Kitzingen

Corona-Folgen: Zahl der Sozialhilfe-Anträge steigt

Mehr Anträge von Hilfesuchenden: Das Kitzinger Sozialamt hat die Auswirkungen von Corona auf die Menschen zu spüren bekommen. Explodieren jetzt die Sozialausgaben?
Die Folgen der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass viele Menschen weniger Geld im Geldbeutel haben, was dieses Symbolbild verdeutlichen soll. Zu spüren bekam das auch das Sozialamt in Kitzingen, in Form von gestiegenen Antragszahlen auf Sozialleistungen.
Foto: Jens Kalaene, dpa | Die Folgen der Corona-Pandemie sorgen dafür, dass viele Menschen weniger Geld im Geldbeutel haben, was dieses Symbolbild verdeutlichen soll.

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen hat sich auch auf das Sachgebiet Soziales und Senioren des Landkreises Kitzingen ausgewirkt – jedoch weniger stark als zunächst erwartet. Dies erfuhren die Mitglieder des Kreisausschusses für Bildung und Soziales von Sozialamtsleiter Daniel Kanzinger. "Die Antragszahlen stiegen nicht so sehr wie befürchtet", sagte er. Das Sozialamt war trotz Corona-Beschränkungen jederzeit erreichbar.

Auch Landrätin Tamara Bischof (Freie Wähler) nannte die aufgelaufenen Zahlen "nicht besorgniserregend". Diese pendelten sich mittlerweile wieder auf ein normales Niveau ein und zögen – was die Haushaltsplaner des Landkreises freuen dürfte – auch keine Kostenexplosion nach sich.

Nicht zuletzt die sich "fast täglich" ändernden gesetzlichen Änderungen, Anpassungen und Weisungen übergeordneter Stellen forderten seine Mitarbeiter zusätzlich heraus, erklärte Kanzinger. Beispielsweise müssen diese, um die Hilfe zum Lebensunterhalt und die Grundsicherung im Alter zu berechnen, nun für die Dauer von sechs Monaten die tatsächlichen Kosten für Unterkunft als angemessen berücksichtigen. Auch wird in diesem Zeitraum nur "erhebliches Vermögen" von Antragstellern berücksichtigt.

Rentner verloren durch Corona Minijobs

Dahinter steckt das Ziel des Staates, den Kreis der Berechtigten für Sozialleistungen zu erweitern, um Menschen, denen im Zuge der Corona-Pandemie Einkommen weggefallen ist, finanziell zu helfen, ohne dass diese Teile ihres Vermögens verlieren. Kanzinger nannte in seinem Vortrag etwa Rentner, die mit Minijobs ihre Rente aufbessern, diese Jobs wegen Corona jedoch verloren haben. Der Anstieg der Neuanträge hielt sich aber in Grenzen: Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften nahm während der Corona-Zeit von 446 im Januar auf 492 zu. Teilweise wurden die Anträge laut Kanzinger auch durch bewilligte staatliche Soforthilfen wieder zurückgezogen.

Im Bereich der Grundsicherung für Arbeitssuchende, für die das Jobcenter zuständig ist und für die der Landkreis die Kosten der Unterkunft und Heizung trägt, wuchs die Zahl der Bedarfsgemeinschaften von 894 im Januar auf 971 im Mai. Der Bund möchte hier jedoch den Anteil der Kosten, die er übernimmt, um 25 auf 72,1 Prozent erhöhen, was die Mehrkosten des Landkreises Kitzingen um circa 108 000 Euro schmälern würde.

Kurzarbeit führt zu mehr Wohngeldanträgen

Im Bereich Bildung und Teilhabe mussten durch den vermehrten Ausfall von Ausflügen laut Kanzinger bereits ausbezahlte Beträge "rückabgewickelt", sprich von Hilfeempfängern zurückgefordert werden.

Zu einem Anstieg der Antragszahlen führte Corona auch beim Wohngeldanspruch. Dort waren es im April 2019 noch 43 Anträge, ein Jahr später waren es 71. Doch im Mai sank die Zahl von Wohngeldanträgen wegen zu erwartender Kurzarbeit wieder auf 57 – Tendenz sinkend. Antragsteller waren meist Selbstständige oder Angestellte im Einzelhandel, Friseurhandwerk oder der Gastronomie, so der Sozialamtsleiter.

Selbsthilfegruppen dürfen sich wieder treffen

Unter Kündigungen oder der Nichtverlängerung von Arbeitsverträgen litten speziell auch Asylbewerber. Auch die Fachstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Seniorenfragen meldet für ihren Bereich viele Absagen von Veranstaltungen, Treffen oder Beratungsangeboten. Selbsthilfegruppen dürften sich mittlerweile wieder eingeschränkt treffen.

Was Kanzinger noch zu Corona berichtete: Ehrenamtliche Näherinnen erhielten durch das Nähen von Schutzmasken eine einmalige Aufwandsentschädigung von fünf Euro. Zudem könnten Nachbarschaftsinitiativen, die für Risikogruppen einkaufen, Fahrtkosten über das Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement – WirKT abrechnen.

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