WÜRZBURG

Hungerstreik im Würzburger Gefängnis ebbt ab

Nach klärenden Gesprächen mit der Anstaltsleitung hat ein Großteil der ursprünglich 72 Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Würzburg den Hungerstreik beendet.

„Ich bin guter Dinge, dass sich diese Entwicklung fortsetzt“, sagte Anstaltsleiter Robert Hutter am Donnerstag auf Anfrage. Lediglich 17 Häftlinge verweigerten nach elf Tagen noch immer das Essen.

Manche seien zu ihrem Schutz auf die Krankenstation verlegt worden. Nachdem man dort nicht rauchen darf, hätten einige dort ihre Teilnahme an der Protestaktion beendet. Einige Rädelsführer des Streiks wurden in andere Anstalten verlegt.

Die Häftlinge – vorwiegend Russlanddeutsche – hatten 15 Forderungen, mit denen sie Mängel kritisierten. Beispielsweise dürfen drogensüchtige Gefangene ihre Verwandten nur in einem Besucherraum gegenüber sitzen, in dem eine Trennscheibe verhindert, dass ihnen dabei Rauschgift übergeben wird. Dadurch seien gerade mit älteren Menschen Gespräche kaum möglich, weil man schlecht zu hören sei.

Hier ist die Justizvollzugsanstalt (JVA) bereits dabei, einen Raum so zu gestalten, dass die Verständigung besser möglich ist, ohne die Sicherheit aus dem Auge zu verlieren. Auch bei anderen Punkten gab es Zugeständnisse: Die Häftlinge sollen Kopfkissen statt Kopfkeile, bessere Decken und nichtreligiöse Literatur bekommen - aber kein Karl May, wie eine Zeitung mutmaßte.

In anderen Punkten blieb Hutter hart – gerade bei den Forderung nach dem Entfernen der Fliegengitter an den Fenstern oder Fernseh-Geräte, die Angehörige den Gefangenen bringen wollten.

Den Punkt hält die Anstaltsleitung für heikel. Denn in TV-Geräten könnten Drogen, Handy oder andere im Knast begehrte, aber verbotene Gegenstände versteckt und eingeschmuggelt werden. Diesen Punkt hat die Anstaltsleitung im Gespräch mit vier Gefangenensprechern ebenso abgelehnt wie das Entfernen der Fliegengitter, das den Gefangenen den unkontrollierten Austausch von Gegenständen oder Nachrichten von Zelle zu Zelle ermöglicht hat: „Pendeln“ heißt die Methode, bei der man Gegenstände an einer Schnur aus dem Fenster hängen lässt und von einer Zelle in eine daneben oder darunter liegende weiterreicht.

Der Streik war vor allem von Russlanddeutschen organisiert worden, die einen erheblichen Anteil der Gefangenen stellen. Nicht alle sollen sich freiwillig an dem Streik beteiligt haben, weiß Hutter. „Da herrscht ein großer Gruppendruck.“

Nach Auskunft des Justizministeriums stellen sie die größte Gruppe in den bayerischen Gefängnissen, 980 Häftlinge von 12.420 Gefangenen (Stand: 30. November 2011) kommen aus dieser Volksgruppe. In Würzburg stammen 15 Prozent der Inhaftierten aus der ehemaligen Sowjetunion. Sie bilden eine eigene Gruppe in den Haftanstalten, mit eigener Sprache, eigenen Anführern und einer festen einer Hackordnung.

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