Aura an der Saale

Gaststätte "Ruine Aura" wird "Kinderhaus Aura"

Seit Ende 2017 steht das Café-Restaurant "Ruine Aura" leer. Das Gebäude bekommt nun eine neue Funktion.
Karlheinz Friedel hat eine neue Idee für das Gebäude des Café-Restaurants 'Ruine Aura'. Foto: Arkadius Guzy       -  Karlheinz Friedel hat eine neue Idee für das Gebäude des Café-Restaurants 'Ruine Aura'. Foto: Arkadius Guzy
| Karlheinz Friedel hat eine neue Idee für das Gebäude des Café-Restaurants "Ruine Aura". Foto: Arkadius Guzy
Karlheinz Friedel ist mit viel Natur aufgewachsen. "Ab vier Jahren war ich fast täglich mit dem Schäfer unterwegs. Dabei habe ich viel über Stille gelernt", sagt der 61-Jährige. Friedel lebte damals hoch über Aura im Wohn- und Gasthaus in der Nähe der nie vollendeten Klosterkirche aus dem 17. Jahrhundert. Die Besonderheit dieses Ortes will er nun für therapeutische Zwecke erschließen.

Das Gebäude des Café-Restaurants "Ruine Aura" wird daher zum "Kinderhaus Aura". Denn Friedel ist nicht nur Eigentümer des Gaststättengebäudes und der Klosterruine, sondern zugleich Vorsitzender des Vereins "Netzwerk für soziale Dienste". Dessen soziale, pädagogische und heilpädagogische Arbeit in den Landkreisen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt ist etabliert und anerkannt. Bekannt ist vor allem das "Mürschter Kinderhaus", eine heilpädagogische Wohngruppe. Eine ähnliche Einrichtung soll nun das "Kinderhaus Aura" werden.

Die Gaststätte ist seit dem Rückzug von Pächter Matthias Büttner Ende 2017 außer Betrieb und steht leer. "Wir beide haben ein Dreivierteljahr intensiv nach einem neuen Pächter gesucht", sagt Friedel. Doch alle Bemühungen blieben erfolglos, wie Friedel berichtet. Einige Interessenten seien teilweise kurzfristig wieder abgesprungen und wären sogar nicht mehr zu erreichen gewesen.


An der Pacht könne es nicht gelegen haben. Um Gerüchten entgegenzuwirken, legt Friedel die Zahlen offen: Die Nettomiete für den Gastrobereich hätte 1300 Euro betragen. Dazu kämen noch 200 Euro für die beiden Wohnungen.

Friedel wollte das Gebäude nicht leerstehen lassen. So entstand die Idee mit dem Kinderhaus. Damit findet das Haus eine sinnvolle Nutzung und erfülle weiterhin einen öffentlichen Auftrag, wie Friedel erklärt.

Ab September, parallel zum Schuljahresbeginn, sollen bis zu sechs Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sechs und 18 Jahren im "Kinderhaus Aura" aufgenommen werden. Die ersten zwei Gespräche mit Eltern habe er bereits geführt.

Das Haus soll "ein sicherer Ort für unsichere Kinder" sein. Friedel erklärt den Hintergrund: Viele Eltern seien heutzutage in der Erziehung verunsichert. Das wirke sich auf die Kinder aus. "Viele Kinder zeigen unsicheres Verhalten", sagt Friedel. Er nennt Depressionen, Ängste, Schulangst oder Essstörungen als Beispiele. Um solche Kinder fürs Leben wieder zu festigen und den Familien zu helfen, sollen sie mindestens zwei Jahre in der Einrichtung bleiben. Sie werden im "Kinderhaus Aura" von sechs Fachpersonen - Sozial- und Heilpädagogen sowie Erziehern - betreut.


Die Kinder und Jugendlichen haben einen festen Tages- und Wochenrhythmus. Sie werden die regulären Schulen der Umgebung besuchen. Außerdem sollen sie in das Dorf- und Vereinsleben von Aura integriert werden. "Die Einbindung in einen Verein ist für jeden Pflicht. Keiner darf isoliert sein", sagt Friedel.

Das schriftlich ausformulierte Konzept des Vereins "Netzwerk für soziale Dienste" sieht außerdem Tierhaltung vor. Am Haus sollen Hühner gehalten werden, um die sich die Kinder kümmern sollen. Die Idee gebe es schon länger, am Standort in Aura lasse sie sich nun verwirklichen, erklärt Friedel.

Am kommenden Mittwoch wird das Konzept den Gemeinderäten vorgestellt. Der Meinung des Gremiums will Bürgermeister Thomas Hack ( CSU / Bürger für Aura) auf Nachfrage nicht vorgreifen. Es gebe allgemein aber Bedauern, dass sich kein Pächter gefunden hat. Das Café-Restaurant war ein äußerst beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Einheimische. Von der Anhöhe öffnet sich schließlich ein breiter Blick übers Saaletal bis zur Trimburg. Die Klosterruine ist zusätzlich eine Sehenswürdigkeit.

Friedel will dem gerecht werden. So soll es regelmäßig einen Tag der offenen Tür im "Kinderhaus Aura" geben, das auch sonst für Freunde und Bekannte immer offen steht. Wohnmobilisten, die auf einen Strom- und Wasseranschluss verzichten können, sollen an der Klosterruine halten können. Und für Ausflügler will Friedel einen Picknick-Platz anlegen. Das sei ihm ein wichtiges Anliegen.

Die Geschichte der Gaststätte Seit der Säkularisation Anfang des 19. Jahrhunderts ist die Klosterruine in Privateigentum. In die Familie von Karlheinz Friedel kam sie 1912. Seine Urgroßmutter kaufte die Ruine. Ihr ging es um den Gastbetrieb, der damals noch direkt an die unvollendete Kirche angebaut war. Im Jahr 1957 errichtete Friedels Vater das heutige Wohn- und Gaststättengebäude, die alte Gaststätte wurde danach abgerissen. Am Samstag, 11. August, und Montag, 13. August, findet von 10 bis 14 Uhr ein Flohmarkt statt. Die Küchen- und Gastroausstattung wird verkauft. Damit endet die Geschichte des Café-Restaurants.
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