Krimiautor Roman Rausch: "Die Leser muss man auf der Gefühlsebene kriegen"

Mit Leidenschaft Krimiautor: Roman Rausch weiß, mit welchen Mitteln man Spannung erzeugt.
Mit Spukgeistern kennt er sich aus: Krimischreiber Roman Rausch.
Foto: FOTO Daniel Peter | Mit Spukgeistern kennt er sich aus: Krimischreiber Roman Rausch.

Roman Rausch verbringt seine Zeit damit, zu überlegen, wen er mordet und wie er mordet. Der gebürtige Gerolzhöfer (Lkr. Schweinfurt) ist einer der profiliertesten deutschen Krimiautoren.

FRAGE: Sie sind Mainfranke, haben sich mit Würzburg-Krimis Ruhm erschrieben – leben aber nicht mehr in Franken, sondern in Berlin. Warum?

Roman Rausch: Es war einfach Zeit für einen Wechsel; auch, um meiner Kreativität einen neuen Schub zu geben. Aber verlassen habe ich Würzburg nicht wirklich. Die Stadt wird immer meine „homebase“ bleiben, wie man neudeutsch sagt.

Durch Kommissar Kilians Augen betrachtet ist Würzburg eine Stadt, in der Aberglaube, Katholizismus, Filz und Korruption regieren. Sehen Sie Würzburg auch so?

Rausch: Natürlich nicht! In einem belletristischen Werk sind naturgemäß gewisse Aspekte überzeichnet. Filz und Korruption gibt es in jeder Stadt, da bildet Würzburg keine Ausnahme. Wobei Würzburg schon herausragt, wenn man sich die Wirtschaftskriminalität anschaut ...

In Ihrem neuesten Kommissar-Kilian-Krimi „Der weiße Tod“ spukt eine „Weiße Frau“ im Maintal. Sind Spukgestalten denn typisch fränkisch?

Rausch: Mit diesen fränkischen Legenden bin ich tatsächlich aufgewachsen. Ich stamme ja vom Land, habe meine Kindheit auf einem Zehnthof bei Gerolzhofen verbracht. Bei einer Signierstunde in Üttingen vor einiger Zeit wurde ich von einem Leser auf die „Weiße Frau“ angesprochen. Da habe ich mich wieder an die Legenden erinnert und in der Folge ein Buch daraus gemacht.

Wie kamen Sie zum Krimischreiben?

Rausch: Ich wollte damals, Ende der 90er, die Würzburger Residenz in einem Buch verarbeiten. Das war mein Ausgangspunkt. Dass daraus dann ein Regionalkrimi wurde und nicht etwa ein Roman, war bis zu einem gewissen Maß Zufall.

Sie unterrichten Sie per Online-Kurs das Krimi-Schreiben. Wie erzeugen Krimi-Schreiber Spannung?

Rausch: Spannung entsteht, indem der Schreiber Neugier erzeugt. Neugier darauf, was passieren wird, Neugier darauf, wie es den Hauptfiguren ergehen wird...
 



Dem Schreiber muss es gelingen, die Leser auf der Gefühlsebene anzusprechen – sonst kriegt er sie nicht. Im besten Fall identifizieren sich die Leser mit den Hauptfiguren, mit ihren Ängsten, ihren Sorgen, ihrer Situation.

Sie haben ja, bevor Sie mit dem Krimischreiben anfingen, als Journalist gearbeitet, auch für diese Zeitung. Was hat Ihnen das schreiberisch gebracht?

Rausch: Viel! Vor allem, was Recherche betrifft. Ich erinnere mich an meinen damaligen Lokalchef, der mir einen Zettel mit einer hingekritzelten Telefonnummer in die Hand drückte und sagte: „Mach mal!“ Eine bessere Grundausbildung für einen Schriftsteller gibt es nicht.

Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?

Rausch: Ideen entstehen nicht einfach so. Der Idee geht die Wahrnehmung voraus. Jeder gute Schreiber, ob Schriftsteller oder Journalist, muss seine Sinne schärfen, sie auf Empfang stellen, muss sich darin schulen, überraschende Details wahrzunehmen. Das klingt vielleicht banal; bei meinen Kursen sehe ich aber oft, dass bei vielen Menschen diese Wahrnehmungsfähigkeit verkümmert ist.

Was ist Ihr persönlicher Lieblingskrimi?

Rausch: „Sternstunde der Mörder“ von Pavel Kohout.

Was vermissen Sie aus Würzburg?

Rausch: Vieles! Am meisten den Main. Und natürlich die Bratwürste und einen ordentlichen Wein.

Zur Person

Roman Rausch Der Gerolzhöfer (geboren 1961) studierte Medienwirtschaft und arbeitete als Journalist unter anderem auch für diese Zeitung, bevor er 1999 seinen ersten Kommissar-Kilian-Krimi „Tiepolos Fehler“ herausbrachte und dafür den Books on Demand-Autoren Award erhielt. Bislang hat Rausch sechs Krimis mit Kommissar Kilian geschrieben. Rausch arbeitet derzeit an einem historischen Roman, der in Würzburg spielt.

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