Dialektforschung: Der Franke und sein „Fei“

Dialektforscherin: Monika Fritz-Scheuplein vom unterfränkischen Dialektinstitut der Universität Würzburg
Foto: DPA | Dialektforscherin: Monika Fritz-Scheuplein vom unterfränkischen Dialektinstitut der Universität Würzburg

Monika Fritz-Scheuplein, gebürtige Mellrichstädterin, arbeitet am Unterfränkischen Dialektinstitut in Würzburg. Sie betreut das Forschungsprojekt „Sprachatlas von Unterfranken“, ist Mitautorin verschiedener Bücher wie des „Wörterbuches von Unterfranken“. Am Mittwoch, 30. Januar, hält sie mit Professor Norbert Wolf in der Alten Synagoge in Kitzingen (19.30 Uhr, Eintritt frei) den Vortrag „Dialekte in Unterfranken“ und „Was kann, soll und darf Mundartlyrik“.

Frage: Wie viele Varianten von Käse gibt es in Unterfranken?

Monika Fritz-Scheuplein: Da gibt es einige Aussprachevarianten wie Kaas, Kääs, Kees und Keas.

Wie wird man Dialekt-Forscher?

Fritz-Scheuplein: Bei mir durch Zufall. Nach meinem Studium wurde das Forschungsprojekt 'Sprachatlas von Unterfranken' ins Leben gerufen. Da eine Mitarbeiterstelle frei war und ich für meine Magisterarbeit Feldforschung betrieben habe, hat sich das so ergeben.

Wie viele Dialekte gibt es in Unterfranken?

Fritz-Scheuplein: Eine Zahl lässt sich nicht nennen. Wenn Sie die Leute fragen, bekommen Sie zu hören, dass in jedem Dorf ein anderer Dialekt gesprochen wird. Es müsste also so viele Dialekte geben, wie es Orte gibt. So ist es aber nicht, da die Gemeinsamkeiten in der Regel größer sind als die Unterschiede, diese fallen einem nur mehr auf. In Unterfranken treffen zwei dialektale Großräume aufeinander, ein Mischgebiet. Die Sprachgrenze bildet die so genannte Spessartbarriere.

Was hat es mit dieser Barriere auf sich?

Fritz-Scheuplein: Westlich dieser Grenze spricht man mitteldeutsch, genauer rheinfränkisch-hessisch wie um Aschaffenburg und Alzenau. Östlich davon oberdeutsch, genauer: unterostfränkisch. Das Zentrum des Unterostfränkischen befindet sich im Würzburger Raum. Ganz im Osten findet man schon das Oberostfränkische, die Sprachgrenze heißt Steigerwaldschranke. Zwischen dem Mitteldeutschen und Oberdeutschen liegt um die Spessartbarriere ein Mischgebiet. Dort treffen Dialektmerkmale aus dem Ostfränkischen, Hessischen und Thüringischen aufeinander.

Wie funktioniert Dialekt?

Fritz-Scheuplein: Dialekt betrifft alle Ebenen der Grammatik – also Lautung, Formenbildung, Satzbau und Wortschatz.

Drei Sätze über das Dialektinstitut in Würzburg . . .

Fritz-Scheuplein: Das Institut ist das Kompetenzzentrum für Dialektforschung in Unterfranken, Anlaufstelle für Fragen zum Dialekt. Da es maßgeblich vom Bezirk Unterfranken finanziert wird, verbindet es Wissenschaft und Beratung der Öffentlichkeit miteinander. Das Institut bietet auch Materialien und Projekte für Schulen an, unterhält ein Mundartarchiv und die bayerische Dialektdatenbank – Genaueres auf der Homepage unter www.unterfraenkisches-dialektinstitut.de.

Ihr Lieblings-Dialektwort?

Fritz-Scheuplein: Da gibt es mehrere. 'Fei' ist sehr schön, weil es sehr universal einsetzbar ist.

Und Ihr Lieblings-Dialektsatz?

Fritz-Scheuplein: Nuu sood, nuu lää! Ein Spruch aus der Rhön, den man sagt, wenn man viel gegessen hat. Übersetzt lautet er: Nun bin ich satt, nun muss ich mich hinlegen.

Was fällt Ihnen zum Kitzinger Dialekt ein?

Fritz-Scheuplein: Als Besonderheit, dass in dieser Region Adjektive gerne mit der Endung –i anstelle von -e und -a gebildet werden, zum Beispiel bösi Kinner, aldi Häuser, schlachdi Zee, also schlechte Zähne.

Was erwartet die Besucher am Mittwoch?

Fritz-Scheuplein: Zwei Vorträge. Ich werde die Dialekte in Unterfranken vorstellen. Anschließend beleuchtet Professor Wolf das Thema Mundartlyrik. Es wird informativ und unterhaltsam.

Geht der Dialekt langsam verloren?

Fritz-Scheuplein: Nein, verloren gehen wird er nicht. Aber er verändert sich. Es verschwinden immer mehr die Ortsdialekte. Dafür bilden sich großräumige Varianten, so genannte Regionaldialekte.

Sind Sie Schon mal an einem Dialekt gescheitert?

Fritz-Scheuplein: Gescheitert nicht, aber manchmal dauert es, bis man sich eingehört hat. Als ich Dialekt für meine Doktorarbeit erhoben habe, gab es in Unterfranken in manchen Orten einzelne Laute, die schwer zu notieren waren.

Welches Dialekt-Wort haben Sie zuletzt entdeckt?

Fritz-Scheuplein: Eher wiederentdeckt: Kürzlich kam die Anfrage aus Thüringen, was 'zöbeln' bedeutet. Ich kenne dieses Wort seit meiner Kindheit, es war aber in Vergessenheit geraten. 'Zöbeln' bedeutet so viel wie 'an den Haaren ziehen'.

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