Haßfurt

Warum steht im Haßfurter Stadtlabor der Mensch im Mittelpunkt

Im Rahmen des Projekts Smart Green City eröffnet die Kreisstadt für ihre Bürger bald ein Stadtlabor als Experimentierort und Begegnungsstätte für Digitalisierungsfragen.
Wie kann Haßfurt innovativer und digitaler vernetzt werden? Das ist eine der Fragen, die im Rahmen des Projekts Smart Green City beantwortet werden sollen. Interessierte Bürger können sich bald über solche Themen im Stadtlabor informieren.
Foto: Illustration Jutta Glöckner | Wie kann Haßfurt innovativer und digitaler vernetzt werden? Das ist eine der Fragen, die im Rahmen des Projekts Smart Green City beantwortet werden sollen.

Im Mittelpunkt der Haßfurter Digitalisierungsstrategie steht der Mensch. Klingt zunächst etwas seltsam, darauf fußt jedoch die gesamte Smart-Green-City-Initiative der Kreisstadt. Aber, mal Hand aufs Herz: Wer weiß schon wirklich ganz genau, was es mit Smart City und Smart Green City auf sich hat, oder welchem Zweck das gleichnamige Pilotprojekt dient, für das die Stadt Haßfurt einen siebenstelligen Zuschuss vom Bundesinnenministerium bekommt? Um hier Licht ins Dunkel zu bringen und sicher reichlich vorhandene Fragen zu beantworten, wird wohl noch im ersten Quartal des noch jungen Jahres mitten in der Innenstadt der Kreisstadt - in der Hauptstraße 7, alteingesessenen Haßfurtern sei gesagt, dass es sich hier um das frühere Geschäft Haushaltswaren Wagenhäuser handelt - ein sogenanntes Stadtlabor eröffnet, in dem sich jeder Bürger erschöpfend informieren kann.

Die Vorbereitungen für die Eröffnung des Haßfurter Stadtlabors im Zeichen des Pilotprojektes von Smart Green City laufen auf Hochtouren. CDO Madlen Müller-Wuttke, Christine Reinders und CTO Diethard Sahlender (von links) freuen sich schon auf interessierte Bürger.
Foto: Wolfgang Sandler | Die Vorbereitungen für die Eröffnung des Haßfurter Stadtlabors im Zeichen des Pilotprojektes von Smart Green City laufen auf Hochtouren.

"Eine Art Begegnungsstätte für Offliner", soll es sein. Madlen Müller-Wuttke schmunzelt. Sie ist die Chefin der Haßfurter Digitalisierung. Neudeutsch heißt das CDO, Chief Digital Officer, bedeutet aber nichts anderes, als dass es sich bei ihr um den "Schlüsselspieler" der Stadt bei der digitalen Transformation handelt. Verstanden? Nein? Dann kann das Stadtlabor auf jeden Fall weiterhelfen. Fragen wie "Was ist Digitalisierung?" und "Wozu brauchen wir sie?", "Welchen Vorteil bringt sie den Menschen?" können vor Ort gestellt werden und Madlen Müller-Wuttke und ihre Kollegen helfen dabei gerne. Bislang sind noch Diethard Sahlender und Christine Reinders mit an Bord, weitere Mitstreiter werden gerade per Ausschreibung gesucht.

Zulieferer mit Terminproblemen

Aber, wie könnte es zu Coronazeiten anders sein, die wissensdurstigen Digitalbürger in spe müssen sich noch etwas gedulden. Es hätte zwar ohnehin noch ein bisschen gedauert, bis das Stadtlabor in medias res wird gehen können. Aber derzeit sind sowieso alle derartigen Einrichtungen geschlossen. Allerdings könnte es März werden, bis das Startsignal ertönt, denn aufgrund von Corona haben einige Zulieferer mit einem Terminproblem zu kämpfen.

In entspannter Atmosphäre informieren

Wenn es dann aber richtig losgeht, ist das Stadtlabor - direkt neben dem Rathaus gelegen - als Experimentierort und Begegnungsstätte für Digitalisierungsfragen und Ideen für die Bürger geplant. Im direkten Kontakt kann man sich hier über anstehende Smart-City-Applikationen informieren, diese ausprobieren und Vorschläge einbringen. Das Stadtlabor wird zudem auch ein Ort sein, in dem die Menschen in entspannter Atmosphäre unterschiedliche Projekte und Vorhaben kennenlernen und testen können. Workshops, Ausstellungen, Testphasen und Informationsabende werden ebenfalls ein fester Bestandteil im Stadtlabor sein. Ein zentraler Aspekt ist der modulare Aufbau für vielfältige Nutzung und ein digitales Schaufenster.

