Bad Kissingen

Schloss Aschach: Von der gräflichen Sommerresidenz zum Bezirksmuseum

Grafen, Bischöfe, Industrielle – alles hohe Herrschaften, die in den altehrwürdigen Mauern wohnten. Warum heute dort ganz normale Bürger ein- und ausgehen.
Symbolisch: Heute dreht Bezirkstagspäsident Erwin Dotzel den Schlüssel auf Schloss Aschach um.
Foto: Archiv Sigismund von Dobschütz | Symbolisch: Heute dreht Bezirkstagspäsident Erwin Dotzel den Schlüssel auf Schloss Aschach um.

Schloss Aschach ist ein geschichtsträchtiger Ort. Und das nicht nur, weil die imposanten Mauern hoch über der Fränkischen Saale heute ein topmodernes Museum beherbergen. An dieser Stelle spielten sich vielmehr, über Jahrhunderte hinweg, historisch bedeutsame Ereignisse ab. In Aschach residierten einst nicht nur die Henneberger Grafen, sondern später auch die Würzburger Fürstbischöfe. Wilhelm Sattler produzierte an diesem Ort erlesenes Porzellan.

Hier trugen die Grafen von Luxburg ihre gesammelten Kunstobjekte zusammen. Und gegen Ende des Zweiten Weltkriegs quartierten sich im Schloss kurzzeitig Nazis ein, bevor die US-Soldaten kamen. Karl von Luxburg verfügte 1955, dass das hochherrschaftliche Gebäude an eine öffentliche Institution übergehen soll.

Schenkung unter einer Bedingung

Ihm war damals wohl klar, dass der Erhalt des Schlosses und der umfangreichen Kunstsammlungen, die er und zuvor sein Vater Graf Friedrich von Luxburg, im lauschigen Aschach zusammengetragen hatten, künftig eine Stange Geld kosten würden. Der Jurist und lange Jahre Diplomat von Kaisers Gnaden schenkte das Anwesen deshalb dem Bezirk Unterfranken – allerdings mit der schriftlichen Bedingung, dass dieser das Schloss mitsamt Einrichtung erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich machen müsse.

Schloss Aschach: Blick vom Innenhof aus auf das heutige Graf-Luxburg-Museum.
Foto: Isolde Krapf | Schloss Aschach: Blick vom Innenhof aus auf das heutige Graf-Luxburg-Museum.

Festgelegt ist dies in einer Schenkungsurkunde vom 14. November 1955, die in altmodischen und ungleichmäßigen Schreibmaschinen-Lettern getippt ist. Von Luxburg starb ein Jahr später in Argentinien. Am 21. Juni 1957 eröffnete der Bezirk auf dem Schloss ein Museum.

Schloss Aschach wirkt tatsächlich ein bisschen wie ein Märchenschloss, wie es da am Ortseingang von Aschach hoch oben am Berg über der Schlossmühle thront. Doch ganz so märchenhaft ging’s auf dem Anwesen nicht immer zu. Im 12. Jahrhundert errichteten dort die Henneberger eine ihrer Burgen, welche aber im Lauf der Jahrhunderte mehrfach durch Aufstände zerstört wurde. Später bauten die Fürstbischöfe von Würzburg die Anlage wieder auf und machten sie zu ihrem Verwaltungssitz.

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Nach der Säkularisation kaufte der Schweinfurter Industrielle Wilhelm Sattler 1829 das Schloss und ließ dort eine zunächst florierende Steingut- und Porzellanfabrik einrichten. Doch als diese wirtschaftlich ausblutete, kaufte 1873 Graf Friedrich von Luxburg, seines Zeichens von 1868 bis 1901 königlich-bayerischer Regierungspräsident von Unterfranken und Aschaffenburg, der Sattler-Familie das Schloss an der Saale ab. 

Geschirr aus der guten alten Zeit: Der Schweinfurter Farben- und Tapetenfabrikant Wilhelm Sattler richtete in Schloss Aschach 1829 eine Steingut-Manufaktur ein.
Foto: Archiv Isolde Krapf | Geschirr aus der guten alten Zeit: Der Schweinfurter Farben- und Tapetenfabrikant Wilhelm Sattler richtete in Schloss Aschach 1829 eine Steingut-Manufaktur ein.

Nach seinem Tod im Jahr 1905 kümmerten sich sein zweiter Sohn Karl von Luxburg und dessen Ehefrau Carola um das Schloss. Karl von Luxburg war deutscher Diplomat und unter anderem Gesandter von Wilhelm II. in China und Anfang 1913 in Indien. Er brachte aus Asien wertvolle altchinesische Keramik und kostbare Teppiche mit nach Aschach und bereicherte das von seinem Vater geprägte Bild der Aschacher Kunstsammlung mit persönlichen Akzenten.

Kurze Zeit von den Nazis besetzt

Der Zweite Weltkrieg war ein schwerer Einschnitt. Karl von Luxburg und seine Frau hielten sich bei Ausbruch des Krieges in den Vereinigten Staaten auf und konnten kriegsbedingt erst 1949 auf ihre Sommerresidenz in Aschach zurückkehren. Gegen Kriegsende soll sich dort vorübergehend ein gewisser Ewald von Kleist mit seinem Stab einquartiert haben – ein Generalfeldmarschall, der während des Nazi-Regimes zu Rang und Namen gekommen war. Im Frühjahr 1945 war das Schloss schließlich drei Tage lang von US-Truppen besetzt.

