statistik sagt, dass 60 Prozent der Einlieferungen ins Krankenhaus ernährungsbedingte Ursachen haben. Das sollte uns zu denken geben.

Ihre Sendung dreht sich auch um das Modethema Lebensmittelverschwendung. Wie lässt sich die denn vermeiden?

Rach: Indem Sie Ihre Mahlzeiten genauer planen und einen Einkaufszettel machen zum Beispiel. Damit vermeiden Sie, Sachen einzukaufen, die Sie dann gar nicht brauchen. Außerdem sollte man sich nicht vom Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung unter Druck setzen lassen. Viele Lebensmittel können auch nach Ablauf dieses Datums noch problemlos verspeist werden. Einfach mal am Joghurt riechen oder mit dem Finger probieren, dann wissen Sie schon selber, ob der noch genießbar ist. Wenn sich der Deckel auf dem Becher allerdings schon nach oben wölbt, sollte man die Hände davon lassen (lacht).

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