FRANKFURT/WÜRZBURG

Gewählt: Josef Schuster ist neuer Zentralrats-Präsident

Die Freude ist Josef Schuster (60) anzusehen: Der bisherige Vize ist am Sonntag in Frankfurt zum Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland gewählt worden. Der Arzt aus Würzburg tritt die Nachfolge von Dieter Graumann (64, Frankfurt) an, der sich aus privaten Gründen nicht mehr zur Wiederwahl stellte. Neue Vizepräsidenten sind Abraham Lehrer (Köln) und Mark Dainow (Offenbach). Blitzlichtgewitter von Fotografen und Kameraleuten, als Schuster um 17 Uhr mit seinen Stellvertretern im Ignatz-Bubis-Zentrum, dem Sitz der jüdischen Gemeinde in Frankfurt, zur Pressekonferenz erscheint und das erwartete Ergebnis der Wahlen verkündet. Einstimmig hätten die Gremien des Zentralrats ihre Entscheidungen getroffen, sagt Schuster auf Nachfrage. Und: Dem neunköpfigen Präsidium gehören erstmals vier Frauen an, „damit erfüllen wir die Frauenquote“.
Der neue Präsident kündigt an, er werde, „wann immer es notwendig ist“, öffentlich gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit Stellung beziehen, so wie er es bereits in der Vergangenheit getan habe, in der Beschneidungsdebatte oder als im Sommer bei Demonstrationen gegen die israelische Politik in Gaza judenfeindliche Parolen laut wurden.

Gleichzeitig wolle er im Sinne seines Vorgängers Graumann auch nach innen wirken, so Schuster weiter. Der Zentralrat werde die 108 Gemeinden in Deutschland bei der Jugend- und Bildungsarbeit unterstützen. Daneben gelte es, das Judentum in seiner ganzen Vielfalt und „Fröhlichkeit“ bekannter zu machen. Jüdisches Leben gebe es seit über 1700 Jahren in Deutschland, den Blick auf die Zeit von 1933 bis 1945 zu beschränken, sei zu wenig, auch wenn jeder Jude die Erinnerung an die Shaoa im Herzen trage.

Die jüdische Gemeinschaft sei ein Teil der Gesellschaft, erklärt Schuster. Der Zentralrat wolle auch künftig das Leben in Deutschland mitgestalten. Er sei „Dachverband“ für alle Gemeinden, für die traditionell ebenso wie für die liberal ausgerichteten. „Wir wollen aber nicht ein Dach sein, das irgendwo über den Gemeinden schwebt“, so Schuster weiter. Ein gutes Dach müsse mit dem Rest des Hauses gut verbunden sein. „Die Gemeinden bilden unser Fundament.“ Nur so sei man auch gegen „Unbill von außen“ geschützt.

Erste Glückwünsche zu seiner Wahl erreichen Schuster am Sonntagabend aus der Politik. Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) sagt, sie freue sich, dass ein Unterfranke, den sie seit vielen Jahren kenne und schätze, das Amt übernehme. Ministerpräsident Horst Seehofer würdigt in einer Erklärung die Weitsicht, die Integrationskraft und das organisatorische Geschick Schusters, das er seit 2002 als Präsident der jüdischen Gemeinden in Bayern bewiesen habe. Er rechne mit einer erfolgreichen Amtszeit. Der bayerische SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher nennt Schuster in einem Schreiben einen „Visionär für eine auf Respekt und Menschlichkeit basierende Zukunft“. Der Würzburger OB Christian Schuchardt drückte in einer Erklärung ebenfalls seine Anerkennung aus: „Ich schätze Dr.
Josef Schuster sehr und wünsche ihm eine erfolgreiche Amtszeit.“

Zu den Gratulanten zählen auch der Vorsitzende des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. Schuster hatte zuvor schon erwähnt, dass die beiden auch aus dem Freistaat kommen. Er sehe die christlichen Kirchen an seiner Seite, wenn es gelte, gegen Antisetismus und Fremdenfeindlichkeit vorzugehen.

An diesem Montag ist Josef Schuster derweil erst mal wieder in seiner Praxis auf der Würzburger Juliuspromenade gefragt. Seinen Beruf als Internist werde er weiter ausüben, Zentralratspräsident sei ein Ehrenamt, sagt er. „Das Bestellbuch in der Praxis ist für Montag gut gefüllt.“

Internetseite der jüdischen Gemeinde Würzburg und Unterfranken

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