WÜRZBURG

Warum Fladunger Maulaffen sind

Was haben die Bewohner Fladungens mit Maulaffen zu tun, weshalb werden die Marktheidenfelder Lorbser genannt und warum sind die Segnitzer Brodräusch? Fragen auf diese Antworten liefert das Buch „Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn – Ortsnecknamen in Unterfranken“.
Maulaffen: So werden die Bewohner Fladungens (Lkr. Rhön-Grabfeld) in Anspielung auf eine Sage bezeichnet. Auch die Würzburger Weinstube Maulaffenbäck schmückt sich mit dem Tier.
Foto: Theresa Müller | Maulaffen: So werden die Bewohner Fladungens (Lkr. Rhön-Grabfeld) in Anspielung auf eine Sage bezeichnet. Auch die Würzburger Weinstube Maulaffenbäck schmückt sich mit dem Tier.
Dafür haben Sprachwissenschaftler des Unterfränkischen Dialektinstituts an der Universität Würzburg über 500 Ortsnecknamen zusammengetragen. Herausgekommen ist eine Art regionales Wörterbuch, das am 4. Dezember in Würzburg vorgestellt wird.

„Es gab immer wieder Interesse in der Öffentlichkeit“, erklärt Monika Fritz Scheuplein vom Unterfränkischen Dialektinstitut über den Grund, ein 80-seitiges Buch mit Necknamen herauszugeben. Besonders zur Faschingszeit tauchen einige der neckischen Bezeichnungen immer wieder auf – zum Beispiel im Namen von Faschingsvereinen. Doch nur die Wenigsten können mit diesen Bezeichnungen etwas anfangen. Zudem veräppele man sich ja grundsätzlich gerne und auch das Thema Dialekt stoße auf großes Interesse, weil es Identität stifte.

  • In der Rubrik "Wördlich" stellt der Steinacher Frank Schmitt (Lkr. Bad Kissingen) wöchentlich ein Dialektwort vor - im Video

Die mundartlichen Necknamen im Buch bilden die erste größere Sammlung Unterfrankens: Erkenntnisse zum unterfränkischen Dialekt gibt es nämlich noch nicht lange. Das änderte sich erst zu Beginn der 90er Jahre, als das Forschungsprojekt Bayerischer Sprachatlas (BSA) ins Leben gerufen wurde. Ein Bestandteil davon ist der Sprachatlas von Unterfranken, kurz SUF.

Um alte Begriffe aus allen Teilen Unterfrankens zusammenzutragen, führten Forscher von 1991 bis 1996 für den SUF Dialekterhebungen in 179 Dörfern und Städten durch. Einige Fragen drehten sich auch um die mundartliche Benennung des Heimatorts und der Nachbarorte. Die Erkenntnis: Das Bedürfnis nach Necknamen ist groß.

Und diese Namen, mit denen sich die Bewohner der unterfränkischen Orte gegenseitig verspotten, kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen. Es gibt beispielsweise Vergleiche aus der Tierwelt, wie die „Alslebener Katzen“ (Lkr. Rhön-Grabfeld) oder die „Prosselsheimer Hummeln“ (Lkr. Würzburg). Manche Bezeichnungen beruhen dagegen auf Eigenschaften, wie „Halbfeine“ (Kirchheim, Lkr. Würzburg) und auch aus dem Bereich „Handlung“ gibt es scherzhafte Namen. So werden die Bad Kissinger bisweilen „Rakozybrunzer“ genannt oder die Euerdorfer „Bachbrunzer“ (Lkr. Bad Kissingen).

Wie diese Bezeichnungen entstanden sind und was sie mit den jeweiligen Orten zu tun haben, konnte nur in wenigen Fällen geklärt werden. Die Bewohner Fladungens (Lkr. Rhön-Grabfeld) etwa werden in Anspielung auf eine Sage als „Maulaffen“ bezeichnet. Demnach buken die belagerten Fladunger aus ihrem letzten Mehl eine Figur, den Maulaff. Diese stellten sie auf die Stadtmauer, was bei den Belagerern den Eindruck erweckte, die Fladunger müssten noch auf lange Zeit mit guter Nahrung versorgt sein.

Das Wort Lorbser dagegen bedeutet, dass Personen mit dieser Bezeichnung das „r“ nicht rollen können, wie etwa die Marktheidenfelder (Lkr. Main-Spessart), behaupten etwa die aus dem gleichen Landkreis stammenden Birkenfelder. Und „Brodräusch“ ist laut alter Überlieferungen eine Anspielung auf die Kargheit des Bodens in der Segnitzer Gemarkung (Lkr. Kitzingen) und auf das damit verbundene geringe Einkommen der Bürger einerseits sowie auf deren Trinkfestigkeit andererseits. Brot und Most waren die Hauptnahrungsmittel der alten Segnitzer. Noch heute werde zuweilen behauptet, man erkenne einen Segnitzer an der zusätzlichen Portion Brot, die er zu seinen Mahlzeiten verzehrt.

„Ich hoffe, dass das Buch Spaß macht und angenehm zu lesen ist“, sagt Monika Fritz Scheuplein. Auf große Resonanz dürfte das Werk auf jeden Fall stoßen: Obwohl das Buch schon längst fertig gestellt ist, erhält das Dialektinstitut immer wieder weitere Bezeichnungen aus allen Ecken Unterfrankens. Möglichen Neuauflagen dürfte so schnell nicht der Stoff ausgehen.

Weitere Informationen: Am Dienstag, 4. Dezember, stellen die Wissenschaftler ihr Werk ab 18.30 Uhr in der Buchhandlung Schöningh im Mensagebäude am Hubland-Campus in Würzburg vor. Das Buch „Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn. Ortsnecknamen in Unterfranken“ ist im Verlag Königshausen & Neumann erschienen und kostet 9,80 Euro.

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