GELDERSHEIM/BERKELEY

Geldersheimer forschte neben Hawking

Dem Universum auf der Spur: Marcel Schmittfull forscht inzwischen in Berkeley. Promoviert hat der erfolgreichste „Jugend forscht“-Teilnehmer in Cambridge – Tür an Tür mit Stephen Hawking.
Foto: M. Schmittfull | Dem Universum auf der Spur: Marcel Schmittfull forscht inzwischen in Berkeley. Promoviert hat der erfolgreichste „Jugend forscht“-Teilnehmer in Cambridge – Tür an Tür mit Stephen Hawking.

„Eigentlich wollte ich nur Physik studieren“, sagt Marcel Schmittfull aus Geldersheim (Lkr. Schweinfurt). Nicht eben außergewöhnlich. Bei ihm aber führte es dazu, dass er an der britischen University of Cambridge in dem Fach promovierte – zwei Türen entfernt vom weltberühmten Astrophysiker Stephen Hawking. Seit Oktober 2013 arbeitet der dreifache Bundessieger von „Jugend forscht“ an der renommierten US-University of California in Berkeley, und erforscht die Entstehung des Universums.

Das Interview mit dieser Zeitung läuft über Internettelefonie und Webcam. Neun Stunden Zeitverschiebung liegen zwischen ihm und Würzburg. Während seine Familie in Unterfranken wohl ans Abendessen denkt, beginnt für Marcel Schmittfull gerade sein Arbeitstag. Er sitzt mit Kopfhörern vor seinem Laptop in der Cafeteria des Campus. Der 26-Jährige lacht über die als Truthähne verkleideten Studenten, die gerade vorbeilaufen, und schwärmt anschließend von dem Ausblick aus seinem Büro: Auf der einen Seite sehe er die Bucht, auf der anderen schaue er auf die Golden Gate Bridge von San Francisco.

Genau genommen schaut Schmittfull viel, viel weiter in die Ferne. Er blickt in die unendlichen Weiten des Alls, um zu verstehen, was vor knapp 14 Milliarden Jahren, kurz nach dem Urknall passiert ist und was genau es mit dunkler Energie auf sich hat: „70 Prozent des Universums bestehen daraus, aber wir verstehen sie nicht“, sagt er. Man weiß, dass sie existieren muss, weil das Universum sonst ganz anders aussehen müsste, als es mit den High-Tech-Teleskopen und Computern beobachtet werde.

Seine drei Siege im Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ hätten viel dazu beigetragen, dass er Wissenschaftler geworden ist, sagt er: „Die Arbeiten an den Projekten bei dem Wettbewerb sind schon sehr ähnlich zu der Arbeit hier.“ Man habe eine Idee, arbeite sich ein und setze es um. Er habe viel durch den Wettbewerb gelernt. Auch, dass Projekte mal schiefgehen können. Aber es seien immer Themen gewesen, die ihn interessiert hätten, sagt er. Seine Projekte bei Jugend forscht befassten sich mit der Visualisierung von Quantenmechanik, den physikalischen Vorgängen des Bauchredens und mit der Druckmessung innerhalb eines Schlauchs – ein Verfahren, das bei der Dialyse angewendet werden könnte. Bei seinem letzten Wettbewerb steckte er mitten in den Abiturprüfungen in Mathematik und Physik. Ironie der Geschichte: „Wegen Jugend forscht ist meine Physiknote schlecht ausgefallen“, sagt er. Geschadet hat es ihm trotzdem nicht. Nach dem Abitur studierte er zwei Jahre Mathematik und Physik in Tübingen, entschied sich dann, nur Physik zu studieren und wechselte an die Universität Heidelberg. Von dort aus wollte er für ein paar Semester an die britische Elite-Uni Cambridge, um dort seinen Masterabschluss zu machen. Dann erhielt er das Angebot dort zu promovieren und nahm an. Forschte in unmittelbarer Nachbarschaft von Stephen Hawking: „Ich war überrascht, wie oft er ins Büro kommt und, dass er oft bis spät abends arbeitet“, sagt er. Miteinander gearbeitet haben sie aber nicht, sagt Schmittfull. Sein Forschungsgebiet überschneide sich kaum mit Hawkings, sagt er.

Über das Promotionsangebot habe er allerdings etwas nachdenken müssen, sagt er. Schließlich habe das für ihn und seine Freundin eine mehrjährige Fernbeziehung bedeutet: „Eigentlich sind München und Cambridge nicht weit voneinander entfernt. Eine Stunde Flug und jeweils eine viertel Stunde zum Flughafen.“ Heute sind die beiden verheiratet und leben in der Nähe des Campus in Kalifornien. Mit seiner Familie in Schweinfurt telefoniere er regelmäßig, sagt er.

Marcel Schmittfull will noch mehr über den Urknall lernen, herausfinden, wie das Universum kurz danach ausgesehen hat, sagt er. Auch die dunkle Energie sei ein bislang ungelöstes Rätsel. Ein Vorbild oder einen Lieblingswissenschaftler habe er nicht sagt er. Das habe er sich schon in Cambridge abgewöhnt, sonst käme man sich immer so klein vor neben den vielen Genies. Und dann erzählt er eine Anekdote über James Watson: „Man sagt, er sei sicher gewesen, nie etwas Bahnbrechendes zu entdecken. Und dann entdeckten er und Francis Crick die Struktur der DNA und erhielten dafür den Nobelpreis.“

Der „Jugend forscht“-Regionalwettbewerb Unterfranken findet am Donnerstag, 20. Februar, zum 30. Mal statt. 136 Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren präsentieren im zentralen Seminar-und Hörsaalgebäude an der Würzburger Universität am Hubland, Zentrales Seminar-und Hörsaalgebäude, 80 Projekte. Am Freitag, 21. Februar, können sich Besucher ab 12.30 Uhr die Arbeiten der Jungforscher ansehen.

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