ROTTENDORF

Rottendorfer kämpfen gegen die Legionellen

Schnell gehandelt: In der Rottendorfer Wohnanlage werden die Warmwasserboiler ausgetauscht. Das Duschverbot wird wohl noch einige Wochen gelten.
Foto: Thomas Obermeier | Schnell gehandelt: In der Rottendorfer Wohnanlage werden die Warmwasserboiler ausgetauscht. Das Duschverbot wird wohl noch einige Wochen gelten.

Ein gravierender Fall von Legionellen ist in Rottendorf (Lkr. Würzburg) eingetreten: In einem Hochhaus mit 80 Wohneinheiten wurde bei einer Routine-Kontrolle eine extrem hohe Legionellen-Konzentration gemessen. Weil die in Rottendorf gemessene Konzentration bei 20 400 Kolonien bildenden Einheiten pro 100 Milliliter (KEB/100ml) lag, hat das Gesundheitsamt in Würzburg ein Duschverbot verhängt. So ist es Vorschrift, wird der Wert von 10 000 KEB überschritten. In Unterfranken ist das der bisher folgenreichste Legionellenfall.

Seit November 2011 müssen Eigentümer von Gebäuden, die bestimmte Kriterien erfüllen (siehe unten), ihre Wasserversorgung auf Legionellen untersuchen lassen und das Ergebnis dem zuständigen Gesundheitsamt melden. Unverzüglich nach Bekanntwerden der Kontamination haben in Rottendorf nun die Arbeiten begonnen. Zunächst werden die Warmwasserboiler ausgetauscht und durch neue ersetzt. Bis das Duschverbot aufgehoben wird, können allerdings noch Wochen vergehen.

Auch das Schweinfurter Gesundheitsamt musste Anfang des Jahres ein Duschverbot verhängen. Neun von bislang 25 vorliegenden Untersuchungen haben seit November 2011 mittlere bis hohe Kontaminationen ans Licht gebracht, so Dr. Werner Arnholdt, Leiter des Gesundheitsamts Schweinfurt. In einem Fall allerdings war das Ergebnis alarmierend: In einer Wohnanlage wurde eine extrem hohe Kontamination festgestellt, ein Duschverbot war unausweichlich. In diesem Fall sei die Wasserversorgung saniert und umgebaut worden, so Arnholdt. Der Eigentümer habe auf eine dezentrale Warmwasserversorgung umgerüstet. Dadurch sei das Haus nicht mehr auf einen Warmwasserboiler oder -behälter angewiesen. Und damit habe der Eigentümer eine der Hauptbrutstätten der Legionellen ausgemerzt. Keinerlei Duschverbote und bislang eher unauffällige Befunde – das ist hingegen der Tenor aus den übrigen Gesundheitsämtern in Unterfranken und dem Main-Tauber-Kreis.

Was aber tun, wenn einem als Mieter eine zu hohe Legionellen-Belastung ein Duschverbot beschert? „Je nach Dauer des Verbots hat der Mieter das Recht, die Miete zu mindern“, sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des Bayerischen Mieterbundes. Zudem sei ein Schadensersatz denkbar, falls eine Erkrankung durch die Legionellen zu gesundheitlichen Schäden führt. Auch eine Aufwandsentschädigung sei denkbar, falls man aufgrund des Verbots auf alternative Dusch-Möglichkeiten ausweichen muss, und dafür Fahrtkosten oder Eintrittsgeld für Bäder zahlen muss. Urteile zu derlei Haftungsfragen gibt es ihres Wissens bislang nicht. Dafür sei die Verordnung, wohl nicht lange genug in Kraft.

Legionellen

In Warmwasserleitungen entwickeln sich Legionellen besonders gut. Die Bakterien werden vor allem durch das Einatmen feinster Flüssigkeitstropfen in Duschen und Whirlpools auf den Menschen übertragen. Große Warmwasseranlagen sollen mindestens einmal am Tag auf 70 Grad hochgeheizt werden, da Legionellen bei 60 Grad absterben. Hochrechnungen gehen von bundesweit bis zu 35 000 Erkrankungen pro Jahr aus. Bis zu 15 Prozent der Betroffenen sterben.

Bis Oktober 2011 mussten nur Betreiber etwa von Schwimmbädern, Schulen und Krankenhäusern Legionellen-Tests vornehmen. Seitdem stehen auch gewerbliche Vermieter in der Pflicht. Beim Gesundheitsamt melden muss sich, wer eine Warmwasseranlage mit mehr als 400 Litern Volumen hat, oder wer Warmwasserleitungen hat mit mehr als drei Litern Inhalt zwischen Großboiler und Wasserhahn.

Bei einer Konzentration der Legionellen von über 100 Kolonien bildenden Einheiten pro 100 Milliliter Wasser (KBE/100ml), muss der Vermieter handeln. Eine Konzentration über 1000 KBE gilt als hohe, eine über 10 000 als extrem hohe Belastung. Der Vermieter muss Gesundheitsamt und Mieter über das Ergebnis informieren und für Abhilfe sorgen.

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