WÜRZBURG

Diakonie: Nächstenliebe als Unternehmensziel

(epd) Die bayerische Diakonie will sich in den kommenden beiden Jahren intensiv mit ihrem Verhältnis zur Wirtschaft beschäftigen. Die Finanzkrise mache diese Diskussion nötiger denn je, betonte Diakoniepräsident Ludwig Markert (Nürnberg) im Würzburger Luisengarten. Markert beschrieb den kirchlichen Wohlfahrtsverband „als Teil, aber auch als Gegenüber der Wirtschaft“. Mit 60 000 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro pro Jahr stelle er eine Größe in der bayerischen Wirtschaft dar, die von Politik und Medien zu wenig wahrgenommen werde.

Auch wenn die Diakonie kein Konzern sei, gebe es Parallelen zu Wirtschaftsunternehmen, so Markert. Sie stehe mit anderen Anbietern im Wettbewerb um Kunden, Finanzmittel und Mitarbeitende und sehe sich immer häufiger mit „Markenpiraterie“ konfrontiert. Ausführlich ging Markert auf das Verhältnis von Nächstenliebe und Geld, von sozialem Handeln und ökonomischen Zwängen ein. Die doppelte Verantwortung für Hilfsbedürftige und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter mache wirtschaftliches Handeln nötig, betonte er. Dieses Handeln orientiere sich aber nicht am Profit, sondern am christlichen Menschenbild.

Als Partnerin der Wirtschaft sieht Markert die Diakonie bei den Behindertenwerkstätten. Weitere Kooperationsmöglichkeiten bestünden bei der Einrichtung firmeninterner Kindergärten und sozialer Beratungsstellen. Dass die Diakonie gemeinsam mit dem Energiekonzern E.ON Bayern einen speziellen Tarif für Hartz-IV-Empfänger entwickelt hat, verteidigte er ausdrücklich: „Eine fundamentalkritische Haltung gegenüber Unternehmen der freien Wirtschaft hilft uns nicht weiter.“

Der Diakoniepräsident machte aber auch deutlich, wo er den Gegensatz zur Wirtschaft sieht: Diese sei angetrieben durch Eigeninteresse und die Verwertung bereits vorhandenen Kapitals. Die Mitarbeiter der Diakonie dagegen sähen sich primär angetrieben durch die Not der Menschen, diese Not aber lasse sich nicht kapitalisieren. Die Grenzen wirtschaftlichen Handelns seien für die Diakonie dort erreicht, „wo der Markt moralisch blind wird“, so Markert.

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