Bamberg

In Bamberg geht eine kulturelle Ära zu Ende

Dr. Regina Hanemann hat die Bamberger Kulturszene 22 Jahre lang entscheidend mitgeprägt.
Foto: Marion Krüger-Hundrup | Dr. Regina Hanemann hat die Bamberger Kulturszene 22 Jahre lang entscheidend mitgeprägt.

Sie kann ihrer Nachfolgerin Kristin Knebel ein gut bestelltes Haus übergeben: "Ich bin durchaus ein wenig stolz auf das Geschaffene", bekennt Regina Hanemann im Gespräch mit dieser Redaktion. 22 Jahre lang stand die promovierte Kunsthistorikerin an der Spitze der drei Museen der Stadt Bamberg: dem "Hauptanker" Historisches Museum in der Alten Hofhaltung, der Sammlung Ludwig im Alten Rathaus und der Stadtgalerie Villa Dessauer in der Hainstraße. Am 31. Dezember endet diese Ära. Museumsdirektorin Hanemann, die im Januar 65 Jahre alt wird, geht in den Ruhestand.

Nicht alle Pläne konnte Regina Hanemann erledigen

"Die Kunstobjekte in den Museen gehören allen Bürgern von Bamberg", betont Regina Hanemann. Sie heftet sich auch die erfolgreichen drei neuen Dauerausstellungen im Historischen Museum, die Landesausstellung 2002 oder die etwa 150 Sonderausstellungen, den Ausbau der Sammlung Ludwig und die Einrichtung eines klima- und sicherheitstechnisch ausgereiften Depots nicht allein ans Revers. "Ohne mein tolles Team wäre ich aufgeschmissen gewesen", lobt die Museumschefin ihre zwölf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auf acht Vollzeit-Arbeitsstellen, die sie nie hängen ließen.

Anders sah es mit der Unterstützung durch die Stadt Bamberg aus: "Alle Kultureinrichtungen haben es schwer. Es liegt wohl weniger am Geld, als daran, dass sie keine Lobby haben", vermutet Hanemann und nennt als Beispiel ihren "unerledigten Plan", in Bamberg ein komplett neues Museumshaus mit zeitgemäßer technischer Ausstattung zu bauen. Zumal die Alte Hofhaltung "absolut nicht gemacht ist für ein Museum" und gerade moderne Kunst eine "eigene Black Box bräuchte". Weitgehend "unerledigt" sei auch integrative Arbeit geblieben, bedauert sie. Zu gern hätte sie diese Arbeitsform mit mehr jungen Leuten, mit Flüchtlingen oder Demenzkranken geleistet.

Im Ruhestand möchte sie Museen im Norden besuchen

Regina Hanemann stammt aus dem Münchner Raum. Sie studierte dort und in Bamberg Kunstgeschichte, Volkskunde und Mittelalterarchäologie. Berufliche Stationen waren die Uni Bamberg, die Schlösserverwaltung in Berlin und das Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim. "Die treibende Kraft für meine Bewerbung in Bamberg war schließlich mein Ehemann", lächelt die scheidende Museumsdirektorin, die nach eigenen Worten "in Süddeutschland sehr verwurzelt ist".

Gleichwohl wird es sie im kommenden Ruhestand wohl in den Norden ziehen, zu Museen im norwegischen Oslo oder niederländischen Rotterdam: "Die kenne ich noch nicht", plaudert Hanemann über lose Pläne wie eben Besuche von neuen oder unbekannteren Museen, aber auch von Freunden. Bleiben wird dieser humorvollen, taffen Frau ebenso die Musik: Regina Hanemann besucht gern Konzerte der Bamberger Symphoniker und spielt selbst Bariton-Horn im Posaunenchor der Erlösergemeinde sowie in der Bigband der städtischen Musikschule. "Langweilig wird es mir nicht werden", sagt sie lachend und verweist auf ein weiteres Steckenpferd: Das Lesen, ja das "nächtelange Verschlingen" von anspruchsvoller Belletristik wie zum Beispiel Werken von Literaturpreisträgern.

Zeichnungen, Grafiken und Fotos von Paul Maar

Doch bevor Regina Hanemann den Stab an ihre Nachfolgerin übergibt, macht sie den Bambergern und Touristen noch Abschiedsgeschenke in Gestalt von zwei Sonderausstellungen und zwei Büchern. Am Sonntag, 28. November, wird im Historischen Museum die Weihnachtsausstellung eröffnet mit dem sinnigen Titel "Geschenkt! Geschenke aus 22 Jahren an die Museen der Stadt Bamberg". Am 19. Dezember startet in der Villa Dessauer der zauberhafte Rundgang durch das künstlerische Schaffen des Illustrators, Kinder- und Jugendbuchautors Paul Maar: "Mehr als das Sams" heißt diese Präsentation von Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien.

Zwei weitere Herzensprojekte konnte Hanemann in diesen Tagen abschließen: einen knapp 350-Seiten starken, reich bebilderten "Katalog der niederländischen Gemälde der Museen der Stadt Bamberg" und in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Stadtarchivs Bamberg, Horst Gehringer, ein Buch über das jüdische Bamberg. Es heißt "Rückspiegel. Die Lebenserinnerungen der Margot Herrmann. Eine Bambergerin aus der jüdischen Bankiersfamilie Wassermann". Dieser 116-Seiten-Band ist ein Beitrag der Stadt Bamberg zum Jubiläum "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland".

Mehr im Netz unter: www.museum.bamberg.de

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