WÜRZBURG/KARLSTADT

Missbrauch: Pater vor Gericht

Weil er den Sohn seiner Haushälterin sexuell missbraucht haben soll, steht ein katholischer Ordensgeistlicher ab kommendem Dienstag vor dem Würzburger Landgericht.

13 Jahre lang war der Pater Pfarradministrator einer kleinen Gemeinde im Landkreis Main-Spessart. Die Mutter des mutmaßlichen Opfers, das heute 25 Jahre alt ist, war seine Haushälterin. Nachdem der Pater die Gemeinde Ende 2009 verlassen hatte, wurde er Seelsorger im Bistum Fulda und übernahm eine Gemeinde in Hessen.

Wie Oberstaatsanwalt Boris Raufeisen auf Anfrage erklärte, soll der katholische Priester das Kind zwischen 1991, als der Junge drei Jahre alt war, bis 1998 insgesamt 14 Mal sexuell missbraucht haben. Einige der mutmaßlichen Missbrauchshandlungen sollen im Pfarrhaus seiner Gemeinde stattgefunden haben.

Hier war der Ordensgeistliche geschätzt und beliebt. Bei seiner Verabschiedung hieß es, man müsse „einen Schatz loslassen“, mit dem Pater gehe „etwas Großartiges“ und „das Licht, das er zum Aufleuchten gebracht“ habe, brenne „in den Herzen“ der Gemeindemitglieder weiter.

Im März 2011 hatte sich der 58-Jährige dem Missbrauchsbeauftragten seines Ordens, Michael Ling, offenbart. „Der Mann war hier, hat seine Tat eingeräumt und uns ums Informieren der zuständigen Staatsanwaltschaft Würzburg gebeten“, erklärte Ling damals gegenüber der Presse. Der Pater sei freiwillig gekommen, es habe keine Anzeige gegen ihn bei der Anklagebehörde, dem Orden oder dem Bistum vorgelegen. Nach seiner Selbstanzeige wurde der Geistliche von seiner Aufgabe als Seelsorger seiner hessischen Gemeinde entbunden. Nach Recherchen der Redaktion lebt er heute in einem Kloster in Schwaben. Für den Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts sind drei Verhandlungstage angesetzt.

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Gisela Schmidt
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