Kitzingen

Förster mit Leib und Seele

Klaus Behr Förster Forstamtsleiter Diana Fuchs 2020 (3)       -  Klaus Behr, scheidender Leiter des Bereichs Forsten am Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft & Forsten, und seine Hündin Bella werden auch weiterhin durch die fränkischen Wälder streifen.
Foto: DIANA FUCHS | Klaus Behr, scheidender Leiter des Bereichs Forsten am Kitzinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft & Forsten, und seine Hündin Bella werden auch weiterhin durch die fränkischen Wälder streifen.

Kitzingen Ein großer Garten am See mit Jägerzaun und Birkenallee: Klaus Behr ist in echter Forsthaus-Idylle aufgewachsen, in der Nähe von Pommersfelden, wo sein Vater Förster des Adelshauses Schönborn war. Kein Wunder also, dass es auch ihn in den Wald zog? „Um ein Haar wäre alles anders gekommen“, sagt der bisherige Leiter des Kitzinger Forstamtes. Ehe er sich in den Ruhestand verabschiedet, blickt der 65-Jährige zurück auf seine Zeit in den Wäldern rund um Pommersfelden, Würzburg, Eltmann und Kitzingen sowie voraus auf seinen Unruhestand in Bad Kissingen. Und er verrät, wie er Rehbraten am liebsten mag.

Frage: Ihre Kindheit klingt nach Abenteuern wie in Astrid Lindgrens Evergreen „Die Kinder von Bullerbü“.

Klaus Behr: Ja! Genauso war es, vielleicht sogar noch ein bisschen besser! So bin ich zum Beispiel nie in einen Kindergarten gegangen. Es gab einfach keinen in der Nähe. Meine beiden jüngeren Geschwister, unsere Freunde und ich haben aber nichts vermisst, denn wir hatten ja den großen 'Abenteuerspielplatz Natur' direkt vor der Haustür. Als ich zur Schule kam, bestand diese noch aus einem Klassenzimmer, in dem ein Lehrer acht Klassen mit insgesamt 65 Schülern unterrichtete.

Wenn der Lehrer da nicht streng war, hatte er keine Chance...

Behr: Stimmt. Der Respekt war damals noch riesig! Richtig streng ging es aber eigentlich erst in der Klosterschule zu, im Internat bei den Franziskanern in Würzburg. Dorthin musste ich nach der Grundschule wechseln. Wir waren nur Jungs. Der damalige Drill war, zumindest am Anfang, schon massiv und ist aus heutiger Sicht kaum mehr zu verstehen. Nach dem Abitur am humanistischen Wirsberg-Gymnasium habe ich mich auf das Forststudium in München gefreut.

Hätten Sie sich je vorstellen können, etwas anderes als Forstwirtschaft zu studieren?

Behr: Schon als Vorschulkind war für mich klar: „Ich will Förster werden!“ Mein Vater hat mich dazu nie gedrängt, aber er hat mich sehr früh mit in den Wald genommen, mir alles gezeigt und begeisternde Geschichten erzählt. Für mich war daher klar, dass ich in seine Fußstapfen treten will. Aber dann wäre doch fast alles anders gekommen.

Was ist passiert?

Behr: Der Numerus clausus war damals für das Forststudium ziemlich hoch! Mein Notenschnitt hat haarscharf nicht gereicht. Deshalb habe ich mir völlig überraschend Alternativen überlegen müssen. Ich habe mich fürs Tiermedizinstudium beworben und zusammen mit meiner Kunstlehrerin – ich hatte Kunst-Leistungskurs – eine Mappe für die Aufnahme in der Kunstakademie zusammengestellt.

Künstler oder Tierarzt statt Förster – wieso kam es dann doch nicht dazu?

Behr: Ich habe dann kurzfristig doch noch einen Nachrückplatz für den Semesterbeginn im Forst bekommen. An die vier Jahre in der altehrwürdigen forstlichen Fakultät in der Schwabinger Amalienstraße erinnere ich mich gerne. Bis heute habe ich noch gute Freunde aus dieser Zeit.

