Der Leseranwalt: „Unterm Strich“ ist Satire, keine Nachricht

Satire stößt oft auf Verständnislosigkeit – vornehmlich bei Betroffenen. Zumindest ich versuche das zu verstehen. Also auch den Mann aus dem Ochsenfurter Gau, der beziehungsreich über einen satirischen Beitrag urteilt: „der ist unter aller Sau.“ Sein Zorn richtet sich gegen die Glosse „Unterm Strich“ vom 16. April, die mit „Unter aller Sau“ betitelt ist. Darin geht es, beginnend mit Genmais, noch um ein genetisches Patent, das Schweine schnell dick machen kann, um Hormone für Kälber und allerlei Mittelchen, etwa solche, die Hühner auf engstem Raum nach dem Eierlegen zu Suppenhühnern mutieren lassen. Der zugespitzte Beitrag steigert sich übers Klonschaf Dolly, zum Klonhund, Klonrind hin zum Klonkamel. – Satire eben. Kein realer Bericht.

Dennoch stellt der erboste Mann Fakten klar, die ich – hoffentlich korrekt – sprachlich etwas geglättet habe: „Kälber bekommen keine Hormone. Das ist bei Strafe verboten. Hühner erhalten keine Antibiotika. Die Genanalyse, die vielleicht patentiert wird (wahrscheinlich aber nicht) macht Schweine nicht schnell dick, sondern verbessert die Fleischqualität. Das Huhn im Käfig gibt es bald nicht mehr. Klonen funktioniert nicht, weil die Abwehrkraft des Körpers geschwächt wird. Dies wird in der breiten Landwirtschaft nicht angewendet.“

Diese erfreuliche Mitteilung wollte ich Ihnen, geneigte Verbraucher, nicht vorenthalten. Sie soll weitere Missverständnisse vermeiden. Mir ist nämlich etwas von meiner Sicherheit, dass Sie das tägliche „Unterm Strich“ auf unserer Titelseite richtig verstehen, genommen worden. Zweifel nährt in mir ein Bauernverbandsschreiben, in dem man uns offiziell wissen lässt, dass gleich mehrere Landwirte dort angerufen und die Kündigung der Zeitung angesagt haben – eben weil sich das „Unterm Strich“ über die Landwirtschaft durch unwahre Behauptungen allgemein lustig mache. Man müsse stattdessen doch eine neutrale und optimale Darstellung der Landwirtschaft erwarten können.

Richtig und versprochen, liebe Landwirte. Alles andere ist nicht gewollt. Allerdings ist in der bewusst zuspitzenden Darstellung vom 16.4. gar nichts Schlimmes behauptet worden. Vor allem nicht, dass Bauern verbotene Dinge tun. Mir vermittelt sich aus diesen Zeilen Abscheu gegenüber einer Reihe von unerlaubten Methoden. Die teilen, da bin ich mir sicher, alle aufrechten Landwirte mit der Autorin der Satire.

Unterm Strich gönne ich dem Kritiker aus dem Gau eine verständliche kleine Revanche gegen unsere Redaktion, weil ich bei ihm Herz für satirische Zuspitzungen zu erkennen glaube: „Schwarze Schafe gibt es überall, doch 99,99 Prozent unserer in Deutschland erzeugten Nahrung ist von bester Qualität. Ob bei Journalisten 99,99 Prozent seriös sind, also nur die Wahrheit schreiben, das wage ich zu bezweifeln.“ – Gegen diese Wertung komme ich nicht an. Hoffentlich versucht sich der Journalistenverband nicht mit einer Klarstellung.

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