WÜRZBURG

Zehn Kilo Heroin im Gummibärchen-Lkw

Weil sie in einem Sattelschlepper voller Gummibären zehn Kilo Heroin versteckt haben sollen, stehen ein 33-jähriger Kraftfahrer und ein 32-jähriger Koch vor dem Würzburger Landgericht. Am ersten Prozesstag einigten sich ihre Verteidiger, die Staatsanwaltschaft und das Gericht auf einen „Deal“.

Die beiden Bulgaren waren auf dem Weg in die Niederlande, als sie im Juni am Rasthof Würzburg Nord von Spezialeinheiten der Polizei festgenommen wurden. Der Grund: Der 33-jährige Kraftfahrer soll in seinem Lkw zwischen der offiziellen Gummibärchen-Ladung fast zehn Kilo Heroin mit hohem Reinheitsgehalt, verpackt in 22 Tüten, versteckt haben. Sein 32-jähriger Landsmann soll dem Sattelschlepper mit einem Pkw quasi als „Kontrolleur“ gefolgt sein. Im Auto des Kochs fand die Polizei laut Anklage exakt jene Anzahl von Gummibären-Tüten, die im Lkw gegen die Heroin-Päckchen ausgetauscht worden waren. Wie der Staatsanwaltschaft im Prozess sagte, handelte es sich bei dem Fund um „eine der größten Heroin-Sicherstellungen, die in Bayern gemacht wurden“.

Die Verhandlung vor der Fünften Strafkammer des Würzburger Landgerichts scheint ein kurzer Prozess zu werden. Sofort nach Verlesen der Anklage trafen sich Staatsanwalt, Verteidiger und die Berufsrichter zu langen, vom Bundesgerichtshof erlaubten, „verfahrensabkürzenden Gesprächen“ hinter verschlossenen Türen.

Danach gab der Vorsitzende Richter das Ergebnis der Unterredung bekannt: Für den Fall, dass die Männer Geständnisse ablegen, garantiert die Kammer dem Kraftfahrer eine Freiheitsstrafe zwischen neuneinhalb und elfeinhalb Jahren und dem Koch eine zwischen achteinhalb und zehneinhalb Jahren.

In der Regel werden ausländische Verurteilte in ihre Heimatländer abgeschoben, wenn sie die Hälfte der Freiheitsstrafe, zu der sie in Deutschland verurteilt wurden, in einem deutschen Gefängnis abgesessen haben. Im Fall der beiden Bulgaren betonte der Staatsanwalt, es sei für ihn ohne Belang, ob sie bereits die Hälfte ihrer Strafe verbüßt hätten, bevor sie nach Bulgarien abgeschoben werden.

Das war den beiden Männern wichtig. Sie sitzen seit einem halben Jahr ohne Besuch von ihren Familien in deutschen Justizvollzugsanstalten in Untersuchungshaft und hoffen nun auf eine baldige Abschiebung in ihre Heimat.

Für kommenden Donnerstag haben die Anwälte der Angeklagten Geständnisse ihrer Mandanten angekündigt. Wahrscheinlich wird am selben Tag das Urteil verkündet.

Weitere Artikel
Themen & Autoren
Gisela Schmidt
Bundesgerichtshof
Heroin
Kraftfahrer
Sattelschlepper
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)