Nach dem Studium kehrten Sie zurück nach Franken – zunächst nach Oberfranken.

Behr: Ja, als Referendar ans damalige Forstamt Ebrach. Mein Ausbilder dort war Forstmeister Dr. Georg Sperber, ein fachlich allseits hoch geschätzter, aber auch zur damaligen Zeit schon streitbarer Forstmann. Er gehörte zu den Wenigen, die die Zusammenhänge zwischen Jagd und Waldbau bereits frühzeitig erkannt und thematisiert haben. Von ihm, der den Nationalpark Bayerischer Wald mit aufgebaut hat, habe ich am besonders viel lernen können, sei es zum Waldbau, zur Jagd, zur Hundeausbildung oder zum Naturschutz im Wald. Er hat mich als Förster wohl am stärksten geprägt. Ich bin ihm hierfür sehr dankbar!

Ahnten Sperber und Sie schon vor 40 Jahren, welch enorme Probleme auf den Wald zukommen?

Behr: Ja, sogar schon vorher! Ich erinnere mich an eine Meteorologie-Vorlesung von Prof. Dr. Baumgartner, in der dieser den stark zunehmenden CO²-Ausstoß, den damit verbundenen Klimawandel und die zu erwartenden Probleme für unsere Umwelt thematisierte – vor 45 Jahren!

Und noch immer nehmen viele Menschen die Gefahr nicht ernst genug…

Behr: Leider passiert immer noch nicht genug, um die globale Erderwärmung auf unter 2,5 Grad Celsius zu begrenzen. Wenn wir das nicht schaffen, wird es Wälder, wie wir sie bislang kennen, für unsere Enkel nicht mehr geben. Die gehäuften Trockenjahre 2015, 2018, 2019 und 2020 haben unseren Wäldern schwer zugesetzt und uns einen Eindruck vom Ernst der Lage vermittelt. Nicht nur Baumarten aus den borealen Bereichen und den Gebirgsregionen, wie die Kiefer und die Fichte, sind gefährdet, sondern zum Beispiel auch die heimische Rotbuche, die „Mutter des Waldes“.

Aber die Forstleute versuchen doch, durch einen groß angelegten Waldumbau gegenzusteuern.

Behr: Der Waldumbau ist die größte Herausforderung, vor der Waldbesitzer und Forstleute in den nächsten Jahrzehnten stehen! Als Förster versuchen wir diesen Prozess durch unsere fachliche Beratung und die finanzielle Förderung bestmöglich zu unterstützen. Ehrlicherweise muss man jedoch einräumen, dass mit dem „Waldumbau in Zeiten des Klimawandels“ bislang niemand Erfahrungen sammeln konnte. Sicher ist jedoch zumindest, dass künftig nur durch eine üppige Mischung aus klimatoleranten Baumarten zukunftsfähige Wälder gesichert werden können.

Was braucht man dazu?

Behr: Dazu müssen alle Möglichkeiten der natürlichen Verjüngung noch stärker als bisher genutzt werden, da in Folge der Trockenjahre gepflanzte Jungbäume oftmals nicht anwachsen und immer wieder vertrocknen. Gerade die besonders klimatoleranten Baumarten, wie die Eichenarten, werden aber vom Rehwild nahezu flächendeckend viel zu stark verbissen, so dass sie sich nicht entwickeln können. Niedrigere Rehwildbestände sind daher eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Waldumbau.

Regelt die Natur nicht vieles ganz von alleine?

