Bad Kissingen

Bad Kissingen: Für die Pflege daheim gibt's jetzt gute Tipps

Wer zu Hause einen Angehörigen pflegt, muss auch technische und bürokratische Hürden überwinden. Da würde man gern öfter mal jemanden um Rat fragen. Das ist nun möglich.
Den neuen Pflegestützpunkt des Landkreises stellten am Dienstag vor (von links) Landrat Thomas Bold, Barbara Bössenrodt, Antje Rink (hinten), Daniela Wehner (vorn), Tanja Büchs und Regionalmanagerin Cordula Kuhlmann.
Foto: Isolde Krapf | Den neuen Pflegestützpunkt des Landkreises stellten am Dienstag vor (von links) Landrat Thomas Bold, Barbara Bössenrodt, Antje Rink (hinten), Daniela Wehner (vorn), Tanja Büchs und Regionalmanagerin Cordula ...

Ist meine Wohnung für die Pflege meines Angehörigen langfristig geeignet? Wie beantrage ich eigentlich den Pflegegrad für meinen gebrechlichen Ehemann? Warum lehnt die Krankenkasse das lebenswichtige Medikament für meine behinderte Tochter ab? - Wer sich entschieden hat, einen alten Menschen oder auch einen jüngeren Angehörigen mit einer Behinderung daheim zu pflegen, kennt das: Immer wieder tauchen Fragen auf, deren Antworten erst mühsam recherchiert werden müssen. Das kann die ohnehin stark fordernde Pflegesituation zusätzlich erschweren.

Daniela Wehner und Barbara Bössenrodt können da ab sofort weiterhelfen – und das auch noch kostenlos. Tanja Büchs stößt später im März zu dem Duo dazu. Alle drei haben langjährige Berufserfahrung in Sachen Pflege und Beratung aufzuweisen, sind also bei dem neuen Pflegestützpunkt des Landkreises (seit 2. Januar) genau an der richtigen Stelle.

Drei ausgebildete Fachkräfte an der Front

Wenn also zum Beispiel der Opa zu Hause erste Anzeichen von Demenz zeigt und man sich fragt, wie‘s weitergehen soll oder wenn man nicht weiß, wie man das barrierefreie Bad für die pflegebedürftige Mutter finanzieren soll, kann man sich vertrauensvoll an die drei ausgebildeten Fachkräfte im Landratsamt wenden. Sie unterstützen telefonisch oder bei Beratungsterminen im Landratsamt und machen – in begründeten Ausnahmefällen – sogar mal einen Hausbesuch.

Während es in anderen Bundesländern relativ viele Pflegestützpunkte gibt (Beispiel: Baden-Württemberg 40), sind es in Bayern gerade mal elf. Allerdings ist die Region Main-Rhön mit fünf solcher Anlaufstellen sehr gut ausgestattet (Würzburg, Schweinfurt, Hassberge, Rhön-Grabfeld und nun auch Bad Kissingen).

Ist oft eine echte Herausforderung: die Pflege von nahestehenden Menschen zu Hause.
Foto: Archiv Sven Hoppe | Ist oft eine echte Herausforderung: die Pflege von nahestehenden Menschen zu Hause.

Beratungsbedarf ist da im Flächenlandkreis

"Wir haben gesehen, dass diesbezüglich Beratungsbedarf da ist", sagt Landrat Thomas Bold beim Pressegespräch. Das neue Angebot mache Sinn, gerade auch weil es im Landkreis seit 2009 die Fachstelle Generationenfreundlicher Landkreis gibt. Zudem sei der Kreis in Sachen Senioren sehr stark engagiert, sagt Bold und spielt damit auf das seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises an, das 2014 erarbeitet und seitdem fortentwickelt wurde.

Die Pflege nahestehender Menschen ist in seinen Augen "eine große Herausforderung". Dem müsse man Rechnung tragen und in der Fläche Präsenz zeigen. Das sei auch deshalb wichtig, so Bold weiter, weil potenzielle Zuzügler in die Gesundheitsorte Bad Kissingen, Bad Brückenau und Bad Bocklet dann sähen, das sie auch im Alter hier gut versorgt sind.

Kosten werden aufgeteilt

Der Pflegestützpunkt wurde am 2. Januar gestartet. Das Büro ist momentan im Landratsamt angesiedelt, soll jedoch später in das frühere Telekomgebäude umziehen, das aktuell saniert wird. Dann sind dort verschiedene Fachstellen zu diesem Thema an einem Ort konzentriert:  der Pflegestützpunkt, die Fachstelle für Seniorenfragen, die Wohnberatung und das Zentrum für Telemedizin mit dem Showroom "Dein Haus 4.0" .

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Federführend für den neuen Pflegestützpunkt ist Cordula Kuhlmann, Leiterin des Sachgebiets Regionalmanagement im Landratsamt. Unterstützt wird sie dabei von Diplom-Politikwissenschaftlerin Antje Rink (Projektmanagement Demografie), die neben der Koordinierungsstelle für Seniorenfragen auch das 2016 im Landkreis gegründete KompetenzNetzwerk Demenz  mitbetreut und zudem ausgebildete Wohnberaterin ist.

Für die Realisierung des Pflegestützpunktes musste das Regionalmanagement im vergangenen Jahr einen Antrag beim Bayerischen Landesamt für Pflege und bei der bayerischen Kommission für Pflegestützpunkte einreichen, sagt Regionalmanagerin Kuhlmann. Zwei Drittel der Kosten übernehmen die Kranken- und Pflegekassen, während ein Drittel vom Bezirk Unterfranken und vom Landkreis getragen wird. Das Landesamt für Pflege gewährt jährlich einen Zuschuss.

Der Landkreis geht in Vorleistung

Für 2021 rechnet man mit Gesamtkosten von 140 000 Euro, so die Sachgebietsleiterin weiter. Der Anteil des Landkreises ist mit 10 000 Euro einkalkuliert. In den Folgejahren werden die Kosten etwa bei 120 000 Euro liegen. 2021 müsse man, laut Kuhlmann, mit etwas mehr Kosten rechnen, weil zunächst Anschaffungen für die Ausstattung getätigt werden müssen. Einziger Wermutstropfen: Der Kreis muss für das ganze Jahr in Vorleistung gehen, am Ende des Jahres wird abgerechnet.

Während der Pandemie gibt’s Beratungstermine beim Pflegestützpunkt nur nach Vereinbarung. Erste Treffen können ab 15. Januar stattfinden. Sprechzeiten hat der Pflegestützpunkt montags, mittwochs und freitags von 10 bis 12 Uhr, sowie dienstags von 14 bis 16 Uhr und donnerstags von 14 bis 17 Uhr unter Tel. (09 71) 8 01-53 00. Die E-Mail-Adresse lautet: pflegestuetzpunkt@kg.de

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