"Wir wollen hier die entsprechende Kompetenz aufbauen, damit es auch nach dem Projekt weitergeht."
Madlen Müller-Wuttke, Chief Digital Officer

Zurück zur "Begegnungsstätte für Offliner". "Manche mögen den direkten Kontakt", so Madlen Müller-Wuttke, "vorbeikommen und sich vor Ort informieren." Aber nach dem Projekt soll natürlich nicht Schluss sein mit Smart City. "Wir wollen hier die entsprechende Kompetenz aufbauen, damit es dann weitergeht", plant die Digital-Chefin, die vor allem auch jede Art von Beklemmung seitens der Bürger gegenüber Digitalisierung oder Technik lindern möchte. "Durch direkten Austausch können wir Schwellenängste und Hemmungen abbauen", zeigt sich die CDO optimistisch. "Wir wollen Ansprechpartner vor Ort sein. Wenn jemand etwas über Smart City wissen möchte, kann er das in Haßfurt in der Hauptstraße 7 erfahren."

„Smart“ bedeutet so viel wie intelligent

Smart City - man kennt Smartphone, vielleicht Smart-TV, aber Smart City? Die Herkunft des Begriffs „Smart City“ gehe zurück auf die rasante Entwicklung neuer Informations- und Kommunikations-Technologien, erklärt das Deutsche Institut für Urbanistik (difu). Eine genau Definition gebe es jedoch nicht. Wörtlich übersetzt bedeutet „smart“ so viel wie intelligent, clever oder auch geschickt. Eine Stadt ist laut Institut "smart", wenn verschiedene Bereiche der Stadtentwicklung wie Infrastruktur, Gebäude, Mobilität, Dienstleistungen oder Sicherheit mit Hilfe moderner Technologien und Dienstleistungen vernetzt sind.

"Was in der Realität schon ist, wird in die digitale Welt rübergezogen."
Madlen Müller-Wuttke, CDO von Haßfurt

Es findet also in Haßfurt eine Art Vernetzung statt. Aber nicht nur das. "Was in der Realität schon ist", so Madlen Müller-Wuttke, "wird in die digitale Welt rübergezogen." Zum Beispiel: Wo ist was? Ein Modell von Haßfurt, wie es existiert, wird in der Online-Welt umgesetzt. "Wie kann man digitale Konzepte im Zuge der digitalen Transformation umsetzen?" Aber immer zusammen mit dem Bürger, betont der Chief Digital Officer. Denn man müsse ja sehen, "was Haßfurt braucht, damit wir nicht daran vorbei entwickeln". Wo ist eine freie Ladesäule für das Elektroauto? Wann fährt der nächste Bus? Wo kann ich meinen Hund anmelden? Lauter Fragen des täglichen Lebens - das alles und weitere Zusammenhänge werden erklärt im neuen Stadtlabor.

Unterstützung - nicht Ablösung

Es werde aber zu keiner Ablösung des bestehenden Systems kommen, es gibt viele Menschen, die an ihren Gewohnheiten festhalten, sondern das System soll vielmehr unterstützt werden. Leider habe die Beteiligung der Bevölkerung durch Corona stark gelitten. Andererseits mahne gerade die Geißelung durch die Pandemie dazu, Anträge online zu stellen, Termine online auszumachen, vieles zu erledigen, ohne dazu eigens das Rathaus aufsuchen zu müssen. Und es gibt auch andere Neuerungen im Angebot. Die Zeit gebiert nicht nur Influencer und Blogger, sondern auch "Mängelmelder". Wer zum Beispiel etwas entdeckt, das eben Mängel aufweist, zum Beispiel eine dunkle Straßenlaterne, ein geknicktes Verkehrsschild, kaputte Gehwege oder verschmutzte Spielplätze, kann dieses mit dem Smartphone dokumentieren und das Bild ins Rathaus übermitteln. Dort wird es an die zuständige Stelle weitergeleitet und die Behebung des Missstandes veranlasst. So funktioniert Smart City.

Großer Seminarraum im Untergeschoss

Über dieses und noch viel mehr informiert das Stadtlabor. Im Untergeschoss steht zudem ein großer Raum zur Verfügung, um Seminare, Informationsabende und Workshops abzuhalten. Schließlich stehen im Mittelpunkt des digitalen Wandels die Menschen. Und die benötigen auch ab und zu mal nicht nur Cyberspace, sondern etwas räumliches Miteinander, wenn zum Beispiel Wettbewerbe oder andere Veranstaltungen durchgeführt werden sollen. In einer Zeit möglichst nach Corona.

Im 'Untergeschoss' des künftigen Stadtlabors steht ein großer Raum zum Beispiel für Seminare, Infoabende  und Workshops zur Verfügung.
Foto: Wolfgang Sandler | Im "Untergeschoss" des künftigen Stadtlabors steht ein großer Raum zum Beispiel für Seminare, Infoabende  und Workshops zur Verfügung.
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