Haßfurt

„Ich habe keinen typischen Arbeitsalltag“

Markus Englert arbeitet als Maschinenbauingenieur und verdient 4800 Euro brutto im Monat. Der ehrgeizige 29-Jährige liebt Herausforderungen und kennt nur den Weg nach oben.
In unserer Serie „Was würdest Du tun?“ stellen wir Menschen aus der Region und ihre Berufe vor. Heute berichtet ein Maschinenbauingenieur über seinen Job, in dem er viel mit Technik, aber eben auch mit Menschen zu tun hat.
Foto: demaerre | In unserer Serie „Was würdest Du tun?“ stellen wir Menschen aus der Region und ihre Berufe vor. Heute berichtet ein Maschinenbauingenieur über seinen Job, in dem er viel mit Technik, aber eben auch mit Menschen zu ...

In unserer Serie „Was würdest du tun?“ stellen wir regelmäßig Menschen aus dem Landkreis Haßberge vor, die erzählen, wie sie arbeiten, was sie verdienen und was sie tun würden, wenn sie nicht arbeiten müssten. Hier berichtet der 29-jährige Markus Englert.

Mein Job

Beruf: Ich arbeite als Ingenieur im Projektmanagement eines globalen Industrieunternehmens, das Haushaltsgeräte herstellt. Mein Arbeitsbereich umfasst die Entwicklung neuer Konzepte, der Einsatz von Software und künstlicher Intelligenz spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Darüber hinaus gilt es zu beobachten, mit welchen Neuheiten die Konkurrenz auf sich aufmerksam machen will. Es ist wirklich wichtig, Trends nicht zu verschlafen und auf die Wünsche der Kunden zielgenau einzugehen.

Nachdem ich eine Idee für eine Neu- oder Weiterentwicklung habe, geht es an die Datensammlung. Ich muss herausfinden, worauf es bei der Entwicklung einer Software ankommt. Auf dieser Basis erstelle ich eine vorläufige Software, die verschiedenen Tests unterzogen wird. Besteht die Software die Tests, definiere ich das konkrete Produkt. Nach weiteren Labortests und Gesprächen mit potenziellen Kunden übergebe ich die Produktidee an unsere eigentliche Entwicklung.

Dass ich keinen typischen Arbeitsalltag habe, gefällt mir besonders an meinem Beruf. Ebenso schätze ich, dass viel Verantwortung trage, aber zugleich mein Chef mir viel Freiheit zugesteht. In meinem Unternehmen herrschen flache Hierarchien, das Vertrauensverhältnis ist super. Ich habe das Gefühl, geschätzt zu werden – meine Vorgesetzten sind bemüht, auf meine Bedürfnisse einzugehen.

"Eine schnellere und effizientere Arbeitsweise wäre wünschenswert"
Markus Englert, Maschinenbauingenieur

Lang andauernde Entscheidungsprozesse sind das Einzige, was mich stört. Es braucht manchmal ewig, um im Team Probleme zu lösen. Eine schnellere und effizientere Arbeitsweise wäre wünschenswert.

Aktuell absolviere ich einen berufsbegleitenden Management-Masterstudiengang (MBA). Nach meinem MBA strebe ich eine Managerposition an, ich will auf jeden Fall auf der Karriereleiter weiter nach oben klettern.

Ausbildung: Ich studierte Maschinenbau im Bachelorstudiengang an der FH in Schweinfurt. Da ich mich für die Themen in meinem Studium begeistern konnte, fiel mir das Lernen sehr leicht.

Meinen Kindheitstraum, Hubschrauberpilot zu werden, verwarf ich irgendwann. Mein Vater arbeitet in der Industrie, so kam ich auf Maschinenbau. Durch Ferienjobs und spätestens durch mein Pflichtpraktikum vor dem Studium wurde mir klar, dass Maschinenbau das Richtige für mich ist.

Berufsentscheidung: Ich bin lange Zeit davon ausgegangen, dass ich mal in der Automobilbranche lande – schließlich ist Schweinfurt eine Stadt mit vielen Automobilzulieferern. Als ich an einem Industrieprojekt im letzten Semester meines Studiums teilnahm, stieß ich auf meine jetzige Firma. Ich gab eine Initiativbewerbung ab, wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielt eine Zusage.

Tipps: Bei der Auswahl eines technischen Studiums sollte sich jeder bewusst machen, was sie oder er will: Interessiere ich mich für die großen Zusammenhänge oder liebe ich es, mich in Details vertiefen? Brenne ich für IT, Elektrotechnik oder Maschinenbau? Ein technisches Grundverständnis und analytisches Denken sollte man auf jeden Fall mitbringen. Praktika können bei der Entscheidungsfindung helfen – der Mehrwert ist aus meiner Sicht aber eher begrenzt.

