LOS ANGELES/ZELL

Lennarts Mathe-App weltweit konkurrenzlos

Mathe-App für Tablets und Smartphones: Lennart Kleinworts preisgekröntes Forschungsprojekt erleichtert Schülern und Lehrern den Zugang zur Mathematik.
Foto: Intel Deutschland | Mathe-App für Tablets und Smartphones: Lennart Kleinworts preisgekröntes Forschungsprojekt erleichtert Schülern und Lehrern den Zugang zur Mathematik.

Ein 15-jähriger Schüler aus Zell hat sich beim weltweit größten Wettbewerb für Nachwuchsforscher durchgesetzt: Lennart Kleinwort gewann mit seinem Forschungsprojekt einen der mit 50 000 US-Dollar dotierten Hauptpreise.

„Niemals habe ich damit gerechnet, hier überhaupt einen Preis zu gewinnen. Nach den Jurorengesprächen war ich sogar davon überzeugt, mit meinem Projekt in der falschen Kategorie angetreten zu sein“, sagte Lennart Kleinwort direkt nach der Preisverleihung, der weit mehr als 2500 Menschen in einer riesigen Halle in Los Angeles beiwohnten. Und weiter: „Umso toller ist es, jetzt mit dem Wahnsinnspreis ausgezeichnet worden zu sein.“

Nachdem er seinen Namen zum ersten von drei Mal während der Preisverleihung aus der Lautsprecheranlage hörte, rannte er beinahe nach vorn zur Bühne – beschleunigt von der Freude über den Erfolg, mit Mühe sein Sakko unter Kontrolle haltend. Anschließend setzte er sich wieder auf seinen Platz, in der festen Überzeugung: „Das wars. Super, immerhin einen Preis gewonnen. Mehr wird da nicht kommen“, sagte er im Anschluss. Doch er sollte noch zwei weitere Male aufgerufen werden – zu letzt dann, um als erster deutscher Vertreter überhaupt einen der beiden prestigeträchtigen, mit 50 000 US-Dollar dotierten Young Scientist Awards entgegenzunehmen.

Ein Asteroid mit Lennarts Namen

Lennart konnte als Bundessieger von Jugend forscht zusammen mit elf weiteren deutschen Jungforschern zur Intel ISEF (International Science and Engineering Fair), nach Los Angeles reisen. Die ISEF ist der weltgrößte Wettbewerb dieser Art und eine Art Vollversammlung des Forschernachwuchses: In diesem Jahr zeigten mehr als 1780 Schüler aus über 70 Ländern ihre Projekte und bewarben sich damit um die insgesamt mit gut 5 Millionen US-Dollar dotierten Preise. Lennart Kleinwort trat in der Fachkategorie Mathematik an und wurde in dieser als bester Teilnehmer ausgezeichnet. Dieser erste Platz bringt ihm noch eine weitere Ehrung mit ein: Astronomen einer amerikanischen Universität werden einen Asteroiden nach ihm benennen.

Und welcher unterfränkische Schüler kann schon von sich sagen, dass ihm der bayerische Kultusminister eine Gratulation entbietet? „Diese Auszeichnung ist ein ganz persönlicher Erfolg des Gymnasiasten“, erklärte Minister Ludwig Spaenle in einer Glückwunschadresse des Kultusministeriums vom Sonntag. Er zeige aber auch, „dass an den bayerischen Schulen das Interesse an den Fächern Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften intensiv gefördert wird“.

Der 15-jährige Lennart reiste mit seiner Mathe-App namens FreeGeo nach Los Angeles. Die Software läuft auf Smartphones und Tablets mit Googles Betriebssystem Android und stellt die Ergebnisse von Berechnungen grafisch dar. Der Anwender kann die Figuren per Fingerzeig auf dem Touchscreen manipulieren und im Freihandmodus Strecken, Kreise, Quadrate oder Rechtecke zeichnen. Gedacht ist die App als Ergänzung zum Mathe-Unterricht: Sie visualisiert ohne Aufwand die Berechnungen des Schülers und macht das Ergebnis so grafisch sofort nachvollziehbar. Auch Lehrer bedienen sich der App und können mit ihr die Resultate von Rechenwegen anschaulich grafisch darstellen.

Der Schüler, der in seiner Freizeit nicht nur vor dem Rechner klemmt, sondern auch Snowboard sowie Rad fährt und mit seinem Vater in die Kletterhalle geht, hat alle gängigen Funktionen aus Geometrie, Algebra, Statistik und Analysis in die Software gepackt. Vergleichbare kostenfreie Anwendungen, die einen ähnlich umfangreichen Leistungsumfang haben, gibt es Lennart zufolge bislang nicht. Das dürfte auch einer der Punkte sein, die die Juroren der Intel ISEF – durch die Bank promovierte Wissenschaftler, einige sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet – überzeugt hat: Lennart Kleinwort gibt Abermillionen von Schülern und Lehrern auf der ganzen Welt die Möglichkeit, sich auf anwenderfreundlichem Weg dem trockenen Thema Mathe zu nähern.

„Bevor ich mich ans Entwickeln der App gemacht habe, war ich nicht besonders gut in Mathe“, sagt der Schüler, der sich selbst als guten, aber nicht überragenden Schüler beschreibt. „Chemie beispielsweise macht mir kaum Spaß, da muss ich dann eher durch. Und ich habe in diesem Jahr auch schon Vieren in Exen nach Hause gebracht. Ausgerechnet in Mathe“, sagt Lennart.

Ohne die Motivation seines Mathelehrers am Friedrich-Koenig-Gymnasium, Studienrat Robert Strich, hätte Lennart die App nicht bei Jugend forscht eingereicht. „Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich die App so weit gebracht habe, dass ich damit zum Wettbewerb konnte“, erzählt der Schüler. Er fügt hinzu: „Herr Strich ist ein wirklich cooler Lehrer.“

Was Lennart mit seinen Preisgeldern machen will, weiß er noch nicht. „Der Hauptpreis ist meines Wissens nach ein Stipendium, das ich später sicher gut fürs Studium brauchen kann“, sagt er. Der Schüler sei aber schon in Kontakt mit Schulbuchverlagen, die mit seiner Software erzeugte Animationen in ihre digitalen Schulbücher integrieren wollen.

Jetzt will Lennart erst einmal nicht mehr an Forschungswettbewerben teilnehmen. Wenn man einmal Bundessieger bei Jugend forscht oder gar ISEF-Gewinner sei, könne es ja nur noch schlechter werden. „Irgendwie sollte man dann doch aufhören, wenn es am schönsten ist“, meint er.

Neben Lennart Kleinwort wurde ein weiterer Schüler aus Unterfranken in Los Angeles ausgezeichnet: Der 19-jährige Gabriel Salg aus Hösbach überzeugte mit seiner Arbeit in der Kategorie Chemie.

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