Kitzingen

Hier zeigt sich, was man kann

Schauen, fühlen, riechen: Niklas Völker und Michael Steigerwald versuchen, die verschiedenen Samen zu bestimmen, während die Prüfer Daniel Krank und Veronika Hautsch ihre Unterlagen ausfüllen.
Foto: Fotos (2): dieter | Schauen, fühlen, riechen: Niklas Völker und Michael Steigerwald versuchen, die verschiedenen Samen zu bestimmen, während die Prüfer Daniel Krank und Veronika Hautsch ihre Unterlagen ausfüllen.

„Sieht aus wie Cornflakes.“ Mit dieser Einschätzung lag Michael Steigerwald ein ganzes Stück daneben. Ansonsten hat der junge Mann aus dem Raum Aschaffenburg vieles richtig gemacht in der ersten Runde des Berufswettbewerbs der deutschen Landjugend.

Die Berufsschule in Ochsenfurt: Fast 80 junge Menschen aus den Landkreisen Aschaffenburg, Main-Spessart, Würzburg und Kitzingen lernen hier den Beruf des Landwirts. An diesem Donnerstag sind alle versammelt: die Erstsemester und die Schüler aus dem Abschlussjahrgang. Drei Jahre dauert die Ausbildung. Beim Wettkampf des Bayerischen Bauernverbandes müssen alle die gleichen Aufgaben bewältigen und die gleichen Fragen beantworten. Ein Wettbewerbsnachteil für die Jüngeren, die erst seit einem halben Jahr in die Schule gehen? „Nicht wirklich“, sagt Rudolf Bender, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes in Kitzingen. „Oft sind die Schüler aus dem ersten Berufsschuljahr sogar besser als die Älteren.“

Theorie und Praxis

Der Berufswettbewerb ist vor vielen Jahrzehnten ins Leben gerufen worden. Bender hat vor mehr als 30 Jahren selbst daran teilgenommen. Genau wie Alois Kraus, der heute der Obmann des BBV im Kreis Kitzingen ist. Auch damals gab es einen theoretischen und einen praktischen Teil. Auch damals beugten sich die Schüler über einen umfangreichen Fragenkatalog und mussten ein Werkstück fertigen.

Ganz ruhig ist es im großen Klassenzimmer. Die Schüler kritzeln konzentriert ihre Antworten auf den Fragebogen. Allgemeinwissen wird genauso abgefragt wie berufsspezifisches. Die Schüler sollen die Staaten aufzählen, die an Deutschland grenzen und wenig später die Verdauungsorgane von Schwein und Rind auf einer Skizze einzeichnen. „Landwirt ist ein anspruchsvoller Beruf“, sagt Bender. Pflanzenbau, Tierhaltung, Vegetation, Technik, Verhandlungsgeschick und vieles mehr muss ein Landwirt im 21. Jahrhundert beherrschen. „Da geht es nicht nur ums Schlepperfahren“, bestätigt Prüfungsvorsitzender Gerhard Endres.

Es geht auch um moderne Medien. Und eine anspruchsvolle Präsentation. „Geben Sie einen kurzen Überblick, wie Sie ihr Smartphone sinnvoll in Ihrer Berufsausbildung einsetzen können.“ Vier bis sechs Minuten Zeit haben die Teilnehmer, um über dieses Thema zu referieren. Hilfsmittel: Tafel, Flip-Chart, Pinnwand oder Beamer.

Rübensamen statt Cornflakes

Ging es bislang leise und konzentriert zu, wechselt die Atmosphäre im Werkraum. Laut ist es hier. Und auch ein wenig hektisch. 45 Minuten haben die Teilnehmer, um einen Gerätehalter zu fertigen. Bohren, Sägen, Schleifen, Biegen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Und die nächste Aufgabe wartet bereits. Auf Plastikteller haben die Prüfer Dinkel, Weizen, Mais, Luzerne und weitere Getreidesorten ausgestreut. Rund fünf Minuten haben die Schüler, um jeden Samen richtig zu bestimmen. Michael Steigerwald nimmt die kleinen Körner in die Hand, unterzieht sie einem kritischen Blick. Manchmal riecht er auch an einem Teller.

„Gar nicht so einfach“, sagt er. Vor allem der Teller mit der Nummer Eins bereitet ihm Sorgen. „Das hat bis jetzt noch keiner gewusst“, sagt Prüferin Veronika Hautsch und schmunzelt. Auch Steigerwald und sein Kollege Niklas Völker müssen passen. Cornflakes ist jedenfalls die falsche Antwort. Rübensamen wäre richtig gewesen. Aber wer weiß: Vielleicht bekommen die beiden eine zweite Chance. Die zehn besten der Berufsschule Ochsenfurt kommen zum Bezirksentscheid, von da geht es weiter zum Landes- und schließlich zum Bundesentscheid. Genug Chancen, um zu zeigen, was man kann.

Praxisübung: 45 Minuten Zeit hatten die Schüler für ein Werkstück.
| Praxisübung: 45 Minuten Zeit hatten die Schüler für ein Werkstück.
Sieger: Julian Stroh aus Hellmitzheim, Stephan Erbar aus Gnodstadt und Johannes Scheller aus Euerfeld sind die besten drei aus dem Landkreis Kitzingen beim Kreisentscheid. Sie werden umrahmt von Peter Aichmüller vom Amt für Ernährung Landwirtschaft und Forsten, BBV-Kreisobmann Alois Kraus, stellvertretender Landrätin Doris Paul, BBV-Kreisbäuerin Anette v. Berg-Erbar und BBV-Geschäftsführer Rudolf Bender. Beim Kreisentscheid im Landkreis Schweinfurt gewann Michael Nagler aus Martinsheim.
Foto: bbv | Sieger: Julian Stroh aus Hellmitzheim, Stephan Erbar aus Gnodstadt und Johannes Scheller aus Euerfeld sind die besten drei aus dem Landkreis Kitzingen beim Kreisentscheid.
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