Behr: Derzeit wird bei den Diskussionen rund um den Wald oft der Eindruck erweckt die Stilllegung sei das Allheilmittel zur Gesundung unserer Wälder! Dies scheint mir eine fatale Fehleinschätzung zu sein! Wenn bei den derzeitigen waldbaulich-jagdlichen Rahmenbedingungen dem Jungwald schützende Altbestände durch Schadereignisse verloren gehen, wird sich erfahrungsgemäß ein Sukzessionswald aus wenigen Pionierbaumarten wie Birke, Zitterpappel, Kiefer und Fichte einstellen. Von dieser Baumartenzusammensetzung wissen wir, dass sie im Klimawandel wiederum nur eine kurze Lebenserwartung haben wird. Der Natur fehlen im Klimawandel ganz einfach ausreichend lange Anpassungszeiträume. Förster und Waldbesitzer erscheinen mir daher gut beraten, wenn sie den vorsorgenden und vorausschauenden Waldumbau aktiv und auf möglichst großen Flächen weiter massiv vorantreiben. Ökologisch wertvolle Sukzessionsflächen werden angesichts der zu erwartenden Entwicklung ganz bestimmt noch zur Genüge entstehen.

Angesichts dieser ganzen Probleme: Gehen Sie mit gemischten Gefühlen in den Ruhestand?

Behr: In meiner über 40-jährigen Dienstzeit konnte ich meine beruflichen Wünsche und Vorstellungen in vielen interessanten Positionen ausleben. Ich blicke daher zufrieden und auch mit einer gewissen Dankbarkeit zurück! Auf die nachfolgenden Förstergenerationen kommen enorme berufliche Herausforderungen zu. Es wird, zumindest in unseren warm-trockenen Regionen, um nicht mehr und nicht weniger gehen als um den Walderhalt! Ich wünsche mir, dass den jungen Förstern dies gelingt!

Sie haben berufsbedingt die Wälder fast in ganz Franken kennengelernt.Welche berufliche Station war Ihnen die liebste?

Behr: Stets die, an der ich gerade war. Wirklich – sie hatten alle ihren Reiz. Zum Forstamt Eltmann, in dem ich nach dem Staatsexamen als Förster angefangen habe und in das ich 1992 als Leiter zurückkehren durfte, gehört ein traumhaft schöner Wald. Zwischendurch war ich fünfeinhalb Jahre forstlicher Arbeitslehrer an der Oberforstdirektion Würzburg und fast drei Jahre lang stellvertretender Forstamtsleiter am Forstamt Würzburg, wo es mir, wenn ich das so salopp sagen darf, saugut gefallen hat. Nach der Forstreform, durch die das Forstamt in Eltmann 2005 aufgelöst wurde, übernahm ich den Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kitzingen. Hier schätzte ich vor allem die Atmosphäre im Amt, ebenso wie die Zusammenarbeit mit den Kommunen, allen übrigen Waldbesitzern sowie unserer Forstbetriebsgemeinschaft. Gemeinsam haben wir die Mammutaufgabe Waldumbau ein gutes Stück weit vorangebracht.

Dem Wald werden Sie sicher auch künftig nicht den Rücken kehren, oder?

Behr: Natürlich werde dem Wald eng verbunden bleiben, das ist klar. Vielleicht werde ich in meiner neuen Heimat Bad Kissingen Waldführungen oder Ähnliches anbieten. Außerdem freue ich mich, mehr Zeit für meine sieben Enkelkinder und für meine Hobbys zu haben. Ich möchte wieder mehr in Aquarell und Öl malen, reisen, mountainbiken, im Haus und im Garten werkeln und auch wieder mehr auf die Jagd gehen.

Man munkelt, Sie könnten Rehe nicht nur jagen, sondern auch ganz gut zubereiten...

Behr: (lacht) Ja natürlich! ein schöner Rehschlegel oder Rehrücken ist schon was Feines. Bei der Zubereitung von Wildbret gehöre ich eher zu den Traditionalisten. Das muss an der Prägung durch meine Mutter liegen! Am liebsten ist mir immer noch ein gespickter Rehrücken mit Blaukraut, Klößen oder selbstgeschabten Spätzle und Birne Helene. Und gerne backe ich auch mal Kuchen und Plätzchen.

Sie backen Plätzchen? Echt jetzt?

Behr: Ja! Zu Weihnachten habe ich Zimtsterne gebacken. Eine befreundete Bäckersfamilie hat mir den Trick mit dem aufklappbaren Ausstechstern verraten. Das musste ich unbedingt probieren – und es hat tatsächlich geklappt!

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