Der Vielfalt der Flora auf der Spur

würzburg Unterfranken ist in botanischer Hinsicht ein sehr artenreiches Gebiet. Die größte Vielfalt gibt es nach Erkenntnissen von Lenz Meierott im Grabfeld und im mittleren Maintal rund um Schweinfurt.
"Ringelbüsch" nennt der Volksmund in Grabfeld und Haßbergen den Löwenzahn, andernorts heißt er "Kuhblume", gemeint ist jeweils die gleiche Pflanze. Für den Botaniker allerdings ist Löwenzahn noch lange nicht gleich Löwenzahn. "Es gibt rund 2500 Löwenzahnarten, 80 bis 90 davon in Unterfranken", sagt Dr. Lenz Meierott. Der an der Würzburger Musikhochschule tätige Professor, Vater des bekannten Sologeigers Florian Meierott, ist mit Leib und Seele Pflanzenkundler. Hobbymäßig zwar, aber dennoch wird er von Behörden und Botanikerkollegen als Experte anerkannt. Jetzt hat Lenz Meierott (59) ein "Kleines Handbuch zur Flora Unterfrankens" herausgegeben.

Dieses Werk ist nicht sein erster Beitrag zur botanischen Literatur. Als Regionalstellenleiter des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekts "Floristische Kartierung Deutschlands" hat er bereits an einem botanischen Deutschlandatlas mitgearbeitet und an einem bayerischen Pflanzenverbreitungsatlas. Im Auftrag der Regierung von Unterfranken hat Meierott eine Rote Liste erstellt, die als Grundlage für Naturschutzgebietsausweisungen herangezogen werden kann. "Derzeit in Arbeit ist ein neuer Deutschlandatlas mit einem Ostteil, der auch neue botanische Erkenntnisse beinhaltet", sagt Meierott.

Neue Erkenntnisse ergeben sich laut Meierott für Insider hinsichtlich der Bestimmung "kritischer Gattungen" wie zum Beispiel des Habichtskrauts (Hieracium), der Frauenmantelarten (Alchemilla), der Brombeere (Rubus, 350 Arten in Deutschland) und der bereits genannten Löwenzahnvielfalt (Taraxacum). "Zum Beispiel gibt es in den Haßbergen und im Steigerwald Taraxacum adamii, eine sonst nur in den Vogesen vorkommende Löwenzahnart." Bislang unbekannte Arten der Mehlbeere (Sorbus) bestimmte Meierott bei Mädelhofen - dieser gab er den Namen Sorbus puellarum, die Mädchenmehlbeere - und in Würzburg (Sorbus herbipolitana).

Auch neue mikrobiologische Bestimmungsmethoden beispielsweise nach der Chromosomenzahl - "das machen allerdings nur botanische Institute" - könnten geänderte Einordnungen in Pflanzenfamilien zur Folge haben, erklärt der Fachmann.

Vielfältiger werde der Florenbestand auch durch die Globalisierung. "Dadurch gibt es bei uns viele pflanzliche Neubürger." Zu denen zählt neben dem häufig an Bachrändern verbreiteten rosa blühenden drüsigen Springkraut auch der Riesenbärenklau oder die Nachtkerze. Als ausgestorben geltende Salzpflanzen, wie sie früher auf den Salzwiesen der Saline in Kissingen vorkamen, machen sich nach den Beobachtungen von Meierott an Straßenböschungen breit. Die Straßensalzung lasse Meerstrandwegerich und Salzschwaden wieder gedeihen.

Meierott, der auch eine umfangreiche Sammlung getrockneter Pflanzen besitzt, bezeichnet sein "Kleines Handbuch" als eine "kommentierte Check-Liste" dessen, was in Unterfranken auf welchen Standorten botanisch vorkommt. Nach seinen Angaben ist dies die erste detaillierte Zusammenstellung des Florenbestandes Unterfrankens und zugleich die erste kritische und detaillierte Übersicht über die Flora eines bayerischen Regierungsbezirks.

Meierotts "Kleines Handbuch" enthält keinerlei Abbildungen oder Fotos, mit Ausnahme des Umschlagbildes. Für den Laien interessant dürfte deshalb vor allem die umfangreiche Bibliographie sein. Sie enthält etwa 2500 Titel zur Botanik in Unterfranken. Zur Zeit arbeitet Meierott an einer bebilderten Flora der Haßberge und des Grabfelds. Dieses Buch, das vom Bayerischen Naturschutzfonds gesponsert wird, "ist hoffentlich 2003 fertig".

Das "Kleine Handbuch zur Flora
Unterfrankens", 264 Seiten, ist für
24,50 Euro erhältlich bei der Würz-
burger Buchhandlung Knodt oder
beim Herausgeber Dr. Lenz
Meierott, Tel. (09 31) 70 60 52.

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