RENDSBURG/WÜRZBURG

Waldorf-Mitarbeiter klagt gegen fristlose Kündigung

Fristlos gekündigt wurde bereits am 23. September des vergangenen Jahres dem Geschäftsführer der Freien Waldorfschule im schleswig-holsteinischen Rendsburg-Eckernförde. Sein Amt dort angetreten hatte er am 1. November 2010. Vorher hatte er zwölf Jahre lang als Geschäftsführer den Verein der Freien Waldorfschule in Würzburg geleitet. Wie die Vorsitzende der Waldorfschule in Rendsburg, Yvonne Fahrig, bestätigte, hat die Schule den Mann entlassen, weil er im Verdacht stehe, Kontakt zur rechten Szene zu haben. Das allerdings bestreitet der Betroffene.

Rechte Propaganda verteilt?

Er soll auf einem Video von der Krönung der „Reichsbürger“ im Internet zu sehen gewesen sein. Der Film zeigte, wie sich Peter Fitzek am 16. September 2012 vor Hunderten Zuschauern in Wittenberg (Sachsen-Anhalt) zum „König von Deutschland“ krönen ließ. Fitzek gründete den Verein NeuDeutschland, dessen Ziel es ist, Deutschland in den Grenzen vom 31. Dezember 1937 wiederherzustellen und eine neue Verfassung zu schaffen. Fitzek wird vom Verfassungsschutz beobachtet.

Der gekündigte Angestellte soll zudem, so Fahrig, Thesenpapiere der Rechten an Kollegen verteilt und dem von Rechtsextremen gegründeten Deutschen Polizei Hilfswerk (DPHW) im März 2013 einen Versammlungsraum zur Verfügung gestellt haben. Zu seiner Verteidigung habe er lediglich angeführt, die politische Gesinnung der Gruppierung sei ihm nicht bekannt gewesen, so Fahrig.

Für eine Waldorfschule, erklärt die Vorsitzende, sei es „völlig inakzeptabel“, dass Angestellte mit der rechten Szene in Verbindung gebracht würden. Selbst wenn diese in ihrer Position gar keinen direkten Kontakt mit Schülern haben. Eng abgestimmt hat sich die Freie Waldorfschule Rendsburg bei ihrer Entscheidung zur Kündigung mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen Schleswig-Holstein und dem Bund der Freien Waldorfschulen.

Auf Nachfrage dieser Zeitung wiederholt der Betroffene, er habe von der rechtsradikalen Gesinnung der Gruppierungen nichts gewusst. Fitzeks Ideen von einer anderen Gestaltung der Gesellschaft hätten ihn interessiert, weil er darin ähnlich wie in der Waldorf-Bewegung das Bemühen um eine gerechtere, andere Gesellschaft erkannt habe. Daher habe er 2012 dort Tagungen besucht, „aber von rechtsradikalem Gedankengut nichts mitbekommen“. Da er „mit der Krönung und all dem“ nichts habe anfangen können, habe er das Ganze nicht weiterverfolgt.

„Mit Reichsbürgern nichts zu tun“

Die Vermietung des Raums an das DPHW sei ein davon völlig unabhängiger Vorgang gewesen. Hier sei er nur auf dringende Bitten eines Rendsburger Bürgers hin tätig geworden. „Ich kannte die Gruppierung nicht, konnte mir unter dem Namen nichts vorstellen und habe vorher wie hinterher nie Kontakt gehabt.“ Auch habe er nie Wurfzettel verteilt, sondern „drei Lehrern ein Informationsblatt mit verschiedenen Thesen gegeben, weil ich gerne mit ihnen aus einer Fragehaltung heraus darüber ins Gespräch kommen wollte. Mit Reichsbürgern oder der rechten Szene hatte ich nie etwas zu tun.“

Ende Januar vorm Arbeitsgericht

Weil er die fristlose Kündigung nicht akzeptiert, dahinter eher eine gezielte Verschwörung gegen sich vermutet – „aus schulinternen Gründen“ – klagt der Mann vor dem Arbeitsgericht in Kiel auf Wiedereinstellung. Schließlich sei alles zum Zeitpunkt der Kündigung schon über ein Jahr her gewesen. Termin der Verhandlung ist Ende Januar.

„Als wir davon erfuhren, waren wir sehr erschrocken“, erklärt zu den Vorfällen Katrin Stadtmüller, jetzige Geschäftsführerin der Würzburger Waldorfschule. Man habe sofort in Schule und Umfeld recherchiert, ob der frühere Mitarbeiter eventuell schon in Würzburg rechtsradikales Gedankengut verbreitet habe. „Wir haben bisher aber keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass es überhaupt ein Thema für ihn war“, so Stadtmüller. Obwohl es momentan in Würzburg also keinen Anlass zur Sorge gebe, schaue man trotzdem weiterhin sehr genau hin. „Solches Denken ist für mich überhaupt nicht zu akzeptieren“, sagt Stadtmüller.

Ob die Vorwürfe gegen den früheren Würzburger überhaupt gerechtfertigt sind, müssen nun die Gerichte klären.

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