Kitzingen

Landratskandidat Markert: "Mit beiden Beinen auf dem Boden"

Hat man als Quereinsteiger ein Manko? Hat man als Dachdecker die bessere Übersicht? Was würde Timo Markert sofort in Angriff nehmen? Das Interview mit dem Herausforderer.
Landratskandidat Timo Markert auf Wahlkampftour.
Foto: Frank Weichhan | Landratskandidat Timo Markert auf Wahlkampftour.
Frage: Was macht den Landkreis Kitzingen einzigartig?

Timo Markert: Wir leben in einer wunderbaren Region: Wein, Main, Steigerwald. Das macht es lebenswert. Einzigartig ist auch die Infrastruktur: Wir haben hier die B 8, die B 22, die Anbindung an Schweinfurt, wir haben die Autobahnen und einen Flughafen in der Nähe. 

Und andersherum: Was fehlt dem Landkreis?

Markert: Wir haben hier alles, was wir zum Leben brauchen. Dafür stehe ich auch, dass es so bleibt. Ich wünsche mir, dass keiner aus beruflichen Gründen wegziehen muss. 

Wie viel Mut braucht es, eine Amtsinhaberin wie Tamara Bischof herauszufordern?

Markert: Mitte vergangenen Jahres ist man auf mich zugekommen, ob ich mir das zutraue. Der Gedanke ist dann immer mehr gereift. Ich weiß nicht, ob das mutig ist – ich traue mir das einfach zu. Beim CSU-Empfang kürzlich in Wiesentheid hat Markus Söder gesagt, er will seine Amtszeit auf zwei Perioden festlegen. Da stehe ich absolut dahinter. Weil ich der Meinung bin, dass man irgendwann wieder an den Ausgangspunkt kommt. Man verliert mit der Zeit Energie, außerdem gibt es so etwas wie Amts- und Betriebsblindheit. Wenn man sich nicht immer neu erfindet, gibt es Stillstand.

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Sie würden also auch nur zwei Perioden machen?

Markert: Ja, wenn ich Landrat werde, mache ich das zwei Perioden lang, das habe ich mir auf die Fahnen geschrieben. In der ersten Periode wird man noch mit Projekten des Vorgängers konfrontiert, das ist in allen Gremien so. Gegen Ende kann man dann seine eigene Handschrift einbringen, um in der folgenden Periode die Spuren zu hinterlassen, die man hinterlassen möchte.

Warum sollte man gerade Sie wählen?

Markert: Weil ich finde, dass die entsprechenden Gremien von einem Praktiker geführt werden sollten. Von jemanden, der im Geschäftsleben schon erfolgreich war. Von jemandem, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht und nahbar ist. Jemand, der von außen die Dinge betrachtet. Ich kann mit jedem neu anfangen, weil ich noch mit keinem ein Problem hatte.

Sie sind oft auf Dächern – haben Sie die bessere Übersicht?

Markert: Zunächst: Ich bin nicht nur Dackdecker, sondern habe auch eine kaufmännische Ausbildung. Ich steige natürlich jeden Tag die Leiter hoch und ich komme an Stellen, an denen manch anderer gerne wäre.

Waren Sie schon in jedem Ort im Landkreis?

Markert: Mir fehlt noch die Ecke rund um Prichsenstadt, aber ich war bisher sicher in 90 Prozent der Orte. Bei meiner Ortstour in Geiselwind war ich in manchen Gemeinden wirklich zum ersten Mal. Das sind aber bezaubernde Ecken, kann ich nur empfehlen.

Wie ermüdend ist so ein Wahlkampf?

Markert: Im Grunde ging es schon Mitte September los. Dann kamen die Nominierungen, die Kandidatenvorstellungen. Natürlich bin ich froh, dass jetzt das Ende in Sicht ist. Aber ich habe noch Kraft. Ich mache das mit Herzblut, wir wollen etwas reißen. 

Timo Markert.
Foto: Michael Mößlein | Timo Markert.
Wie nehmen Sie die Amtsinhaberin wahr?

Markert: Ich konzentriere mich auf meine Sache. Wenn ich mich an anderen Dingen hochziehen würde, würde mir vielleicht auch die Kraft fehlen. Mir ist es also egal, was sie macht.

Sie haben kommunalpolitisch kaum Erfahrung – ein Nachteil?

Markert: Es wird ja keiner als Landrat geboren. Wer in das Amt kommt, muss sich natürlich erst einarbeiten. Deshalb ist das mit der kommunalpolitischen Erfahrung auch eher egal. Und ich habe es ja schon gesagt: Als Quereinsteiger kann ich mit allen, es gibt keine Gräben.

Wenn Sie gewählt werden – was wären Ihre ersten Projekte? Gibt es einen Fahrplan?

Markert: Wichtig ist mir, dass die mittelständischen und kleinen Betriebe Ausbildungsplätze schaffen. Zuletzt kam eine Krankenschwester auf mich zu, die sich beklagte. Deshalb möchte ich mich mit den Mitarbeitern der Klinik zusammensetzen und fragen, was wir als Betreiber machen können. Außerdem möchten wir das 50:50-Taxi einführen, das ist eine coole Geschichte.

