Kitzingen

Fastenimpuls: Gottes Wort hat Kraft

Fastenimpuls: Gottes Wort  hat Kraft       -  Wo waren sie nur geblieben, all die Jahre ihres Lebens. Manches Mal saß sie stundenlang einfach nur da und war tief versunken in ihren Erinnerungen. Bilder aus ihrer Kindheit tauchten wieder auf. Damals auf dem kleinen Dorf, als die Großmutter noch lebte. Die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Harte Jahre. Auch Jahre der Entbehrung. Als der Vater dann in Russland blieb. Und die Winter am Ende des Krieges. Meterhoch lag der Schnee. Eiskalt fegte der Ostwind über die verschneiten Felder. Plötzlich waren alle diese Bilder wieder ganz klar vor ihrem inneren Auge. Die guten Zeiten. Die große Liebe ihres Lebens. Die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Der erste Urlaub. Die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs. Das kleine Siedlungshaus, das sie sich vom Mund abgespart hatten. Dann verließen die Kinder das Haus, gingen ihre eigenen Wege. Und die Zeit flog dahin. Gute und schwere Zeiten kamen und gingen. „Je älter du wirst, umso schneller vergeht ein Jahr!“ Das hatte die Großmutter immer gesagt. Früher hatte sie dann nur mit dem Kopf geschüttelt. Zeit ist doch etwas Messbares: Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde. Aber das Leben hatte sie eines Besseren belehrt. Immer wieder musste sie in ihrem Leben auch schwere, bittere Wege gehen. Als ihr Mann krank wurde. Die Jahre, als sie ihn gepflegt hatte. Jener Tag im Februar, als er starb. Einen Satz aber hatte sie sich in all den Jahren ihres Lebens bewahrt. Bei ihrer Konfirmation wurde er ihr mit auf den Weg gegeben. Und im Fluge der Zeiten war er ihr oft ein letzter Halt, immer auch ein großer Trost. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet!“ Dieser eine Satz hat sie durch alle Zeiten begleitet, sie getröstet und stark gemacht. Das hat sie mir oft mit einem Lächeln und einer tiefen Zufriedenheit erzählt. Gottes Wort hat Kraft. Es trägt Menschen durch die Krisenzeiten hindurch. Und es ist immer wieder auch ein Aufbruch für die Seele.
Foto: häberlein Der Autor: Paul Häberlein ist Pfarrer in Mainbernheim und Dekanatsjugendpfarrer im Dekanat Kitzingen. | Wo waren sie nur geblieben, all die Jahre ihres Lebens. Manches Mal saß sie stundenlang einfach nur da und war tief versunken in ihren Erinnerungen. Bilder aus ihrer Kindheit tauchten wieder auf.

Wo waren sie nur geblieben, all die Jahre ihres Lebens. Manches Mal saß sie stundenlang einfach nur da und war tief versunken in ihren Erinnerungen. Bilder aus ihrer Kindheit tauchten wieder auf. Damals auf dem kleinen Dorf, als die Großmutter noch lebte. Die Zeit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg. Harte Jahre. Auch Jahre der Entbehrung. Als der Vater dann in Russland blieb. Und die Winter am Ende des Krieges. Meterhoch lag der Schnee. Eiskalt fegte der Ostwind über die verschneiten Felder. Plötzlich waren alle diese Bilder wieder ganz klar vor ihrem inneren Auge. Die guten Zeiten. Die große Liebe ihres Lebens. Die Zeit, als die Kinder noch klein waren. Der erste Urlaub. Die Jahre des wirtschaftlichen Aufschwungs. Das kleine Siedlungshaus, das sie sich vom Mund abgespart hatten. Dann verließen die Kinder das Haus, gingen ihre eigenen Wege. Und die Zeit flog dahin. Gute und schwere Zeiten kamen und gingen. „Je älter du wirst, umso schneller vergeht ein Jahr!“ Das hatte die Großmutter immer gesagt. Früher hatte sie dann nur mit dem Kopf geschüttelt. Zeit ist doch etwas Messbares: Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde. Aber das Leben hatte sie eines Besseren belehrt.

Immer wieder musste sie in ihrem Leben auch schwere, bittere Wege gehen. Als ihr Mann krank wurde. Die Jahre, als sie ihn gepflegt hatte. Jener Tag im Februar, als er starb.

Einen Satz aber hatte sie sich in all den Jahren ihres Lebens bewahrt. Bei ihrer Konfirmation wurde er ihr mit auf den Weg gegeben. Und im Fluge der Zeiten war er ihr oft ein letzter Halt, immer auch ein großer Trost. „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet!“ Dieser eine Satz hat sie durch alle Zeiten begleitet, sie getröstet und stark gemacht. Das hat sie mir oft mit einem Lächeln und einer tiefen Zufriedenheit erzählt. Gottes Wort hat Kraft. Es trägt Menschen durch die Krisenzeiten hindurch. Und es ist immer wieder auch ein Aufbruch für die Seele. Foto: häberlein

Der Autor: Paul Häberlein ist Pfarrer in Mainbernheim und Dekanatsjugendpfarrer im Dekanat Kitzingen.

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