Doch was war in den Kriegstagen mit den Kunstgegenständen auf dem Schloss passiert? Waren sie sicher gewesen? Eine Ahnung von den Kriegsumständen bekam man vor sechs Jahren, als der US-Streifen "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" mit George Clooney und Matt Damon in die Kinos kam. Darin ging es unter anderem auch um Schloss Aschach. Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Kunstschutz-Offizieren, die in der Endphase des Zweiten Weltkriegs Kunst und historische Schätze vor der Zerstörung durch die Nazis retten sollten.

Die historische Aufnahme zeigt den Diplomaten Karl Graf von Luxburg in Argentinien, der Heimat seiner Frau, Gräfin Carola.
Foto: Museen Schloss Aschach | Die historische Aufnahme zeigt den Diplomaten Karl Graf von Luxburg in Argentinien, der Heimat seiner Frau, Gräfin Carola.

Die Nazis häuften Raubkunst an

Dem Film zufolge waren zum Ende des Zweiten Weltkriegs hin von den Nazis auch auf Schloss Aschach diverse Sammlungen unterschiedlicher Herkunft vorübergehend eingelagert worden, wie aus Unterlagen des US-Nationalarchivs hervorgeht. Eine Auflistung aus Aschach vom 26. Mai 1945 verzeichnete eine Auswahl von Kunstobjekten und sonstigen wertvollen Gegenstände aus Museen in Frankfurt (die Sachen waren von Schloss Zeitlofs im Landkreis Bad Kissingen umgelagert worden) und Bad Kissingen.

Zu finden war in dieser Liste auch eine Sammlung von rund 100 modernen Gemälden fraglicher Herkunft, Möbeln, Koffern und Kisten von rund 40 Familien sowie Besitztümern der Familie des oben erwähnten Feldmarschalls Ewald von Kleist – alles Gegenstände, die offenbar nach dem Krieg auch teilweise wieder an ihre Besitzer zurückgeführt wurden. Auch die ausgedehnten Privatsammlungen des Grafen von Luxburg wurden auf der Liste genannt. In den Museen Schloss Aschach gibt es jedoch, nach Recherchen dieser Redaktion, über jene Jahre kaum Informationen.

Die ostasiatische Sammlung im neu konzipierten Graf-Luxburg-Museum auf Schloss Aschach
Foto: Archiv Isolde Krapf | Die ostasiatische Sammlung im neu konzipierten Graf-Luxburg-Museum auf Schloss Aschach

Die Grafen von Luxburg gibt es heute noch

Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss noch zehn Jahre im Besitz der Familie von Luxburg, bevor es an den Bezirk Unterfranken überging. Denn der Diplomat im fernen Buenos Aires, der seinen Familienbesitz an der fränkischen Saale nur im Sommer besuchte, hatte selbst keine Kinder. Dennoch existierte die gräfliche Familie unterdes freilich weiter.

Verwandte des einstigen Diplomaten, zwei Großneffen, sind heute sogar gelegentlich wieder zu Gast im Schloss. Als Karl von Luxburgs Bruder Hermann nämlich 1912, mit nur 32 Jahren, plötzlich starb, übernahm Karl von Luxburg die Vormundschaft für dessen Sohn Hermann Friedrich von Luxburg. Sein Neffe durfte die Ferien dann immer auf dem Schloss verbringen.

Der Mantel des Schweigens

Auch später, als er schon verheiratet war und mit seiner Familie in Stuttgart lebte, war Hermann Friedrich von Luxburg mit seiner Gattin im Sommer stets auf dem Schloss willkommen, erzählten seine Söhne Harro und Joachim von Luxburg vor einiger Zeit bei einem Besuch in Aschach.

Die Großneffen des Diplomaten Karl von Luxburg, (im Bild von links) Joachim und Harro von Luxburg.
Foto: Archiv Isolde Krapf | Die Großneffen des Diplomaten Karl von Luxburg, (im Bild von links) Joachim und Harro von Luxburg.

Bei den Schlossführungen in Aschach wurde früher stets kolportiert, die von Luxburgs seien "ausgestorben". Joachim von Luxburg vermutete, dass der Bezirk Unterfranken wohl in den ersten Jahrzehnten die Umstände, die zur Übergabe des Schlosses als Schenkung führten, nicht an die große Glocke habe hängen wollen. Denn über die Zukunft des Schlosses habe es bereits zu Lebzeiten des Großonkels unterschiedliche Ansichten gegeben, sagte er im Gespräch mit dieser Redaktion. 

Ein Schloss mit Stimmengemurmel und Topfklappern 

"Mein Vater wollte es in der Familie halten, mein Großonkel wollte es verschenken." Heute stehen jedoch beide Brüder hinter der Entscheidung ihres Großonkels. "Wir sind froh darüber, wie wertschätzend der Bezirk mit dem Schloss umgeht", sagte Joachim von Luxburg.

Der Bezirk hat über die Jahrzehnte immer wieder in sein kleines, aber feines Museum investiert, zuletzt in den Jahren 2017 bis 2020. Da flossen 2,6 Millionen Euro in die Modernisierung des Graf-Luxburg-Museums.  Die Neuausrichtung beinhaltet auch das Spiel mit Schatten und Tönen, um einen möglichst realen Einblick in das Schlossleben zu bekommen. Jetzt sind Schlossküche und Billardsaal öffentlich zugänglich und die klassischen Ausstellungsräume mit den Kunstsammlungen der Grafen erscheinen in völlig neuer Perspektive.

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