50:50-Taxi heißt?

Markert: Ich möchte den ÖPNV kurzfristig verbessern. Die Grundidee ist, dass Jugendliche nur die Hälfte zahlen und die andere Hälfte das Landratsamt. Abends könnten Jugendliche so vernünftig nach Hause kommen. Das ließe sich über eine App oder zunächst mal über Gutscheine machen. Im zweiten Schritt könnte ich mir vorstellen, dass das Modell auch für Auszubildende und Rentner kommt. Gerade für Auszubildende müssen wir ein besseres Klima schaffen, die müssen hier lernen und nicht in Würzburg.

Klimaschutz – dürfte das Thema der nächsten Jahre werden. Wie sehen Sie das?

Markert: Wir streben zunächst mal ein Wassermanagement an. Bekanntlich leben wir ja auf der fränkischen Trockenplatte und haben da einige Probleme. Dann geht es darum, aufzuforsten mit klima-resistenten Baumarten.

Wie empfinden Sie das Wald-Problem als Jäger?

Markert: Man muss wirklich was machen. Seit zwei Jahren sieht man beispielsweise Rehe, die an Bächen trinken. Normalerweise nehmen die Rehe Feuchtigkeit über die Blätter, Morgentau beispielsweise, auf. Wenn man Richtung Rödelsee fährt und schaut zum Schwanberg, sieht man die ausgetrockneten und sterbenden Fichten. Ich sehe da Handlungsbedarf. Aber ich komme natürlich nicht und heile die Welt. Wir müssen das alle zusammen lösen.

Das wäre einer Ihrer Schwerpunkte?

Markert: Wir müssen Klima und Wirtschaft gemeinsam betrachten. Wir haben Jahrzehnte gebraucht, um den Standard zu bekommen, den wir jetzt haben. Und es braucht auch jetzt wieder eine gewisse Zeit, um Klimaschutz aufzubauen. Mit wehenden Fahnen vorauszueilen bringt da wenig, wir müssen klug und vernünftig handeln.

Wie nachhaltig ist Ihr Leben?

Markert: Das fängt bei kleinen Dingen an: Wenn ich mit meinen beiden Hunden spazieren gehe und sehe Dreck, dann nehme ich den mit. Das kann jeder machen. Es geht schon damit los, dass die Raucher ihre Kippen nicht überall hinschmeißen. Da gibt es genügend Ansätze. Beim Einkaufen nehmen meine Frau und ich inzwischen Mehrwegbeutel. Das kostet kein Geld, tut niemandem weh und es ist doch viel gemacht.

Auf Ihren Flyern steht, sie wollen pro Neugeborenem im Landkreis ein Baum pflanzen – wo kommt die Idee her?

Markert: Das ist ein schöner Anlass, um Bäume zu pflanzen. Wir brauchen Kinder. Liebe für Bäume.  

Noch ein paar Stichworte: Steigerwaldbahn ...

Markert: Ich bin generell dafür, dass die Strecke in irgendeiner Form erhalten bleibt.

Als Bahnstrecke?

Markert: Wie gesagt: in irgendeiner Form. Ich warte jetzt die Fahrgast-Analyse erst einmal ab. Für mich persönlich ist die Steigerwaldbahn gar nicht so das Thema, wir haben noch gar keine Fakten. Jetzt ist alles Kaffeesatzleserei. Wenn Fakten da sind, wird entschieden. Noch ist alles denkbar. Ich könnte mich mit allem anfreunden und bin da neutral.

Nächstes Stichwort: Frei- und Hallenbäder ...

Markert: Wir sollten hier ein Gremium schaffen, weil das die Kommunen nicht alleine stemmen können. Schon deshalb, weil sie gar nicht die finanziellen Mittel haben. Aber es ist wichtig, dass wir im Landkreis Bäder haben, damit jedes Kind schwimmen lernen kann. Wir müssen vom Landkreis aus die betreffenden Kommunen, etwa Volkach, unterstützen.

"Bei der Steigerwaldbahn ist noch alles denkbar." 
Timo Markert, Landrats-Kandidat der CSU
Ihre Meinung zum Tierheim-Neubau?

Markert: Klares Ja zum Tierheim. Wenn es kein Tierheim gäbe, würde man die Tiere dem Bürgermeister bringen, der die Tiere dann vermutlich in seiner Garage oder wo auch immer unterbringen müsste. Das Thema geht also alle Gemeinden an.

Abschlussfrage: Sie wachen am 16. März auf – was passiert?

Markert: Ich hoffe, dass die Sonne scheint. Und ich möchte als Landrat aufwachen. Nach dem Frühstück stehe ich allen zur Verfügung, die mit mir reden wollen. Und abends gehe ich mit meiner Frau auf ein Konzert, das ist schon länger geplant.

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