PARIS

Agnes Buzyn soll Bürgermeisterin von Paris werden

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Foto: afp | Agnes Buzyn

Es war ein abrupter Meinungswandel, den Agnes Buzyn innerhalb von zwei Tagen vollzogen hat. Auf die drängenden Fragen, ob sie für die französische Regierungspartei La République en marche (LREM) als Bürgermeister-Kandidatin für Paris antreten wolle, wehrte sie am Freitag noch heftig ab: Als Gesundheitsministerin habe sie „bereits einen sehr vollen Terminkalender“ und zu den Reformen komme noch die durch den Corona-Virus ausgelöste Krise hinzu: Ihr fehle die Zeit.

Am Sonntag dann knickte sie ein, trat aus dem Kabinett aus und in den Wahlkampf ein. Ihr Nachfolger wurde der Arzt und LREM-Parlamentarier Olivier Véran.

Buzyns Partei sowie Präsident Emmanuel Macron hatten sie zu dem Schritt gedrängt, um die fieberhafte Suche nach einem Ersatz für Benjamin Griveaux zu beenden. Der bisherige LREM-Kandidat zog sich am Freitag nach der Veröffentlichung kompromittierender Sex-Nachrichten und -Videos aus dem Rennen zurück. „Nur Agnes Buzyn kann noch Hoffnung auf den Sieg geben“, sagte Premierminister Édouard Philippe. Tatsächlich ist die Spezialistin für Tumore, Transplantationen und Krebsforschung relativ populär. Nach einer Karriere als Medizinerin und in verschiedenen staatlichen Gremien, die sich unter anderem mit den gesundheitlichen Folgen der Kernenergie beschäftigen, kam sie erst spät in die Politik. Nichts könne ihr Angst machen, nachdem sie früher als Ärztin „Familien und Kindern schreckliche Diagnosen ankündigen musste“, sagte sie einmal.

In ihrer Amtszeit stand sie nicht nur den massiven Protesten gegen die Rentenreform gegenüber, sondern auch einer Streikbewegung in vielen Krankenhäusern und einer Kündigungsserie von Ärzten, die unhaltbare Zustände in den Notaufnahmen beklagten.

Hierbei fiel Buzyn durch ihre auf Ausgleich bedachte Wortwahl auf. Gegenüber zwei so polarisierenden Rivalinnen wie der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo und der konservativen Ex-Justizministerin Rachida Dati wirke die 57-Jährige „beruhigend, solide, einigend“, sagte ihr Parteifreund Pierre-Yves Bournazel.

Die Ministerin ausgerechnet am Tag auszutauschen, an dem die Debatte um die Rentenreform in der Nationalversammlung begann, zeigt, wie wichtig für Macrons LREM-Partei der Kampf um das Pariser Rathaus ist.

„Ich kandidiere, um zu gewinnen“, sagte Buzyn nun. Doch bis zu den Wahlen am 15. und 22. März bleibt ihr wenig Zeit, eigene Ideen auszuarbeiten.

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Birgit Holzer
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