Rente

Ökonom fordert: Beamte und Selbstständige sollen in die Rentenkasse einzahlen

Das deutsche Rentensystem ist marode, um es zu retten, fordert Ökonom Marcel Fratzscher, dass künftig auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen.
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Foto: Daniel Naupold, dpa (Archivbild) | Das deutsche Rentensystem ist marode, um es zu retten, fordert Ökonom Marcel Fratzscher, dass künftig auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen.

Das die Rente nicht mehr sicher ist, ist wohl kein Geheimnis mehr. In letzter Zeit wurde die Diskussion um das deutsche Rentensystem immer wieder durch Politiker und Ökonomen angefacht, die eine Reform fordern. Auch Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin findet, dass das Rentensystem so nicht mehr haltbar ist und fordert, dass künftig auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen.

Rente: Laut Fratzscher braucht Deutschland eine deutlich höhere Beschäftigung und das zu höheren Löhnen

Fratzscher sieht das Kernproblem in der demografischen Entwicklung in Deutschland. Das Rentenniveau liegt derzeit bei rund 48 Prozent - dem Ökonomen zufolge ist das sehr wenig. In kaum einem anderen Land stünden Beschäftigte mit geringem Einkommen so schlecht da wie in Deutschland, sagte Fratzscher in einem Interview mit Focus.

Damit das besser wird, wäre es dringend nötig, mehr Menschen in Beschäftigung zu bringen und bessere Löhne zu zahlen. "Deutschland hat aktuell gut zwei Millionen Arbeitslose, davon eine Million als Langzeitarbeitslose. Wir haben jedes Jahr 30 bis 40.000 Schüler, die ihre Bildungseinrichtung ohne Abschluss verlassen. Die Frauenerwerbstätigkeit ist gering. Ungefähr 50 Prozent der weiblichen Beschäftigten arbeitet Teilzeit. Damit sind wir weltweit nach den Niederlanden auf Platz zwei", erklärte der Ökonom. Das alles zeige, dass es hierzulande ein riesiges Potential für mehr Beschäftigung gebe. Wenn diese dann auch noch besser bezahlt würden, würde das zu höheren Renten führen.

Fratzscher: Das Rentenniveau ist zu gering und Geringverdiener bekommen weniger Geld aus der Rentenkasse, als sie eingezahlt haben

Ein großes Problem sieht der Ökonom auch im niedrigen Rentenniveau. Geringverdiener bekämen zu wenig Rente, da diese Gruppe bei Renteneintritt eine bis zu sieben Jahre kürzere Lebenserwartung habe. So bekämen Geringverdiener oft weniger Geld, als sie eingezahlt haben. Der Präsident des DIW fordert daher eine bessere soziale Absicherung am unteren Ende.

In diesem Zusammenhang wichtig: Menschen, deren Rente zu gering ist, können unter Umständen eine Grundrente erhalten. Außerdem können Sie Grundsicherung zur Rente beantragen, was in den vergangenen Jahren auch immer mehr Menschen in Anspruch genommen haben. Zudem gibt es diverse Zuschüsse für Rentner und auch ein Härtefallfonds.

Rente mit 67: Das Renteneintrittsalter sollte laut Fratzscher flexibler gestaltet werden

Eine Anhebung des Renteneintrittsalters, damit die Menschen länger arbeiten, hält Fratzscher nicht für richtig. Bereits jetzt gäbe es zwei Millionen Menschen, die Erwerbsminderungsrente erhalten, weil sie früher in den Ruhestand müssen.

Das Renteneintrittsalter sollte vielmehr flexibler gestaltet werden, sodass die Beschäftigten selbst entscheiden können, wann sie in Rente gehen sollen, sagt der Ökonom. Zudem sollte es Anreize geben für Menschen, die länger arbeiten wollen und das auch können. 

Das forderte auch Ökonom Bert Rürup. Wenn es nach ihm ginge, sollte der Zugang zur Rente mit 63 erschwert werden. An der Rente mit 63 störten sich zuletzt auch immer mehr Politiker. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) sagte etwa, dass er die Rente mit 63 gerne abschaffen würde. Der Finanzminister von Baden-Württemberg, Danyal Bayaz (Grüne), findet sogar die Rente mit 67 Jahren nicht haltbar. Der wichtigste Grund: Fachkräftemangel. Um die Menschen länger im Beruf zu halten, machte Wirtschaftsweise Veronika Grimm den Vorschlag, das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln.

Übrigens: Bereits jetzt gibt es die Möglichkeit der Flexi-Rente, um den Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand individuell zu gestalten. Arbeiten in der Rente, ist also bereits möglich. Für Fleißige springt so sogar ein Zuschlag von 100 Euro pro Monat zur Rente heraus. Wer jung in Rente gehen möchte, kann das mit ein paar Tricks tun.

Laut Ökonom sollen auch Beamte und Selbstständige in die Rentenkasse einzahlen, um diese zu stützen

Um das Rentensystem zu stützen fordert Fratzscher weiterhin: "Man sollte auch die Basis der Beitragszahler vergrößern: Alle Selbstständigen und auch die Beamten sollten in die Rentenkasse einzahlen." So würden die Kosten für den Staat gesenkt werden, denn dieser könnte die Zuschüsse in die Rentenkasse verringern und außerdem entstünde so mehr Gerechtigkeit in der Altersvorsorge.

Die Politik weiß, dass das deutsche Rentensystem marode ist, daher arbeiten Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundesfinanzminister Lindner gerade an der sogenannten Aktienrente beziehungsweise dem Generationenkapital. Dadurch soll das Rentensystem reformiert werden, indem die Rente künftig vom Aktienmarkt mitfinanziert wird. Die genauen Pläne wollen die Politiker in den nächsten Wochen vorstellen.

 
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