WÜRZBURG

Frankenwein wird knapp

Die schlechteste Ernte seit 25 Jahren sorgt dafür, dass in Franken der Wein knapp wird. Nachdem die hiesigen Winzer im vergangenen Herbst Ertragseinbußen von durchschnittlich 25 Prozent hatten, geht vielerorts bereits jetzt der Jahrgang 2010 zur Neige. „Die Tanks sind leer“, sagt der fränkische Weinbaupräsident Artur Steinmann aus Sommerhausen (Lkr. Würzburg), „es herrscht gähnende Leere im Keller“. Der Engpass erstrecke sich über alle Rebsorten.

Werden nach einer normalen Lese in Franken rund 430 000 Hektoliter Wein abgefüllt, „so fehlen uns diesmal 100 000 Hektoliter“, so Steinmann. Die Knappheit führt dazu, dass viele Weingüter derzeit nur ihre Stammkunden bedienen. „In dem Maße hatten wir das noch nie“, sagt Norbert Weber (Vogtsburg/Kaiserstuhl), Präsident des Deutschen Weinbauverbandes. „1956 ist mal eine ganze Ernte erfroren, aber da war der Weinmarkt in Deutschland auch noch ein anderer.“

Auch Weingutsdirektor Michael Jansen vom Staatlichen Hofkeller in Würzburg sieht die Bestände schwinden: „Vor allem beim Müller-Thurgau und Bacchus könnte es gut sein, dass sie uns Mitte des Jahres ausgehen.“ Er berichtet davon, dass der Hofkeller sogar 48 Prozent Ernteeinbußen hatte. „Eng wird es auch im Rotweinbereich bei der Domina und dem Spätburgunder.“ Der Engpass wirkt sich mittlerweile auch auf den Preis aus: Die Kunden müssen mehr bezahlen, manche Winzer haben die Preise für ihre Produkte um bis zu zehn Prozent erhöht. Durchschnittlich sei in Deutschland zuletzt der Preis für eine 0,75-Liter-Flasche Wein um 30 Cent gestiegen.

Für Michael Schweinberger, Geschäftsführender Vorstand der Winzergemeinschaft Franken (GWF) in Kitzingen, ist es geradezu logisch, dass nach solch einer Ernte wie 2010 nun die Bestände eng werden. Damit die Privatkunden bedient werden können, wurde, so Schweinberger, vor allem das Geschäft mit Discountern „deutlich beschnitten“.

Noch allerdings herrsche kein Grund zur Panik aufgrund der Engpässe – weder bei Winzern, noch bei den Schoppenfetzern. Auch die Freunde der jetzt beginnenden fränkischen Weinfestsaison müssen sich keine Sorgen machen: „Auf den Gesamtkonsum hat die derzeitige Situation keinen Einfluss“, sagt Weber.

Die Winzer hoffen nun auf eine gute und ertragreiche Weinlese 2011, „damit wir vor Weihnachten die Lücke schließen können“. Wenn früh mit der Ernte begonnen werden kann, könnte der erste 2011er Wein schon Ende November in den Regalen sein. „Das wäre wichtig für das Weihnachtsgeschäft“, sagt Artur Steinmann, „November und Dezember gehören zu den umsatzträchtigsten Monaten für die Weinbaubetriebe“. Sollte es aber in diesem Herbst erneut eine schlechte Ernte geben, „wäre es schmerzlich“, so Steinmann. „Dann wird's richtig eng“.

Wein aus Franken

Die Rebsorte Müller-Thurgau wird in Franken mit 29,2 Prozent am meisten angebaut. Es folgen Silvaner (21,6), Bacchus (12,1) und Riesling (5,1). Die Anbaufläche: 6296 Hektar.

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