Iphofen

Corona-Folgen: Iphöfer Reisebüro spürt Frust statt Reiselust

August und September sind für Martina Ullrich die wichtigsten Monate für ihr Reisegeschäft. Doch dieses Jahr herrscht Ebbe in der Kasse. Ob das wieder besser wird?
Martina Ullrich betreibt in Iphofen ein kleines Reisebüro. Die Corona-Krise hat ihr Geschäft hart getroffen.
Foto: Michael Mößlein | Martina Ullrich betreibt in Iphofen ein kleines Reisebüro. Die Corona-Krise hat ihr Geschäft hart getroffen.

Seit 14 Jahren führt Martina Ullrich (51) ihr eigenes kleines Reisebüro in Iphofen, seit 24 Jahren arbeitet sie in der Branche. Die Corona-Pandemie hat ihr Geschäft getroffen wie keine Krise zuvor, inklusive Nine-Eleven, der Terroranschläge in den USA am 11. September 2001. Seit Tagen hatte sie keinen Kunden. Dabei ist Ende August, Anfang September, am Ende der bayerischen Sommerferien, noch Hochsaison – unter normalen Umständen. Doch was ist schon normal, in Zeiten, in denen eine Reisewarnung der nächsten folgt, denkt sich die Reiseverkehrskauffrau, die sich gerade mit ihrem Lotto-Geschäft und staatlicher Hilfe über Wasser hält.

Frage: Was ist für Sie an der jetzigen Lage am bittersten?

Martina Ullrich: Was viele nicht wissen: Reisebüros erhalten ihre Provisionen erst dann, wenn ein Kunde auch verreist. Also ist jetzt praktisch die Arbeit eines ganzen Jahres kaputt. Weil in der Sommersaison, wenn die Menschen verreisen, kommt das meiste Geld rein. Für die ganzen Rückabwicklungen von Reisen in letzter Zeit erhalte ich nichts. Und dann hat es teilweise Monate gedauert, bis die Kunden vom Veranstalter ihr Geld zurückbekamen, trotz der gesetzlich vorgeschriebenen Frist von 14 Tagen.

Erkennen Sie einen Hoffnungsschimmer angesichts ständig neuer Reisewarnungen?

Ullrich: Gar nicht. Spanien war jetzt noch der letzte Todesstoß. Und es ärgert mich auch die Berichterstattung zu 'Reiserückkehrern', die die Corona-Quoten in die Höhe treiben. Das sind oft Osteuropäer oder Menschen vom Balkan, die vom Urlaub bei ihren Familien zurückkehren, nicht Pauschaltouristen, die total infiziert heimkehren.

Wie viele Kunden von Ihnen sind denn aktuell auf Reisen?

Ullrich: Zwei Personen. Und für den ganzen September habe ich aktuell zwei aktive Buchungen.

Im Vergleich dazu: Was wäre denn in dieser Jahreszeit normal?

Ullrich: Im August und September mache ich 50 Prozent meines Jahresumsatzes. Das sind für mich als kleines Büro normalerweise 70 bis 80 gebuchte Partien im Monat. Jetzt im August sind drei gereist.

Macht es im Moment überhaupt Sinn, eine Reise zu buchen?

Ullrich: Gängig sind zur Zeit sehr kurzfristige Buchungen. Aus Europa raus kann man momentan schlecht, deshalb bleiben vor allem Griechenland und die Kanaren. Hinzu kommt das Problem, dass viele Hotels nicht aufmachen oder schließen früher. Manche Buchung muss man grade fünf, sechs Mal ändern.

Kommen Schnäppchenjäger jetzt auf ihre Kosten?

Ullrich: Man bekommt schon bei Reisen in die Türkei Schnäppchen. Aber man muss eventuell in Quarantäne. Doch in Griechenland sind die Preise zum Teil günstig.

Waren Sie dieses Jahr im Urlaub?

Ullrich: Ich war während des Lockdowns in Ägypten, habe mich dort aber sicherer gefühlt als zuhause.

Und wo geht's noch hin?

Ullrich: (lacht) Urlaub?! Mir fehlt ja mein Einkommen ... Wenn ich nicht mein Lotto-Geschäft hätte, müsste ich Hartz IV beantragen.

Wie lange halten Sie das noch durch?

Ullrich: Nur solange ich staatliche Unterstützung bekomme. Die Überbrückungshilfe – da kann ich nicht meckern – kam flott.

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