Heimspiel für die Denkmalstadt Kissingen

Das 19. Jahrhundert steht bei der bundesweiten Veranstaltung am 11. September im Mittelpunkt und das einstige Weltbad ist Gastgeber der zentralen Veranstaltung für ganz Bayern.
Im Mittelpunkt: Am 11. September ist Kissingen mit dem Arkadenbau Gastgeber der zentralen Veranstaltung in Bayern zum Tag des offenen Denkmals.
Foto: Siegfried Farkas | Im Mittelpunkt: Am 11. September ist Kissingen mit dem Arkadenbau Gastgeber der zentralen Veranstaltung in Bayern zum Tag des offenen Denkmals.

Es hätte kaum einen Besseren geben können. Kissingen fungiert am Sonntag. 11. September, als Gastgeber der bayernweiten Eröffnung für den Tag des offenen Denkmals. Das liegt nicht nur daran, dass die Stadt sich gerne mit öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen schmückt. Es liegt auch am Thema. Diesmal steht das 19. Jahrhundert im Mittelpunkt, was Kissingen quasi ein Heimspiel beschert. Denn in dieser Zeit erlebte es seinen rasanten Aufstieg zum Weltbad.

Die Stadt ist schon lange treuer Teilnehmer der Denkmaltage. Um aber der herausgehobenen Rolle in diesem Jahr gerecht zu werden, bietet sie für den 11. September zwar nicht alles, aber doch sehr viel von dem auf, was sie aus dem 19. Jahrhundert vorzuweisen hat. Ein Überblick über die Objekte.

Der Arkadenbau steht im Zentrum. 1834 bis 1838 durch Friedrich von Gärtner im Auftrag König Ludwigs I. errichtet, steht der Arkadenbau unberechtigt im Schatten des 75 Jahre später entstandenen Regentenbaus. Viele Gäste der Stadt erleben die Ansicht des Arkadenbaus zum Kurgarten hin eher als Wahrzeichen der Stadt als die zur Saale gerichtete Schaufassade des Regentenbaus.

Der Bahnhof ist für heutige Erfordernisse überdimensioniert. 1874 entstanden, verdankt er seine Größe den Bedürfnissen des damaligen Kissingen, das auch hochgestellten Gästen eine angemessene Ankunft bereiten können sollte. Am Tag des offenen Denkmals ist auch das so genannte Fürstenzimmer geöffnet. Vielleicht lässt sich sogar klären, was es mit dem geheimnisumwobenen königlichen Abtritt auf sich hat, den es im Bahnhof angeblich gibt.

Die Erlöserkirche geht ebenfalls auf Ludwig I. und Friedrich von Gärtner zurück. Sie verdankt ihre Entstehung (1845-1847) der mit der Zahl der Kurgäste wachsenden Zahl von Protestanten, die sich in der Stadt aufhielten. Zunächst nur als Bethaus angelegt, erfuhr sie 1889 bis 1891 nach Plänen von August Thiersch die Ergänzung um den Chor und die zwei Fronttürme. Auch die katholische Stadtpfarrkirche Herz Jesu (1881-1884) wird am Tag des offenen Denkmals gezeigt. Die Größe ihrer Türme deutet an, dass Kissingen damals hoch hinaus wollte. Deutlich höher als bei der Jakobuskirche, die vormals Stadtpfarrkirche gewesen war.

Das Thema Salzgewinnung wird am Tag des offenen Denkmals mit mehreren Objekten angesprochen. Der Gradierbau – er ist in der heutigen Form nur noch ein Schatten seines damaligen Selbst – gehört ebenso zu den Angeboten, wie Salzweg, Freiturbine, Pumpwerke oder Untere Saline. Auch die Obere Saline war bis ins 19. Jahrhundert in die Salzgewinnung einbezogen. Am Denkmaltag gezeigt wird sie aber auch, weil sie dem prägenden deutschen Politiker des 19. Jahrhunderts, Otto von Bismarck, 14-mal als Kurresidenz diente.

Das Hotel Kaiserhof Victoria ist ein prominent gegenüber der Wandelhalle gelegener Bau, der viel über das Auf und Ab von Kur und Sommerfrische im Kissingen der Gründerzeit erzählen kann.

Die Trauernde Germania und der Kapellenfriedhof legen Zeugnis ab von Kissingens Rolle im so genannten Bruderkrieg von 1866. Die Germania ist steinerne Erinnerung an die Gefallenen. Der Friedhof zeigt nicht nur historische Grabdenkmäler. Dort fanden auch Kampfhandlungen statt.

Das Luitpoldbad ist eines der Sorgenkinder auf der Liste Kissinger Denkmäler in öffentlicher Hand. 1867 bis 1871 entstanden und danach mehrfach ergänzt und erweitert, steht das staatliche Gebäude seit vielen Jahren als Mahnmal für die Pflichten des Freistaats in Bad Kissingen leer. Nur das in nördlichen Gebäudeteilen untergebrachte Spielcasino wird genutzt. Der Freistaat will das Badehaus zum Behördenzentrum umbauen.

Tag des offenen Denkmals 2011

In Deutschland gibt es den Tag des offenen Denkmals seit 18 Jahren. Unter der Bezeichnung European Heritage Days beteiligen sich nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz alle europäischen Länder.

Das Motto der Veranstaltung lautet heuer Romantik, Realismus, Revolution – das 19. Jahrhundert. Dieses Zeitalter, so die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, sei eine der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte gewesen.

Im Landkreis Bad Kissingen beteiligen sich neben der Großen Kreisstadt etliche weitere Kommunen.

In Münnerstadt werden das Deutschordensschloss, das Henneberg-Museum und die Kreuzweg-Stationen vorgestellt.

Bad Brückenau zeigt die evangelische Christuskirche, die katholische Marienkirche und vor allem das nach Plänen von Johann Gutensohn entstandene und als stilbildend geltende Historische Kursaalgebäude.

In Langendorf steht zum Tag des offenen Denkmals die Pfarrkirche St. Vitus auf dem Programm.

Mehr: www.tag-des-offenen-denkmals.de

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