STETTFELD

Geisterfahrerin war aus der Psychiatrie geflohen

Die 31-jährige Frau, die am 30. Dezember auf der Maintal-Autobahn bei Stettfeld (Lkr. Haßberge) als Geisterfahrerin einen Unfall mit drei Toten und mehreren Verletzten verursacht hat, war drei Stunden zuvor aus der geschlossenen Abteilung des psychiatrischen Krankenhauses Werneck entwichen.

Unfall mit Geisterfahrer - drei Tote
Foto: A3462 Marcus Führer (dpa)
Der Berufsbetreuer der ledigen Frau aus dem Raum Ebern hatte wegen der psychischen Erkrankung der Frau beim Amtsgericht Haßfurt die dauernde Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt beantragt. Das Gericht habe die Unterbringung aufgrund eines medizinischen Gutachtens genehmigt, teilte Reinhard Pfingstl, der Direktor des Amtsgerichts Haßfurt, mit.

Am 30. Dezember bekam die Frau in der Psychiatrie von Schloss Werneck, einer Klinik des Bezirks Unterfranken, von mehreren Verwandten Besuch. Dies berichtete der Pressesprecher des Bezirks, Markus Mauritz. Die diensthabende Ärztin habe auf Wunsch die Erlaubnis erteilt, dass die Frau in Begleitung ihrer Angehörigen eine Stunde sich im von einer Mauer umgrenzten Schlosspark die Beine vertreten durfte.

Diese Praxis sei in Werneck durchaus üblich und in der so genannten „Ausgangsregelung Park“ niedergelegt, erklärte Mauritz. Die Verwandten seien von der Ärztin aber ausdrücklich darauf hingewiesen worden, nicht mit der Patientin das Klinik-Gelände zu verlassen. Außerdem sei die Frau nicht in der forensischen Abteilung untergebracht gewesen, wo ausschließlich Straftäter mit psychiatrischen Erkrankungen einsitzen, sondern zwar als schwer krank, aber nicht gemeingefährlich eingestuft in einer normalen geschlossenen Abteilung.

Trotz des Verbots habe die Gruppe sofort das Schloss-Gelände verlassen, um in Werneck zu einer Gaststätte zu fahren, so Mauritz. Dort habe die Patientin unter dem Vorwand, ihre Zigaretten im Auto vergessen zu haben, den Schlüssel für den BMW ihrer Schwester erlangt und sei weggefahren. Als die Ärztin gemerkt habe, dass die Patientin fehlt, habe sie sofort versucht, über Handy mit der Frau Kontakt aufzunehmen, betont Mauritz. Dies sei aber fehlgeschlagen, deshalb habe die Klinik umgehend die Polizei verständigt.

Etwa drei Stunden später ist die kranke Frau – wie berichtet – auf der A 70 im Bereich von Eltmann aufgetaucht, als sie mit hoher Geschwindigkeit auf der falschen Fahrbahn in Richtung Bamberg raste. Nach zwei kleineren Unfällen mit dem Begegnungsverkehr, die noch glimpflich ausgingen, prallte sie in einer lang gezogenen Kurve bei Stettfeld frontal auf das Auto einer amerikanischen Familie. Die Geisterfahrerin und das Ehepaar waren auf der Stelle tot, die acht Monate alte Tochter des Ehepaares und ein weiteres Ehepaar in einem nachfolgenden Auto wurden schwer verletzt.

Unfall mit Geisterfahrer - drei Tote       -  Ein Fotograf macht am Sonntag (30.12.2007) von einem Feuerwehrfahrzeug herunter Aufnahmen von einem ausgebrannten PKW. In diesem Fahrzeug, das als Geisterfahrer unterwegs war, ist ein Menschen auf der A70 bei Eltmann (Oberfranken) ums Leben gekommen. Drei Menschen sind bei dem Unfall ums Leben gekommen. Die Geisterfahrerin war nach Angaben der Polizei auf der Überholspur der A 70 (Bayreuth - Schweinfurt) mit hoher Geschwindigkeit frontal mit dem Auto einer Familie aus den USA zusammengeprallt. In dem Wagen starben zwei Personen.  Foto: Marcus Führer dpa/lby +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: A3462 Marcus Führer (dpa) | Ein Fotograf macht am Sonntag (30.12.2007) von einem Feuerwehrfahrzeug herunter Aufnahmen von einem ausgebrannten PKW.

Die Staatsanwaltschaft Bamberg nahm bereits noch an der Unfallstelle Ermittlungen auf, die nun ausgeweitet werden. Im Raum steht auch eine mögliche Verletzung der Aufsichtspflicht im Bezirkskrankenhaus Werneck, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Petrat.

Beim Bezirk bemüht man sich indessen, in Werneck Maßnahmen zu ergreifen, dass „so etwas nicht mehr passieren kann“. Man befinde sich hier aber noch im „Willensbildungsprozess“, sagte Pressesprecher Markus Mauritz.

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