WÜRZBURG

Missbrauchsskandal: Bistum weist Vorwürfe zurück

Bischof Friedhelm Hofmann: Das Bistum weist die Kritik an der Aufarbeitung des Falles von Pater Damian zurück.
Foto: Helmut Hussong | Bischof Friedhelm Hofmann: Das Bistum weist die Kritik an der Aufarbeitung des Falles von Pater Damian zurück.

Verärgert hat die Pressestelle der Diözese Würzburg auf den Beitrag dieser Zeitung über die Aufklärung des kirchlichen Missbrauchsskandals („Die Perspektive der Opfer“) vom 25. April reagiert. Darin haben Opfer von Pater Damian M. der Diözese Vertuschung und fehlendes Mitgefühl unterstellt. Der Pressesprecher der Diözese, Bernhard Schweßinger weist „diese Vorwürfe entschieden zurück“. Von einem „Schweigen des Ordinariats“ könne keine Rede sein. Die Pressestelle habe schriftlich und mündlich Fragen dieser Zeitung beantwortet.

Dazu stellt die Redaktion dieser Zeitung fest, dass die folgenden vier von neun Fragen unbeantwortet blieben: Ist es den Opfern von Damian M. möglich, Entschädigungsforderungen zu stellen? Wie viele kirchenrechtliche Verfahren wurden aufgrund von 2010 bekannten Missbrauchsfällen eingeleitet? Wie vielen Tätern wurde in diesen Verfahren Schuld nachgewiesen? Wie viele kirchenrechtliche Verfahren, die 2010 eingeleitet wurden, sind noch nicht abgeschlossen?

In dem Beitrag vom 25. April haben die Betroffenen kritisiert, dass ihnen die Diözese keine Entschädigung anbieten und sie nicht über den Fortgang des Verfahrens informieren würde. Außerdem werfen sie der Kirche vor, nicht aufzuklären, inwieweit sie an den Taten mitverantwortlich seien, weil sie Täter gedeckt habe.

Opfer will mit Bischof diskutieren

Ein Betroffener würde das in einem öffentlichen Gespräch gerne Bischof Hofmann verdeutlichen – und dafür auch seinen Namen publik machen. „Bischof Hofmann ist generell bereit, mit Opfern sexuellen Missbrauchs zu sprechen, wie er das auch schon mehrfach getan hat. Der seelsorgliche Charakter eines solchen Gesprächs fordert aber einen vertraulichen Rahmen“, heißt es dazu in der Stellungnahme des Ordinariats. Der Betroffene indes sagt: „Ich will keine Seelsorge, sondern dem Bischof erklären, warum ich mich als Opfer verhöhnt fühle, wenn er die Diözese Würzburg für die Bewältigung des Missbrauchsskandals lobt.“

Neu ist, was Pressesprecher Schweßinger außerdem berichtet: Der bevollmächtigte Diözesanrichter habe das kirchenrechtliche Verfahren des Paters „vor kurzem“ abgeschlossen. Nun müsse die Glaubenskongregation in Rom abschließend über das Ergebnis urteilen. Erst danach könne es veröffentlicht werden. „Sobald dieses Verfahren insgesamt abgeschlossen ist, wird eine gemeinsame Stellungnahme der Diözese und der Franziskaner-Minoriten erfolgen“, beschreibt Schweßinger den aktuellen Stand des seit drei Jahren laufenden kirchenrechtlichen Verfahrens des ehemaligen Diözesankaplans der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Schweßinger abschließend: „Den Vorwurf, dass die Diözese Würzburg den Fall Damian M. nicht aufkläre, weist die Diözese zurück. Ein solide durchgeführtes Rechtsverfahren benötigt die entsprechende Zeit, wie dies auch im staatlichen Bereich zu sehen ist.“

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