Die Welt aus dem Computer kommt ins Kinderzimmer

Trends und Neuheiten sind für jede Messe das Salz in der Suppe, besonders für die Spielwarenmesse. Doch warum werden Trends überhaupt zu Trends? Wie wird zum Beispiel aus einem kleinen Stück Gummi plötzlich ein Hype? Diesen Fragen geht bei der Spielwarenmesse in Nürnberg ein neunköpfiges, international besetztes Trend Committee nach. Die Trendberaterin Gabriela Kaiser gehört diesem Gremium an.

Frage: Wie entwickelt sich die Welt der Spielwaren aus Ihrer Sicht?

Gabriela Kaiser: Spielwaren bleiben ein wichtiges Thema. Eltern versuchen ihren Kindern heute eine optimale Kindheit zu ermöglichen und sparen selten beim Nachwuchs. Junge Erwachsene genießen heute oftmals die Zeit bei ihren Eltern und ziehen immer später aus. Sie verlängern ihre Kindheit damit quasi. Auch sie sind offen für Spiele und zwar nicht nur für Computerspiele.

Im letzten Jahr waren Gummibänder, mit denen man Ketten fertigen konnte, ein absoluter Trend. Was sind die Trends 2015?

Kaiser: So einen übergreifend starken Trend, wie der Loom-Bands-Hype, ist für mich im Moment nicht in Sicht. Das war ein Phänomen, wie es nicht sehr oft vorkommt. Das Internet hat da stark zur Verbreitung beigetragen, denn dort kann man sich für alles Anleitungen zum Nacharbeiten anschauen und die Loom-Bands sind so flexibel einsetzbar, dass Mädchen, Jungs und auch Erwachsene tolle Sachen für sich gestalten können.

Digitale Medien stehen gerade bei Jugendlichen hoch im Kurs. Spürt man das auch bei den Spielwaren?

Kaiser: Auf jeden Fall. Digitale Medien gehören zu unserem Leben heute einfach dazu. Unsere Kinder werden heute ganz selbstverständlich als „Digital Natives“ damit groß. Für sie ist von daher ein Verschmelzen von realer und virtueller Welt in Spielen selbstverständlich und sie lieben dies auch sehr. Es passiert auch immer öfter, dass Spiele aus der virtuellen Welt in die reale Welt herüber kommen. So ist Minecraft bei den Kids total angesagt. Als Lego nun die Minecraft-Welt zum Nachbauen angeboten hat, waren meine Söhne sofort scharf darauf. So können sie nun Minecraft am Computer spielen und danach weiter in ihrem Kinderzimmer diese Welten nachbauen.

Werden Forscher- und Lernspiele tatsächlich stark nachtgefragt und warum?

Kaiser: Eltern finden es toll, wenn ihre Kinder beim Spielen direkt etwas lernen, so nach dem Motto, man kann gar nicht früh genug damit anfangen, die Kids auf die spätere Berufswelt vorzubereiten. Wenn diese auch aus Kinderaugen gut gemacht sind, dann spielen Kinder damit auch sehr gerne. Kinder suchen sich Spiele nach anderen Kriterien als Eltern aus. Für sie müssen sie vor allem cool sein, Abenteuer versprechen und Spaß machen. Wenn man dazu noch etwas lernen kann, ohne dass man es merkt, umso besser.

Kreativ sein und selber machen lautet ein weiterer Trend 2015. Worum geht es dabei genau?

Kaiser: Kinder haben einen starken Drang, sich kreativ auszudrücken. Sie lieben es, ihre Umwelt zu gestalten. Sie malen, machen Bügelperlenbilder, schneiden ihren Puppen die Haare und basteln aus Kartons Häuser und Autos. Es geht darum, den Kindern dazu Anregungen zu geben. Das kann ein myBoshi Häkelpaket zum Erstellen einer eigenen Mütze sein – mit Anleitung, Garn, Häkelnadel oder ein Paket mit allen Zutaten, um Seife selber herzustellen. Der Loom-Bands-Trend gehört im Übrigen auch dazu.

Mit welchem Spielzeug haben Sie als Kind gern gespielt?

Kaiser: Zu meiner Zeit war Barbie bei den Mädchen sehr hipp und ich erinnere mich genau, wie ich eine bekam, die damals ganz neu und revolutionär flexible gummiartige Arme hatte statt aus steifem Plastik zu sein, so dass man sie toll bewegen konnte. Ansonsten habe ich ein tolles Bastelbuch gehabt, das ich sehr geliebt habe, da es darin viele tolle Anregungen zum Basteln gab.

Trendforscherin

Gabriela Kaiser wurde 1969 in Frankfurt geboren, hat eine Ausbildung als Handelsassistentin bei Peek&Cloppenburg absolviert. Später studierte sie Textiltechnik mit Schwerpunkt Design und arbeitete ein paar Jahre als Strickmoden-Designerin. Dabei entwickelte sie bereits ihr Gespür für Trends. 2002 machte sie sich selbstständig und startete ihre Karriere als Trendscout und -beraterin. Seither zählen bekannte Unternehmen aus Industrie und Handel, Messen und Fachverlage zu ihren Kunden. Vor ein paar Jahren bekam sie die Anfrage, ob sie einen Trendvortrag auf der Spielwarenmesse halten würde. Da sie Mutter zweier Söhne ist, hat sie zugesagt und recherchiert seitdem auch in diesem Bereich. Sie gehört seit 2012 dem Trend Committee der Spielwarenmesse an. Text: Clk

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