Wöchentliche Arbeitszeit: Ich habe auf dem Papier eine 35-Stunden-Woche, wobei ich etwa zehn Überstunden wöchentlich ableiste. Bei Gleitzeit arbeite ich meistens von 8 Uhr bis etwa 17.30 Uhr. Für mein Studium fahre ich jedes zweite Wochenende nach Frankfurt und besuche Vorlesungen.

"Ich gehe gerne auf die Arbeit und liebe die Herausforderung"
Markus Englert, Maschinenbauingenieur

Bedingungsloses Grundeinkommen: Wenn ich bedingungslos 1500 Euro im Monat erhalten würde, würde ich nichts in meinem Leben ändern. In meinem Leben sind mir vor allem drei Dinge wichtig: Familie/Freunde, meine Freundin und die Arbeit. Solange die Balance zwischen diesen Säulen stimmt, sehe ich keinen Grund, etwas zu ändern. Ich gehe gerne auf die Arbeit und liebe die Herausforderung.

Ich bin der Auffassung, dass diejenigen, die arbeiten, in jedem Fall mehr Geld bekommen sollten als diejenigen, die nicht arbeiten. Beim Thema Grundeinkommen kann ich mir kein abschließendes Urteil bilden – möglicherweise wäre es erstmal sinnvoller, unterbezahlte Berufe punktuell besserzustellen und vor allem die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen endlich durchzusetzen. Gegen wissenschaftliche Studien, die ein Grundeinkommen testen wollen, hätte ich jedoch nichts einzuwenden.

Meine Einnahmen

Bruttoeinkommen: Ich verdiene aktuell circa 4800 Euro brutto im Monat.

Nettoeinkommen: Netto erhalte ich 2700 Euro. Der Nettobetrag aus Weihnachts- und Urlaubsgeld beträgt insgesamt etwa 3510 Euro. Mein Unternehmen befindet sich im Tarifvertrag der IG Metall.

Meine Ausgaben

Wohnkosten: Ich teile mir mit meiner Freundin eine 82-Quadratmeter-Wohnung. Ich zahle 620 Euro, sie 200 Euro, weil sie noch studiert.

Lebensmittel: Für Lebensmittel, kleinere Haushaltsanschaffungen und Hygieneartikel geben wir insgesamt etwa 400 Euro aus. Mein Anteil daran beträgt 250 Euro.

Handy und Internet: 20 Euro entfallen auf meinen Handyvertrag, 35 Euro zahle ich für Internet und Festnetzanschluss.

Mobilität: Ich gebe 150 Euro für Benzin aus. Die Kfz-Steuer und die Auto-Versicherung übernehmen meine Eltern.

Versicherungen: Für meine Berufsunfähigkeitsversicherung zahle ich 31 Euro im Monat, auf meine Hausrat- sowie Sach- und Haftpflichtversicherung entfallen insgesamt 235 Euro im Jahr. Meine Rechtsschutzversicherung schlägt mit 100 Euro im Jahr zu Buche.

Kleidung und Körperpflege: Kleidung kaufe ich mir circa in Wert von 160 Euro im Monat.

Freizeit: Insgesamt gebe ich für Freizeitaktivitäten etwa 650 Euro monatlich aus: Darunter fallen Friseur- und Restaurantbesuche, der Urlaub, Footballspiele, Bar- und Discobesuche oder Eis essen.

So viel bleibt am Ende übrig

Am Ende des Monats bleiben mir ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld 756 Euro. Das Geld spare ich für ein eigenes Haus.

"Was würdest Du tun?"
In unserer kleinen Serie befragt Felix Schwarz Menschen aus der Region, für welches Geld und unter welchen Umständen sie arbeiten und was sie tun würden, wenn sie nicht auf diese Art des Broterwerbs angewiesen wären.
Die Befragten bleiben auf Wunsch anonym, der Redaktion liegen aber die Namen und Adressen vor.
In Teil eins der Serie kam eine Augenoptikerin zu Wort, in Teil zwei hat sich unser Reporter mit einer Ergotherapeutin unterhalten. Dieser folgten die Leiterin eines Kindergartens und ein Zerspanungsmechaniker, ein Polizist, ein Verwaltungsbeamter, ein Mechatroniker, ein Sozialpädagoge, eine Produktdesignerin und eine Einzelhandelskauffrau. Im zwölften Teil hat sich Felix Schwarz mit einem Maschinenbauingenieur getroffen.

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