Wer die Zeitung wirklich gelesen hat, ist gut informiert und kann mitreden

Einen Trendwechsel im politischen Teil dieser Zeitung hält ein Leser für unübersehbar. Den erkennt er, so wörtlich, „seit der Übernahme ihres Blattes durch die Regensburger Unternehmensgruppe“. Er kritisiert eine Menge Beiträge als Provinzpossen und Klatsch. Mit freundlichen Wünschen der Erneuerung und Frische in unserem Blätterwald schließt er seinen langen Brief.

Es fällt aber schwer, seinen ausgewählten Kritikpunkten das richtige Gewicht beizumessen. Lässt er doch konsequent alles aus, was an politischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen, Sonderseiten, Hintergründen, zusätzlichen eigenen Recherchen und Reportagen erschienen ist – gerade so als hätte es die nie gegeben. Der Leser folgert sogar, dass er sich „derart verblödet“ nicht unter Menschen traue. Ich ermutige ihn auszugehen. Trotz manch berechtigter Kritik: Mit dieser Zeitung ist er gut informiert – so er sie wirklich liest. Dazu stehe ich.

Und damit der Mann sich nicht blamiert, füge ich für ihn hinzu, dass es die Mediengruppe Pressedruck in Augsburg war, die die „Augsburger Allgemeine“ herausgibt, die im vergangenen Jahr die „Main-Post“ von der Verlagsgruppe Holtzbrinck erwarb.

Ausführlich die Abbestellung eines Hammelburger Ehepaars, das seine Wahrnehmungen schildert. Es lehnt wiederholte Berichte mit großen Bildern über ein Storchenpaar in der Stadt ab und will investigativen Journalismus, der sagt, warum vor Ort die Benzinpreise höher sind als im Umland oder warum mitten in einem Baugebiet für Einfamilienhäuser plötzlich ein Seniorenwohnheim entsteht. Erstaunlich: Denn dieses Baugebiet war und ist im Lokalteil vertreten und bleibt ihm wohl erhalten. Und die journalistische Suche nach den wahren Gründen für Benzinpreisschwankungen kehrt immer wieder.

Gerne gebe ich die Vergleichsempfehlung des Ehepaars weiter, die „Augsburger Allgemeine“ neben die „Main-Post“ zu legen, weil seine insgeheimen Hoffnungen nach dem Zusammenschluss nicht eingetreten seien: Es habe sich inhaltlich für Leser nichts spürbar verändert.

Zusammengeschlossen haben sich die schwäbische und die unterfränkische Zeitung nicht. Die selbstständigen Redaktionen profitieren voneinander, ohne ihr gewohntes Profil zu verändern. Dazu gehört eine gute Mischung, die auch einen ins Flugzeug pinkelnden Gérard Depardieu nicht übersehen kann und lokal ausführlich wahrnehmen darf, wenn sich mal wieder ein Storchenpaar in der Stadt niederlässt. Bedeutende Ereignisse dürfen darüber weder von der Redaktion noch von den Lesern übersehen werden.

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