SANDBERG

Der „Bankier“ von Sandberg

Wer den K-Weg, eine Abstecherroute des Hochrhöners, von Sandberg zum Kreuzberg wandert, der erlebt gleich am Anfang, nach dem kurzen Waldstück, durch das ein Hohlweg führt, sein blaues Wunder. Das Wunder ist auch weiß, rot, rosa und leuchtend gelb.

Es steht am Schotterweg kurz vor den Sandberger Brunnen. Es ist eine Bank, wie man sie noch nicht gesehen hat. Sie ist aus alten alten Skiern gezimmert. Ganze Skier bilden die Latten für Sitzfläche und die Lehne. Das Grundgerüst besteht aus einem Vierkantholz, das wiederum mit Ski-Bruchstücken verkleidet ist.

K2, Blizzard. Head, Germina: Das Who is Who der Skibranche ist auf der Ruhebank vereint, die zwei Langläufern oder Winterwanderern gemütlichen Platz bietet.

„Mit den heutigen, kurz geschnittenen Carvern wäre das gar nicht machbar“, sagt Reiner Köth, als ob man sich nicht über etwas anderes unterhalten könnte als die Skiwahl für eine Sitzbank.

„Ich hatte die Idee, eine Bank zu machen, die den winterlichen Bedingungen trotzt“, erzählt der Sandberger Baggerfahrer. Und irgendwann ist er dann auf Skier gekommen, die mit ihrem Lack und ihren Kunstfaser-Bestandteilen für ein solches Projekt prädestiniert sind.

Reste-Recycling

„Ich habe lange davor beim Sport Pecht angerufen und darum gebeten, dass die mir Reststücke oder alte Skier aufheben“, erzählt der Sandberger Tüftler, der mit seiner Skibank einen Hingucker in den Walddörfern geschaffen hat.

„Eigentlich wollte ich sie diesen Sommer abbauen, aber weil sie eben so robust ist, habe ich sie stehen gelassen“, sagt Köth. Er dürfte damit für so manches Aha-Erlebnis unter Rhöner Wanderern gesorgt haben.

Der dritte Winter steht der Skibank nun bevor. Rechtzeitig hat er noch ein paar Schrauben nachgedreht. „Irgendwer hat da zwei Spax-Schrauben rausgedreht“, ärgert sich der Bastler.

Dass er so kreativ ist, liegt vielleicht an seinem ursprünglichen Beruf. „Ich bin gelernter Holzschnitzer und habe in Bischofsheim das Handwerk gelernt“, erzählt Köth. Doch auf dem bau als Baggerfahrer fand er bessere berufliche Perspektiven. „Dafür habe ich in den Wintermonaten mehr Zeit, meiner handwerklichen Leidenschaft nachzugehen“, erzählt der Sandberger. In seiner großen Scheune unweit der Pfarrerswohnung werkelt er so oft es geht. Dort steht nicht nur ein imposanter Smoker-Grill nach amerikanischer Art. Ein Gewicht, mit dessen Hilfe sich zum Beispiel der Deckel des Grillraums leichter heben lässt, hängt an einer alten Motorradkette, die über ein altes Motorradritzel geführt wird. Befestigt ist die Kette wiederum an einem Hufeisen.

Während dieser Smoker eher für den Privatgebrauch ist, hat der neueste Bank-Entwurf von Reiner Köth schon viel Lob von der Sandberger Bevölkerung erhalten. „Der erste, der sie nutzte, war ein durchreisender Motorradfahrer, der sich gleich daraufgelegt hatte“, schmunzelt Köth. Mehr als 15 Minuten dürften das nicht gewesen sein. Denn auf der wuchtigen Holzbank aus Eichenbalken steht, in die Lehne gefräst, „Nur ein viertel Stündchen“.

Ein paar Minuten des Ausruhens und Innehaltens will Köth den Menschen bieten, die an der Bank vorbeikommen. Den Sommer über war sie der Blickfang an der Ortseinfahrt von Schmalwasser kommend.

Einen ganzen Winter hat Reiner Köth daran gearbeitet, Kugeln gedrechselt, den Schriftzug eingearbeitet und am Ende das Ganze mit Schiffslack versehen, damit die Bank auch lange den Wetterverhältnissen in der Rhön standhält.

Von geschichtlicher Bedeutung ist die Bank auf jeden Fall. Denn das Holz stammt von der abgerissenen Scheune des Fotografen Fritz Benke. Der Dokumentarist der Familien und des öffentlichen Lebens in den Walddörfern genießt bis heute großen Ruf, seine digitalisierten Bilder wurden vor einiger Zeit in den Walddörfern gezeigt.

Über Winter freilich wird die Eichenbank in der Scheune gelagert. In dieser Zeit sinniert der Bastler Reiner Köth schon über sein nächstes Projekt. „Ich möchte gerne eine Bank bauen, die das Fränkische repräsentiert und zeigt, dass wir Rhöner Franken sind.

Aber ich weiß noch nicht, wie ich das gestalten könnte“. Wer Reiner Köth und seine Bänke kennt, der weiß, dass ihm da schnell etwas einfallen wird.

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